Gérald Strub ist ein Exekutivpolitiker. Vor 14 Jahren wählten ihn die Einwohnerinnen und Einwohner von Boniswil am Hallwilersee zu ihrem Gemeindeammann. Das ist er immer noch. Zuvor war er während fünf Jahren Gemeinderat - bereits mit 25 schaffte er es in die Regierung seiner Gemeinde. Geht es nach Strub, soll die Kleinräumigkeit des Seetals jedoch aufgebrochen werden - zusammen mit seinem Amtskollegen aus Fahrwangen hat er die Idee einer Grossfusion angestossen. Bislang beisst er damit auf Granit: in Beinwil am See, Birrwil, Meisterschwanden und Seengen hat man keine Lust auf eine Metropole am Hallwilersee. 

Dass Gérald Strub nicht aufgibt und weiter für den Zusammenschluss weibelt, passt zu seinem Hobby: Der Freisinnige ist Marathonläufer – er macht einen kleinen Schritt nach dem anderen, um sein Ziel zu erreichen. Strub vergleicht auch das Rennen um den freien Regierungsratssitz mit einem Langstreckenlauf. Zuerst komme die Vorbereitung: «Man muss parat sein, das bin ich», sagt er. Einerseits sei der Zeitpunkt günstig, die Söhne inzwischen erwachsen und die berufliche Karriere gefestigt, sodass diese neue Herausforderung sehr interessant sei.

Andererseits findet Strub auch, er sei in seiner politischen Laufbahn an einem Punkt, der diesen nächsten Sprung zulässt. «Aber egal, wie gut man vorbereitet ist, braucht der erste Schritt am Start Mut», sagt er. «Das ist etwas Positives. Es zeigt den Respekt vor der Aufgabe. Das Regierungsamt ist eine grosse Herausforderung».

Ausgerechnet der Umstand, dass das neue Regierungsmitglied aller Wahrscheinlichkeit nach das Departement Gesundheit und Soziales (DGS) übernimmt, habe den Entscheid für eine Kandidatur vereinfacht. Das DGS ist jenes Departement, das zuletzt am häufigsten in der Kritik stand. Das schrecke ihn nicht ab, sagt Strub, im Gegenteil: «Im DGS braucht es jetzt jemanden, der anpacken und die Führungsaufgabe ausfüllen will. Das reizt mich.» Er möchte aber nicht von «aufräumen» reden. «Die Mitarbeitenden im Departement erfüllen ihre Aufgaben gut, der Betrieb läuft. Nach dieser schwierigen Zeit verdienen sie einen Vorsteher, der ihnen ein gutes Arbeitsumfeld und Wertschätzung bietet.» Wer das DGS übernehme, werde es in der Öffentlichkeit und der Politik nicht einfach haben, ist Strub überzeugt, aber: «Es geht mir nicht darum, dass ich es schön habe. Ich will meinen Beitrag für den Kanton Aargau, seine Bevölkerung und seine Wirtschaft leisten. Ich bin überzeugt, dass ich das kann.»

Netzwerken und politisieren im Hintergrund

Gérald Strub muss im Falle einer Nomination heute auch die Aargauerinnen und Aargauer für sich gewinnen. Sein Bekanntheitsgrad ist, im Gegensatz zu anderen Regierungsratsanwärterinnen und -anwärtern, aber noch klein. Strub sitzt erst seit zweieinhalb Jahren im Grossen Rat. Der grosse Wurf ist ihm dort bisher nicht gelungen. Er hat erst drei Vorstösse ein- , beziehungsweise miteingereicht. Zwei davon zu Informatik-Geschäften, einen zur Teilrevision des Steuergesetzes. Er agiere im Hintergrund, verhandle in der Kommission «Allgemeine Verwaltung» und suche die Zusammenarbeit inner- und ausserhalb der Fraktion.

Er sei auch bestens vernetzt, versichert Strub. Mit seiner Firma ist er als Berater für kommunale und kantonale Verwaltungen tätig - die Kantonsverwaltung kenne er daher bestens, sagt er. Zudem ist Strub seit neun Jahren im Vorstand der Gemeindeammänner-Vereinigung. Er sei eben ein Exekutivpolitiker, stellt der Boniswiler wiederum klar. Und das komme ihm zugute, denn: «In der Regierung geht es darum, die beste Lösung zu finden. Nicht für die Partei oder die Fraktion, sondern für unseren tollen Kanton».