Kanton Aargau

Grenzen kümmern Aargauer Gemeinden wenig

Agglomeration Aarau

Agglomeration Aarau

Wo gehört welche Gemeinde hin? Das Bundesamt für Statistik hat Agglomerationen neu definiert – doch Gemeinden arbeiten grossräumiger. Sie lässt die neue Karte kalt.

Wo gehören wir dazu? Bei dieser Frage könnten sie ratlos werden, die Gemeinden in der Region. Oder zumindest verwirrt. Denn Grenzen und Gruppierungen gibt es einige.

Das Bundesamt für Statistik (BFS) hat seine Grenzen bezüglich Agglomerationen neu gezogen. Seit Anfang Jahr werden diese neu definiert.

Während früher als Agglomeration einfach ein zusammenhängendes Gebiet mit mindestens 20 000 Einwohnern bezeichnet wurde, geschieht die Einteilung nun detaillierter: Sie basiert auf der Dichte, die sich aus der Summe von Einwohnern, Beschäftigten und Logiernächten ergibt.

Die neue Einteilung macht Sinn, weil sich die Agglomerationen durch Bevölkerungswachstum und verbesserte Verkehrsinfrastruktur in den letzten Jahren stark verändert hat. So zählen weniger Gemeinden zum Kern Aarau, unter anderem weil Schönenwerd nun als eigene Kerngemeinde ausserhalb der Agglomeration gilt.

Planungsverbände sind wichtiger

Die Gemeindeammänner der Region lässt die neue Karte dennoch kalt. «Spielt für uns keine Rolle», lauten die Antworten in acht angefragten Gemeinden einhellig. Dabei hat schon die Bedeutung der Bezirksgrenzen mancherorts abgenommen.

Die Gemeinden unserer Region sind anders vernetzt, innerhalb der selbst geschaffenen Regionalplanungsverbände wie jenem der Region Aarau (PRA), des Lebensraums Lenzburg Seetal, aargauSüd Impuls und Suhrental. Das ist, was für sie zählt, so arbeiten sie zusammen.

Dabei verblasst in der Region Aarau sogar die Grenze zum Kanton Solothurn. Erlinsbach SO ist sowohl im PRA wie auch im Verein AareLand und Olten-Gösgen-Gäu. «Wir können überall unsere Meinung einbringen und haben damit gute Erfahrungen gemacht», sagt Gemeindepräsident Markus von Arx. Die Kantonsgrenzen seien zwar noch spürbar, aber die Verkehrsströme machten davor nicht halt.

Deshalb findet er, auch Schönenwerd und Gretzenbach sollten wie bis anhin zur Agglomeration Aarau zählen. «Aarau gilt für viele Schönenwerder als ‹ihre› Stadt», sagt denn auch Gemeindepräsident Peter Hodel in Schönenwerd.

Für Hirschthal stimmts

Stimmig findet man die neue Einteilung in Hirschthal. Die Gemeinde zählt zusammen mit Schöftland nicht mehr zur Kerngemeinde Aarau. «Wir sind in der Mitte», sagt Gemeindeschreiber Hansjörg Baumberger, «und in vielen Dingen sowohl nach Schöftland als auch nach Aarau orientiert. Hirschthal weiss die Lage zwischen Stadt und Land zu nutzen und wirbt für sich als «zentrumsnahe Gemeinde in ländlicher Idylle». Die Gemeinde Schöftland ihrerseits versteht sich ohnehin selbst als Zentrumsgemeinde – die Abkoppelung von Aarau durchs BFS passt dazu.

Wohl haben die Statistiker nichts vom Streit um die Zuteilung der Schüler in den Lottengemeinden gewusst. Dass Rupperswil, Hunzenschwil und Schafisheim neu nicht mehr zur Agglomerationsgemeinde Lenzburg gehören, hat sich über andere statistische Daten ergeben, aber es stimmt auch hier. «Der Status einer mehrfach orientierten Gemeinde passt für uns», sagt der Schafisheimer Vize-Ammann Roland Huggler. «Wir sind aber eindeutig mehr auf Lenzburg als Aarau bezogen und fühlen uns dem Seetal zugehörig.» Silvana Richner, Gemeindeammann in Hunzenschwil, geht mit Huggler einig.

Schulverbände am wichtigsten

Dafür gehört nun Holderbank dazu. «Es stimmt, dass wir nach Süden orientiert sind», sagt Gemeindeammann Herbert Anderegg. «Wenn wir nicht in Wildegg in die Migros gehen, dann in Lenzburg.» Einkaufen ist das eine – wo die Kinder in die Schule gehen, ist aber oft der erste Schritt zur Zusammenarbeit, wichtiger noch als Feuerwehr-Kooperationen oder Spitex-Verbände. Auf mögliche Fusionen hat die BFS-Karte keinen Einfluss, sagen die angefragten Gemeindeammänner. Die Annäherung findet über Kreisschulen statt.

Das Bundesamt für Statistik listet schweizweit 49 Agglomerationen auf. Dass die Grenzen der Zusammenarbeit oft anders verlaufen, stört das BFS nicht. «Die neue Definition der Agglomerationen wurde primär zu statistischen Zwecken eingeführt», sagt Sektionschefin Anne-Marei Mayerat. «Eine Verwendung dieser Definition für politische oder administrative Zwecke obliegt den politischen Ämtern oder Behörden.» Es gehe darum, die Realität nach objektiven Kriterien abzubilden.

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