Brittnauer Lawinenopfer

Grosse Geste: Angehörige schliessen Bergführer in Danksagung mit ein – gegen den Justiz ermittelt

Grosse Geste der Angehörigen: «In unseren Dank einschliessen möchten wir auch [...] den Bergführer für die tiefe Anteilnahme und Präsenz».

Grosse Geste der Angehörigen: «In unseren Dank einschliessen möchten wir auch [...] den Bergführer für die tiefe Anteilnahme und Präsenz».

Es war das schwerste Lawinenunglück des Winters: Im März starben im Tirol vier Tourenskifahrer aus der Region Zofingen. Die österreichische Justiz ermittelt gegen den überlebenden Schweizer Bergführer wegen Verdachts auf fahrlässiger Tötung. Die Angehörigen der Todesopfer indes zeigen eine grosse Geste: In ihrer Danksagung schliessen sie den Bergführer mit ein.

Die acht Wintersportler aus der Region Zofingen waren am 15. März 2017 mit dem Männerturnverein Brittnau auf einer Skitourenwoche in den Tuxer Alpen gewesen – so wie sie es seit Jahren taten, stets gut ausgerüstet.

Doch als sie vom Gipfel des 2453 Meter hohen Jochgrubenkopf über den Nordhang hinabfuhren, löste sich eine gewaltige, 700 Meter grosse Lawine. Alle acht Tourengänger aus den Aargauer Gemeinden Brittnau und Strengelbach wurden mitgerissen – doch nur vier Mitglieder – unter ihnen der Bergführer – konnten sich aus den Schneemassen befreien.

Gewaltige Lawine tötet vier Aargauer im Tirol

16. März 2017: Gewaltige Lawine tötet vier Aargauer im Tirol

Augenzeugen am Jochgrubenkopf äussern Bedenken zu den Schneeverhältnissen, doch ein lokaler Bergretter verteidigt den Bündner Bergführer der Skitourengruppe. (16.3.2017)

Knapp 60 Einsatzkräfte der Bergrettung, vier Suchhundeteams, die Alpinpolizei und fünf Rettungshubschrauber beteiligten sich danach umgehend an der Suche nach den Verschütteten, doch vergeblich. Zu tief waren die Männer verschüttet – sie konnten erst Stunden später tot geborgen werden. Vier Kameraden wurden tragisch aus dem Leben gerissen.

Die Frage nach dem Warum

Der Schock sass nicht nur bei den Überlebenden tief, auch in der Heimat war und ist man fassungslos ob der Tragödie. «Es tut einfach weh», sagte der Gemeindepfarrer von Brittnau zwei Tage danach. Damit die Bevölkerung von den vier Todesopfern Abschied nehmen können, legt er Kondolenzbücher in seiner Kirche auf. Mit ergreifenden Worten nahmen an der Abdankungsfeier am 25. März 2017 auch die überlebenden Kameraden Abschied.

Hunderte trauern um Lawinenopfer

Hunderte trauern um Lawinenopfer

Grosse Anteilnahme an der Gedenkfeier für die vier Männer, die in der Lawine in Tirol ums Leben gekommen sind.

Die verzweifelte Frage nach dem Warum begleitet den Betroffene und Angehörige bei Todesfällen immer. Im Tirol beschäftigte sich auch die Justiz mit dieser Frage: Wer trägt Schuld? Welche Akteure und Fehlerquellen gab's am Berg?

Auf dem extrem steilen Hang war es schon mehrmals zu Lawinenunglücken gekommen. Der Leiter des österreichischen Lawinenwarndienstes kennt die Tücken des Bergs und bezeichnete es wenige Tage nach der Tragödie als «keine gute Tourenwahl».

Deshalb löste sich die Lawine im Tirol

17. März 2017: Deshalb löste sich die Lawine im Tirol

Zwei Tage nach dem Lawinen-Drama sind die Ermittlungen schon weit. Durch die Befragung der Überlebenden weiss man nun, wie es zur Tragödie kam. (17. März 2017)

Die Tiroler Alpinpolizei schloss zwar aus, dass die Gruppe fahrlässig gehandelt habe. Dennoch ermittelt die österreichische Justiz gegen den Bergführer wegen des Verdachts auf grob fahrlässige Tötung. Ein juristisches Urteil ist bisher nicht gefallen.

Grosse Geste der Angehörigen

Zuspruch statt Verurteilung erhält der Bergführer nun von den Hinterbliebenen: Sechs Wochen nach der Tragödie veröffentlichen die Angehörigen der Lawinenopfer im «Zofinger Tagblatt» ihre Danksagung – an die Rettungskräfte, das Care Team und viele mehr.

Die Danksagung der Angehörigen der Lawinenopfer.

Die Danksagung der Angehörigen der Lawinenopfer.

Und man zeigt Herz für den Tourenführer: «In unserem Dank einschliessen möchten wir auch die überlebenden Kameraden der Skitour und den Bergführer für deren tiefe Anteilnahmen und Präsenz.»

Autor

Elia Diehl

Elia Diehl

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