Bremgarten

Grosse Razzia wegen G20-Krawallen: Verdächtiger Aargauer bleibt auf freiem Fuss

Grosse Razzia wegen G20-Krawallen: Verdächtiger Aargauer bleibt auf freiem Fuss

Razzia nach G20-Krawallen: Polizei sucht 27-jährigen Aargauer.

Die deutsche Justiz ermittelt wegen Brandstiftung und Landfriedensbruch gegen einen Mann aus Bremgarten. SVP-Glarner will das durchsuchte Kulturzentrum kaufen.

Am frühen Dienstagmorgen um 6 Uhr hat die Staatsanwaltschaft Hamburg eine internationale Polizeiaktion durchgeführt. Die Sonderkommission «Schwarzer Block» spürt Verdächtige auf, die am G-20-Gipfel in Hamburg an Krawallen teilgenommen haben sollen. In Italien, Spanien, Frankreich und der Schweiz umstellen Polizisten Häuser, wecken die Bewohner aus dem Schlaf.

In der Schweiz suchen die Hamburger Ermittler einen 27-jährigen Schweizer aus Bremgarten. Die Schweizer Bundespolizei Fedpol koordiniert den Einsatz. Den Lead hat die Aargauer Staatsanwaltschaft, da der gesuchte Mann aus dem Aargau stammt. Sie lässt in der Schweiz gleichzeitig zwei Einsätze durchführen.

Verdächtiger aufgegriffen

Um 6 Uhr marschieren Zürcher Kantonspolizisten vor einem Haus in der Nähe von Winterthur auf und verschaffen sich Zutritt. Sie nehmen vier Personen fest: den gesuchten 27-Jährigen und drei weitere Personen aufgrund weiterer Delikte. Einen wegen schwerer Körperverletzung, einen weiteren wegen Raufhandels, den Dritten wegen Widerhandlung gegen das Ausländergesetz, wie Carmen Surber, Sprecherin der Zürcher Kantonspolizei, auf Anfrage mitteilt. Der 27-Jährige sei aufgrund eines Vorführbefehls der kantonalen Staatsanwaltschaft den Aargauer Behörden übergeben worden.

G20-Gipfel: Demonstranten wüten in Hamburg

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Bei den Ausschreitungen wurden über 200 Polizisten verletzt. Politiker und Sicherheitsexperten kritisieren das späte Eingreifen der Polizei.

Die Aargauer Einsatzkräfte führen den Mann nach Bremgarten, damit er dort bei einer Hausdurchsuchung dabei sein konnte. Um 6 Uhr durchsuchte die Aargauer Kantonspolizei dort das Haus des Mannes und das autonome Kulturzentrum «Kuzeb».

Verwirrung und Wut

Dabei waren rund 100 Polizisten vor Ort, auch die Spezialeinheit Argus kam zum Einsatz. Die Aktion der Kantonspolizei kam für die Mitglieder des Vereins Kulturzentrum Bremgarten natürlich völlig überraschend und führte gestern Morgen zu Reaktionen der Verwirrung und der Wut. «Sie haben uns alle einer Leibesvisitation unterzogen», empörte sich eine junge Frau, die wie alle ihre Kollegen nicht mit Namen zitiert werden wollte. «Sogar in den BH haben die gegriffen.»

Ein anderes Mitglied der Gruppe beschwerte sich über das Schweigen der Polizei: «Sie haben uns nur gesagt, wir sollten hier draussen warten, mit gebührendem Abstand zum Haus. Sie haben nicht gesagt, warum sie überhaupt hier sind und was sie suchen. Einen Durchsuchungsbefehl haben sie uns auch nicht gezeigt.»

Computer mitgenommen

Das grosse Polizeiaufgebot vor dem Kuzeb, mit Maschinenpistolen und Hunden, beeindruckte auch viele Passanten, die den Einsatz mit ihren Handys fotografierten. Vor Ort war auch der Bremgartern Stadtammann Raymond Tellenbach. Er wurde kurz nach 6 Uhr von der Polizei aufgeboten, weil die Türe zum Kuzeb verschlossen und kein Verantwortlicher vor Ort war.

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Bei den Ausschreitungen wurden über 200 Polizisten verletzt. Politiker und Sicherheitsexperten kritisieren das späte Eingreifen der Polizei.

Die Türe wurde aufgebrochen, der Stadtammann musste als Amtsperson anwesend sein. Dies ist so festgelegt, um willkürliches Handeln seitens der Polizei zu vermeiden. Die ganze Aktion dauerte rund zwei Stunden, dabei wurden mehrere Computer zur weiteren Untersuchung mitgenommen. Laut dem Bundesamt für Polizei Fedpol war Bremgarten der einzige Ort in der Schweiz, an dem Razzien durchgeführt wurden.

Schwere Vorwürfe

Auslöser für die Aktion war ein Rechtshilfegesuch der Hamburger Staatsanwaltschaft. «Wir führen gegen einen 27-jährigen Mann ein strafrechtliches Verfahren», sagt Nana Frombach, Sprecherin der Generalstaatsanwaltschaft Hamburg. Dem jungen Schweizer werden schwerer Landfriedensbruch und schwere Brandstiftung vorgeworfen. Er soll laut Frombach in den frühen Morgenstunden des 7. Juli 2017 an Ausschreitungen an der Elbchaussee in Hamburg beteiligt gewesen sein. Die Ermittler hatten sein Foto bereits im Zusammenhang Krawallen am G20-Gipfel in Hamburg veröffentlicht.

Die Aargauer Staatsanwaltschaft hat den Beschuldigten gestern Diensag befragt, dabei waren auch zwei Hamburger Polizeibeamte. Ob er ein Geständnis abgelegt oder die Vorwürfe bestritten hat, gibt Fiona Strebel, die Sprecherin der Aargauer Staatsanwaltschaft, nicht bekannt. Klar ist aber: Der Mann wurde nicht verhaftet und befindet sich auf freiem Fuss. «Untersuchungshaft wäre nur dann möglich, wenn auf Gesuch einer ausländischen Behörde hin eine Strafübernahme durch die Schweiz erfolgt»,sagt Strebel.

Soweit ist es aber noch nicht, wie Nana Frombach, die Sprecherin der Hamburer Staatsanwaltschaft, auf Anfrage sagt. «Grundsätzlich könnte ein Prozess gegen den Mann nach Anklageerhebung in Hamburg stattfinden, die Ermittlungen dauern aber noch an und es ist zu früh, darüber zu spekulieren.»

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