Schulführung

Grossrat sieht Optimierungsbedarf und will gegen «Kanti-Wildwuchs» vorgehen

Bei den Kantonsschulen herrsche «Wildwuchs», man betreibe unnötigen Wettbewerb, sagt Sander Mallien. (Symbolbild)

Grossrat Sander Mallien (GLP) sieht Optimierungsbedarf bei den Kantonsschulen. Was aus seiner Sicht zu tun wäre, sagt er in zwei Vorstössen.

Faktisch würden die Aargauer Mittelschulen strategisch und operativ von den Rektoren geführt. Zu diesem Schluss kommt Grossrat Sander Mallien (GLP). Und er hat festgestellt, dass die Einflussnahme des Departements Bildung, Kultur und Sport (BKS) beinahe inexistent sei. Man beschränke sich im Wesentlichen auf die Wahl der Rektoren. «Diese geniessen, einmal im Amt, sehr grosse Freiheiten, hingegen kaum Unterstützung», schreibt Mallien in seiner Interpellation, die er kürzlich eingereicht hat. Diese Situation veranlasst den Grossrat dazu, der Regierung in zwei Vorstössen eine Reihe von Fragen zur Führungsstruktur an Kantonsschulen zu stellen.

200-jähriges Führungsmodell

Mallien möchte wissen, ob sich die Regierung eine zeitgemässere Führungsstruktur der Kantonsschulen vorstellen könnte. Immerhin stammt das aktuelle Rektorenmodell aus der Gründerzeit der Kantonsschule Aarau, ist also mindestens 200 Jahre alt.

Zudem fragt Mallien, ob es ausser dem Jahresgespräch eine Qualitätskontrolle der Arbeit der Rektoren gebe; und, falls ja, wann und wie diese Kontrolle erfolge. Nach seiner Ansicht können die Rektoren ihre Führungsaufgabe nur unbefriedigend wahrnehmen; die mangelnde und wenig abgestimmte strategische Führung seitens BKS führe zu Unsicherheit und Unzufriedenheit bei den Lehrpersonen betreffend Pensen und Stellensicherheit. Ob der Regierungsrat bereit sei, die Zügel für den ganzen Kanton einheitlich in die Hand zu nehmen, will Mallien weiter wissen. Denn besser geführte und zufriedenere Lehrpersonen wären auch mit weniger Lohn bei der Stange zu halten.

Unnötiger Wettbewerb

Noch weiter geht Mallien in seinem zweiten Vorstoss, einem Postulat. Bei den Kantonsschulen herrsche «Wildwuchs», man betreibe unnötigen Wettbewerb. Der Regierungsrat solle daher prüfen, wie die Aargauer Kantonsschulen besser koordiniert sowie strategisch und pädagogisch sinnvoller und damit auch kostengünstiger aufgestellt und geführt werden können. Zwar müssten sich alle Schulen an die gleiche Maturitätsverordnung halten. Aber sie hätten grosse Freiheiten, um «individuelle Steckenpferde zu reiten». Denn jede Schule möchte im Sinn einer Arbeitsplatzsicherung für Lehrpersonen möglichst viele Schüler anlocken.

Doch dieses «Werben» und die «freie Schulwahl» werde paradoxerweise torpediert durch die oft gelenkte Zuteilung von Schülerinnen und Schülern an bestimmte Kantonsschulen, welche ohne diese künstlichen Eingriffe kaum überlebensfähig wären. So stellt denn Mallien auch unverhohlen die beiden Kanti-Standorte in Wohlen und in Zofingen infrage. Er vermisst weiter eine gesamtkantonale, strategische Führung durch das BKS. Es gibt seiner Meinung nach an den Kantonsschulen viele Doppelspurigkeiten, die an jedem Standort eine teure Infrastruktur nötig mache.

Autor

Jörg Meier

Jörg Meier

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