Kantonsparlament

Grossratswahlen: Das sind die spannendsten Konstellationen in den Aargauer Bezirken

Kaum sind die Abstimmungen vom 27. September vorüber, geht es um die Grossratswahlen vom 18. Oktober. Die AZ versucht aufgrund der Einschätzungen unserer Regionalredaktionen eine kleine Übersicht über die spannendsten Konstellationen in den Bezirken.

Im Bezirk Aarau ist es bei der FDP (heute 3 Sitze) sehr spannend. Da sind die Bisherigen Lukas Pfisterer (Kantonalpräsident) und Suzanne Marclay. Die Aarauer Stadträtin rutschte 2019 für Maja Riniker (Nationalrätin) nach. Zudem kandidieren weitere Schwergewichte wie der Aarauer Stadtpräsident Hanspeter Hilfiker, der Oberentfelder Gemeindeammann Markus Bircher oder der junge, ambitionierte Yannick Berner.

Hilfiker werden gute Chancen zugeschrieben. Wenn noch ein Neuer einschlägt, könnte dies Marclays Sitz gefährden. Es ist zudem möglich, dass sich die SVP den frei werdenden BDP-Sitz (Marcel Bruggisser tritt nicht mehr an, die BDP löst sich im Aargau auf) schnappt. Oder legen die Grünen derart zu, dass sie ihren einst verlorenen zweiten Sitz zurückholen?

Die Kandidaten aus dem Bezirk Aarau:

Klimaaktivistin und ehemaliger Nationalrat drängen nach vorn

214 Kandidierende ringen um die im grössten Bezirk Baden zu vergebenden 30 Sitze. Wie in allen Bezirken war die SP vor vier Jahren die grosse Abräumerin (siehe Grafik). Hier sind die zwei bisher von der BDP gehaltenen Sitze zu vergeben. Einen will der bisherige Sitzinhaber Michael Notter neu für die CVP ins Trockene bringen. Zu erwarten ist, dass die Grünen (aktuell zwei Sitze) einen der BDP-Sitze holen.

Doch werden die Bisherigen, die Badener Stadträtin Ruth Müri und Neo-Grossrat Christian Keller (Geschäftsführer VCS Aargau) beide bestätigt? Die Grünen haben auf Listenplatz 1 die junge Klimaaktivistin Vera Becker gesetzt. Und auf dem vierten Listenplatz folgt Jonas Fricker. Er war grüner Nationalrat, trat aber nach einem völlig untragbaren Vergleich von Schweinetransporten mit Judendeportationen der Nazis zurück. Gelingt sein Polit-Comeback?

Die Kandidaten aus dem Bezirk Baden:

Im Bezirk Bremgarten treten 15 der 16 Bisherigen wieder an. Lediglich bei der SVP wird ein Sitz frei. Sie wird ihn wohl verteidigen. Aber mit wem? Mit Polit-Urgestein Manfred Breitschmid (71)? Oder kommt es zum Generationenwechsel? Bereit steht der junge Newcomer Yves Blülle.

Die Kandidaten aus dem Bezirk Bremgarten:

Brugg verliert als einziger Bezirk einen Grossratssitz. Der geht wegen des Bevölkerungswachstums in den Bezirk Lenzburg. Der Bezirk Brugg hat noch elf Sitze, alle Bisherigen treten wieder an. Eine oder einer muss am 18. Oktober also über die Klinge springen. Wen trifft es?

Die nachgerutschte SVP-Grossrätin Doris Iten, oder gar den prominenten EVP-Grossrat Roland Frauchiger? Noch spannender wird es, falls die GLP den vor vier Jahren verlorenen Sitz möglicherweise zurückerobert.

Die Kandidaten aus dem Bezirk Brugg:

Hier gehts zu den Wahlhilfen:



Kann sich die Kleinpartei EDU im Grossen Rat halten?

Der Bezirk Kulm hat neun Sitze zu vergeben. Hier ist die spannendste Frage, ob die kleine EDU die vom Wahlgesetz verlangte Quote von mindestens 5 Prozent Wähleranteil in einem Bezirk wieder überspringt. Derzeit steht die EDU in Kulm bei 5,35 Prozent. Schafft sie es nicht, können andere profitieren. Chancen hätten FDP (die 2016 einen Sitz verlor), GLP oder Grüne.

Die Kandidaten aus dem Bezirk Kulm:

Im Bezirk Laufenburg mit seinen 7 Sitzen will die CVP unbedingt ihren Sitzverlust von 2016 (er ging damals an die SP) wettmachen. Der Verlust schmerzte die CVP besonders, weil sie im Bezirk gar mehr Stimmen holte als die SP. Zugute kommen könnte der CVP, wenn die bisher BDP-Wählenden (1,5 Prozent) jetzt auf sie setzen.

Die Kandidaten aus dem Bezirk Laufenburg:

Der Bezirk Lenzburg kann neu 13 (bisher 12) Sitze vergeben. Spannend ist es hier bei der CVP, die 2016 auf einen Sitz kam. Während der Legislatur zog Cécile Kohler aus Baden nach Lenzburg und nahm ihr Mandat mit, kürzlich wechselte Maya Bally von der BDP zur CVP. Zusammen mit Sabine Sutter- Suter treten drei bisherige Grossrätinnen für die CVP an. Noch enger wird das Ringen, da auch die mit dem Slogan «Bald kommen meine Tage» national bekannt gewordene Christina Bachmann ins Parlament drängt.

Die Kandidaten aus dem Bezirk Lenzburg:

Im Bezirk Muri (7 Mandate) gab es vor vier Jahren keine einzige Sitzverschiebung. Hier tritt die vor vier Jahren bestgewählte Milly Stöckli (SVP) nicht mehr an. Ins Rennen steigen die jungen Kandidaten Alain Bütler, Lukas Abt und Jeremias Bächler. Die grössten Hoffnungen, den dritten SVP-Sitz zu verteidigen, darf sich Bütler machen, der Präsident der Jungen SVP Aargau.

Derweil muss die CVP um den zweiten Sitz kämpfen. Schnappt sich womöglich die GLP mit ihrem Zugpferd, Muris Gemeindepräsident Hampi Budmiger, das Mandat? Budmiger war lange parteilos, kandidiert jetzt für die Grünliberalen. Er ist als Obmann der Gemeindeammänner-Vereinigung des Bezirks gut vernetzt und bekannt.

Die Kandidaten aus dem Bezirk Muri:

Spannend wird es auch im Bezirk Rheinfelden (10 Mandate). Dies insbesondere bei der Frage, wer den Sitz des nicht mehr kandidierenden Franco Mazzi (Stadtammann Rheinfelden) holt. Die FDP (sie hat 2 Sitze) scheint ihn auf sicher zu haben, doch die CVP (1 Sitz) will ihr zweites, einst an die GLP verlorenes Mandat zurückholen – von wem auch immer. Völlig ungefährdet sind die drei SVP-Sitze, unter anderem mit Fraktionschefin Désirée Stutz.

Die Kandidaten aus dem Bezirk Rheinfelden:

Zieht wieder ein Giezendanner im Grossen Rat ein?

Wie in Kulm interessiert im Bezirk Zofingen (15 Mandate), ob die EDU ihren Sitz halten kann, zumal der bisherige Grossrat Martin Lerch nicht mehr antritt. Aber auch, ob Stefan Giezendanner (SVP) nach der Wahl seines Bruders Benjamin in den Nationalrat neuer Grossrat wird.

Die SP muss sich sehr anstrengen, ihren dritten Sitz zu verteidigen. In Lauerposition für einen zweiten Sitz sind die Grünen. Die CVP dürfte ihren Sitz mit dem Zofinger Stadtammann Hans-Ruedi Hottiger (er ist parteilos, aber Mitglied der CVP- Fraktion) verteidigen können.

Zusammen mit Muri hat der Bezirk Zurzach mit sieben Mandaten am wenigsten Sitze. Hier fällt der grosse Anteil Frauenkandidaturen auf. Aktuell ist mit Claudia Hauser (FDP) allerdings erst eine Frau aus dem Bezirk im Grossen Rat. Besonders schwierig ist es für Neue – Frauen wie Männer –, weil alle sieben Bisherigen wieder antreten.

Zeichen stehen auf Gewinne für Grüne und Grünliberale

Diese kleine Zusammenstellung zeigt: In jedem Bezirk sind die Verhältnisse anders. Ob eine Partei zulegt oder verliert, hängt auch stark von der Prominenz ihrer jeweiligen Zugpferde ab. Insgesamt dürfte es am 18. Oktober nicht zu grossen Verschiebungen kommen – abgesehen davon, dass Grüne und Grünliberale wie bei den Nationalratswahlen zulegen und gerade in den grossen Bezirken Sitze holen dürften.

Auch die CVP dürfte leicht zulegen, wenn die Annahme eintrifft, dass etliche BDP-Wählende nach dem Wechsel mehrerer Grossräte zur CVP nun ihre Liste einwerfen. Der neue Grosse Rat im Aargau dürfte nach den Wahlen ein bisschen grüner und etwas linker sein als bisher. Denkbar ist, dass der heu- tige rechtsbürgerliche Block im Rat leicht schwächer wird. Umso stärker umworben sein wird im Kantonspar- lament bei künftigen Rechts-Links- Abstimmungen die Mittepartei CVP.