Grossratswahlen
Grüne-Präsidentin Häseli: «Wir müssen uns mehr bemühen»

Die Grünen wollen nach der Wahlschlappe über die Bücher gehen und ihre Strukturen anschauen. Grossen Handlungsbedarf ortet Präsidentin Getrud Häseli aber nicht. «Wir müssen uns aber wieder mehr bemühen», erklärt sie.

Rüdi Steiner
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Gertrud Häseli: «Sind vielleicht etwas lasch geworden».

Gertrud Häseli: «Sind vielleicht etwas lasch geworden».

Toni Widmer

Frau Häseli, die Grünen sind die eigentlichen Wahlverlierer bei den Grossratswahlen. Bereits bei den Nationalratswahlen im letzten Herbst ging es abwärts. Wie geben Sie Gegensteuer?
Häseli: Wir brechen wegen den Verlusten nicht in Panik aus. Ich erinnere daran, dass wir vor vier Jahren sechs Mandate dazugewonnen haben. Jetzt haben wir drei davon wieder verloren. Für die Abgewählten tut es mir persönlich sehr leid, ein Weltuntergang ist das keineswegs.

Die Grünen sind also nicht auf dem Weg in die Bedeutungslosigkeit?
Nein. Wir haben vor Jahren mal von 8 Prozent der Stimmen geträumt. Das war zu Zeiten als es die Autopartei noch gab. Diese gibt es seit Jahren nicht mehr. Wir sind immer noch bei fast 8 Prozent.

Sie waren auch schon bei fast 10 Prozent?
Ja. Das sind Ausschläge. Die gibt es nach oben und nach unten. Ich stelle fest: Wir haben ein gesunde Basis, wir konnten alle Listenplätze füllen. Die GLP und die BDP konnten das beispielsweise nicht. Unser Kernthema, eine gesunde Umwelt, bleibt bestehen. Nehmen Sie das zunehmende Verkehrschaos, den atomaren Müll, die Klimaerwärmung.

Sie machen so weiter, als ob nichts geschehen wäre?
Nein. Wir werden unsere Strukturen anschauen, auch die personelle Zusammensetzung und auch die Zusammenarbeit mit anderen Parteien. Es ist aber so, dass die Grünen schon immer eine relative unstrukturierte Partei waren. Das hängt mit unseren Mitgliedern zusammen. Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern.

Und Sie selbst? Sie bleiben Präsidentin?
Ja, das werde ich. Es ist nicht meine Art, bei etwas Gegenwind, den Bettel hinzuschmeissen.

Vor vier Jahren profitierten Sie vom Hochuli-Bonus. Jetzt ist daraus ein Malus geworden, Ihre Regierungsrätin steht in der Kritik.
Wir haben das unterschätzt. Wir glaubten, dass Susanne Hochuli als Frau Landammann uns helfen wird. Die Asylfrage und auch die Diskussionen ums Gesundheitswesen haben diesen Effekt nun aber zu Nichte gemacht, uns für einige nicht mehr wählbar gemacht.

Diese Wähler wandern zur GLP ab?
Ja, das ist zu vermuten. Ich hatte gehofft, dass die GLP vor allem bei den Mitteparteien Stimmen holt. Das dürfte wohl nicht passiert sein. Wir haben nie verheimlicht, dass wir auch verzichten müssen, wenn wir unsere Umwelt erhalten wollen. Die GLP sagt das nicht.

Was ändert sich für die Grünen in der neuen Legislatur?
Ich denke, wir müssen uns mehr bemühen. Ich habe auch Stimmen gehört, die sagten, wie seien die letzten vier Jahre etwas lasch und lau geworden, zu erfolgsverwöhnt. Jetzt haben wir einen Schuss vor den Bug bekommen, vielleicht ist das ganz heilsam. Klar ist für mich: Wollen wir Erfolge feiern, brauchen wir im Rat Verbündete. Daran ändert sich nichts. Ich denke, wenn ich schaue, wer etwa bei der CVP oder auch der SVP neu ins Parlament einzieht, dass es einfacher werden kann, Allianzen zu schmieden.

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