Leibstadt

Hamsterkäufe, kein Einkaufstourismus: Müllerei-Unternehmer Knecht produziert jetzt enorme Mehlmengen

Hansjörg Knecht in seiner Mühle in Leibstadt: Dar-Vida-Riegel werden gekauft wie nie.

Hansjörg Knecht in seiner Mühle in Leibstadt: Dar-Vida-Riegel werden gekauft wie nie.

Warum der Aargauer SVP-Ständerat jetzt enorm viel Arbeit hat und was er als Hauseigentümerpräsident zu einem umstrittenen Aufruf von GastroSuisse Zürich City sagt.

SVP-Ständerat Hansjörg Knecht hat derzeit als Müllereibetreiber in Leibstadt buchstäblich alle Hände voll zu tun. Er produziert derzeit enorme Mengen Mehl. Die Nachfrage ist aufgrund von Hamsterkäufen derart angestiegen, aber auch, weil es keinen Einkaufstourismus mehr gibt. 

Zudem auch, «weil die Leute jetzt mehr Brot essen», sagt Knecht. Auch lang haltbare Produkte wie Zwieback oder Dar-Vida-Riegel «werden gekauft wie noch nie». Ängste vor einem Versorgungsengpass seien allerdings völlig unbegründet, beruhigt auch Knecht: «Die Pflichtlager sind voll, wir haben genug Getreide und Mehl, die nächste Ernte, bei der es gut aussieht, kommt bald.» 

Kundenstruktur hat sich in kürzester Zeit enorm verändert

Seine Kundenstruktur hat sich in den letzten Wochen aber massiv verändert. Bäckereien etwa, die den Flughafen beziehungsweise Gate Gourmet oder Restaurants beliefern, können nichts mehr liefern, und bestellen bei ihm auch nichts mehr. Sie seien in einer sehr schwierigen Lage, sagt Knecht. Andere bestellen dafür umso mehr: «Jetzt, wo die Menschen sehen, dass es wirklich genug hat, fängt die Nachfrage aber an, sich zu beruhigen», so Knecht.

Er hat sich in der Mühle schon sehr früh auf die Krise eingestellt, Teams komplett aufgeteilt: «Für mich ist die Gesundheit der Mitarbeitenden zentral. Ich will aber auch nicht riskieren, dass die Mühle, die als versorgungsrelevant eingestuft ist, ausgerechnet mitten in der Krise wegen Krankheitsfällen schliessen muss. Deswegen setzen wir die Sicherheitsmassnahmen absolut rigoros um.» Das erschwere zwar die Abläufe, und anfangs  habe es da und dort ein Murren gegeben, «inzwischen ist es aber für alle selbstverständlich. Es geht nicht anders», so Knecht.

Jetzt kommt ihm zupass, dass das Parlament erst im Mai wieder tagt. Als Mitglied der Finanzkommission hat er allerdings jetzt schon alle Unterlagen für die nächste Kommissionssitzung vom 27. April, an der die Notmassnahmen des Bundesrates traktandiert sind: «Ich bin allerdings skeptisch gegenüber dieser Session. Wir können ja die Massnahmen nachträglich ja faktisch nur noch absegnen.»  In den letzten Wochen und Tagen war er aber froh um die sessionsfreie Zeit, da er in der Mühle ausserordentlich viel Arbeit hatte, und wegen Corona sehr viele besorgte Bürgerfragen an ihn gelangen. Gehe es um den Grenzübergang (vgl. Box), um Anliegen von Gewerbetreibenden in finanzieller Not oder um alltägliche Fragen. Knecht: «Dafür bin ich gern da, das verstehe ich als Teil meiner Arbeit als Ständerat.»

Im Gespräch gemeinsam tragbare Lösungen suchen

Gefragt ist er jetzt dafür auch als Präsident des Hauseigentümerverbandes (HEV) Aargau. Die von GastroSuisse Zürich City lancierte und jetzt vom nationalen Dachverband unterstützte Debatte, ob man als Gaststättenbetreiber in Not notfalls halt den Mietzins nicht bezahlen soll, versteht Knecht nicht: «Ein Aufruf zu Rechtsbruch kann nie die Lösung sein. Ich sehe aber natürlich, dass viele in existenzieller Not sind. Hier kann das Bundespaket mit zinslosen Darlehen helfen. Ich rate den Betroffenen auch, mit dem Vermieter zu sprechen, und gemeinsam eine tragbare Lösung zu finden.»

Und wie könnte so eine aussehen? Je nach finanziellen Möglichkeiten des Vermieters könnte man die Miete für einen, zwei oder drei Monate stunden. Da wir auch nicht wissen, wie lange die Krise dauert und ab wann die Geschäfte wieder voll laufen, sollten die Parteien in einem konstruktiven Dialog bleiben und keine gerichtliche Auseinandersetzung provozieren. Die Miete einfach nicht zu zahlen, wäre auch deshalb für Knecht völlig unverständlich, «weil die Vermieter auch weiterhin Kosten haben und zahlen müssen wie beispielsweise den Hauswart, die Amortisationen usw. Zu bedenken ist auch, dass der private Vermieter auch nicht auf die Notmassnahmen des Bundes zurückgreifen kann. Knecht plädiert deshalb eindringlich, im Gespräch Lösungen zu finden: «Ich kenne bereits mehrere Fälle aus dem Aargau, wo das zur Zufriedenheit beider Seiten gelungen ist.»

Absage an Ruf für Direktzahlungen

Den Vorschlag des Zürcher FDP-Nationalrats Marcel Dobler (Besitzer von Franz Carl Weber, wo jetzt alle Läden geschlossen sind), der Bund solle für Ladenmieten, die nicht bezahlt werden können, weil keine Einnahmen da sind, Direktzahlungen leisten, lehnt Knecht ab. Es gelte haushälterisch mit den Mitteln umzugehen, da nicht absehbar sei, wie lange die Krise dauert: «Deshalb ist in erster Linie mit Krediten zu arbeiten und A-fonds-perdu-Beiträge sind abzulehnen. Insbesondere da solche auch zu Wettbewerbsverzerrungen führen und gesunde Unternehmen bestrafen. Für besondere Härtefälle ist zudem zu den Bundesprogrammen ergänzende Unterstützung seitens der Kantone vorgesehen.»

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