Demonstration
Hausärzte demonstrieren für Ja am 18. Mai: «Schluss mit Lippenbekenntnissen»

Rund 300 Ärzte und medizinische Praxisassistenten warben in Aarau für den Verfassungsartikel vom 18. Mai und damit für die kostengünstige ärztliche Grundversorgung. Dieser Artikel soll auch die Situation der Hausärzte verbessern.

Mathias Küng
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Hausarztmedizin soll Zukunft haben. Dafür setzten sich in Aarau 300 Ärzte und Praxisangestellte ein. Alex Spichale

Hausarztmedizin soll Zukunft haben. Dafür setzten sich in Aarau 300 Ärzte und Praxisangestellte ein. Alex Spichale

Alex Spichale

Hausärztinnen und Hausärzte sind unter Druck: Viele gehen dem Pensionsalter entgegen, doch gerade auf dem Land fehlt es an Nachwuchs. Wer behandelt künftig die Patientinnen und Patienten?

Von der Politik fühlten sich die Hausärzte bisher nicht wertgeschätzt. Deshalb demonstrierten gestern in Aarau 300 Ärztinnen und Ärzte sowie medizinische Praxisassistentinnen für ein Ja zum Verfassungsartikel für die medizinische Grundversorgung. Dieser kommt am 18. Mai als Gegenvorschlag zu einer zurückgezogenen Ärzte-Initiative zur Volksabstimmung und soll die Situation der Hausärzte verbessern.

Die Demonstration zeigt Ständerätin und Gesundheitspolitikerin Christine Egerszegi, dass die Ärzte das seinerzeit unter Bundesrat Couchepin verlorene Vertrauen in die Politik wiedergefunden haben. Jetzt gehe es darum, den 73-Prozent-Ja-Anteil der Musikinitiative zu übertreffen, warb Egerszegi. So gewinne man den nötigen Schwung für die Umsetzung.

Jetzt müsse die medizinische Grundversorgung in der Verfassung gestärkt werden, rief Hausärzte-Präsident Donato Tronnolone seinen Kolleginnen und Kollegen zu. Unterstützung gab es von Gesundheitsdirektorin Susanne Hochuli. Ob sie einverstanden seien, wenn sie twittere, sie seien «das Fundament für die Grundversorgung», fragte sie rhetorisch. Und ob sie einverstanden waren!

Auch für Hochuli ist klar, dass «Lippenbekenntnisse zur Förderung der Hausarztmedizin» Vergangenheit sein müssen. Ob dem Verfassungsartikel geradezu ins Schwärmen kam der kantonale Ärztepräsident Hans-Ulrich Iselin. Er bringe eine schlanke und Norm. Diesem Schmuckstück möge man zustimmen.

Das sagen Demonstranten

Warum kamen die Ärzte nach Aarau? Cindy Geissmann, Hausärztin in Sarmenstorf: «Wir wollen auf die Versorgungssituation aufmerksam machen. Wir sind nicht so viele, und altersbedingt werden wir bald noch weniger sein.» Barbara Rodriguez, Hausärztin in Möriken-Wildegg, sieht die Hausärzte als wichtigen Faktor. Die Spitäler könnten niemals ihre Aufgaben übernehmen, etwa Hausbesuche. Rodriguez: «Ohne Hausärzte wäre das System nicht finanzierbar.»

Darauf verweist auch Reto Keller, Hausarzt in Unterentfelden. Er wirbt für mehr Wertschätzung für Hausärzte. Schliesslich können in der Hausarztpraxis 70 Prozent der Patientinnen und Patienten abschliessend behandelt werden. Und zwar sehr kostengünstig, so Keller, denn: «Dabei entstehen nur 4 Prozent der Gesundheitskosten.»

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