Kanton

Heiraten ohne Gäste? Während manche Paare absagen, finden andere: Jetzt erst recht!

Hinter Plexiglas: Deepak Santschi, Leiter des Regionalen Zivilstandsamts Menziken. Bild: Alex Spichale

Hinter Plexiglas: Deepak Santschi, Leiter des Regionalen Zivilstandsamts Menziken. Bild: Alex Spichale

Ganz ohne Gäste, dafür mit Desinfektionsmittel. In Corona-Zeiten gilt Social Distancing auch bei Hochzeiten. Das hält viele Paare trotzdem nicht davon ab «Ja» zu sagen.

In Zeiten von Corona hat Romantik wenig Platz: Am Montagabend hat der Menziker Gemeinderat die Büroräume des Regionalen Zivilstandsamts zum Traulokal erklärt. Ab sofort kann man sich hier nur noch am Schalter das Jawort geben – mit einer Plexiglaswand zwischen der Zivilstandsbeamtin und dem Brautpaar, das notabene bloss seine zwei Trauzeugen mitnehmen darf. Vorbei sind die Zeiten, an denen idyllisch in der Chileschüür ob dem Hallwilersee, im Glashaus-Hotel oder auf der Kulturbühne im «Huus 74» in Menziken zivil geheiratet werden konnte – zumindest vorübergehend.

Der Heiratsfreudigkeit tut dies aber offenbar keinen Abbruch. Am Montag noch sagte Deepak Santschi, Leiter des Regionalen Zivilstandsamts Menziken, für April seien kaum Trauungen angemeldet. Am Mittwoch dann meldete er: «Wir hatten plötzlich wieder erstaunlich viele Anfragen.» Das seien einerseits werdende Eltern, die die zivile Hochzeit noch vor der Niederkunft – oder einem kompletten Lockdown – in trockene Tücher bringen wollen; andererseits aber auch «gesetztere Herrschaften», die sich gegenseitig absichern möchten – auch wegen Corona.

Heiraten als Zeichen in den unsicheren Zeiten

Ähnliche Beobachtungen macht das Zivilstandsamt Rheinfelden. «Wir stellen fest, dass jetzt viel mehr Paare deshalb heiraten wollen, weil es für sie wichtig ist, ihre Beziehung rechtlich verbindlich zu regeln», sagt Leiter Adrian Keller. «Sei es, weil sie ein Kind erwarten; weil Braut oder Bräutigam einer Risikogruppe angehören – oder um sich gerade jetzt gegenseitig Unterstützung und Sicherheit geben zu können.»

Auch Albert Conrad, Leiter des Zivilstandskreises Baden, kennt das Phänomen: «Letzte Woche hatten wir zehn statt der fünf geplanten Trauungen.» Sie dürfen allerdings nur noch im Klösterli durchgeführt werden, die Villa Boveri und der Tagssatzungssaal fallen als Trauungsorte weg. In Schöftland steht für Trauungen im Moment lediglich das Traulokal Schlossscheune Nord zur Verfügung. Nur dort habe man die Möglichkeit, den nötigen Abstand zu halten, sagt Leiterin Ursula Lüscher.

In Brugg, wo das Stadtmuseum als beliebtestes Traulokal sowieso renoviert wird und bis im Sommer nicht genutzt werden kann, wurden wegen der Coronamassnahmen bisher zwei Trauungen abgesagt. Laut Zivilstandsamtleiterin Sandra Knus deshalb, weil keine Gäste dabei sein dürften. In Bad Zurzach gab es deswegen ebenfalls eine Absage, wie Amtsleiterin Madeleine Mosimann sagt. Die anderen Paare hätten sich auch ohne Gäste wie geplant trauen lassen wollen. Tamara Zbinden, Leiterin des Regionalen Zivilstandsamts Wettingen, sagt: «Viele sind froh, findet die Trauung überhaupt statt, weil beispielsweise bereits Ringe graviert wurden. Wir sind im März und April bis auf wenige Termine ausgebucht.» Auch das Zivilstandsamt Muri meldet, die Brautpaare seien «zum Glück sehr verständnisvoll».

«2020 wäre ein Hochzeitsjahr geworden»

Mellingen verzeichnet gar keine Hochzeitsabsagen, der Zivilstandskreis Lenzburg – mit 350 bis 380 Hochzeiten jährlich kantonsweit ganz vorne mit dabei – dafür einige. 2020 hätte man viele Buchungen gehabt, sagt Mirjam Roth, Leiterin Kommunikation: «Es wäre ein Hochzeitsjahr geworden.» Aber: «Unsere Hotspots, wie die Schlösser, das Müllerhaus oder das Burghaldehaus, sind für Trauungen zur Zeit leider tabu. Einzig das Rathaus steht zur Verfügung. Einige Paare haben ihre Hochzeit dorthin verlegt, andere verschoben oder gar ganz abgesagt.»

Auch das Zivilstandsamt Laufenburg meldet einige «Verschiebungen auf unbestimmte Zeit» – unter anderem, weil die Brautpaare kein grosses Fest hätten feiern dürfen und weder Caterer noch Coiffeur arbeiten. Amtsleiterin Martina Wirthlin sagt: «Wir rechnen damit, dass der Monat September – in dem bereits zahlreiche Trauungen geplant sind – dann sehr stark belegt sein wird.» Ob das Regionale Zivilstandsamt wie geplant im Mai ins Haus am Schlossberg umziehen und ob ab Juni dort geheiratet werden kann, ist coronabedingt ebenfalls noch offen, sagt Wirthlin.

In 15 Minuten muss die Trauung vollzogen werden

Für Paare, die nun trotz allem nicht abwarten möchten, gilt in Laufenburg wie überall: das Brautpaar und zwei Trauzeugen, ein Zivilstandsbeamter; Social Distancing, Desinfektionsmittel und ein Zeitfenster von maximal 15 Minuten. Welche Sicherheitsmassnahmen sonst noch getroffen werden, erklärt exem­plarisch Corinne Schär, Leiterin des Zivilstandsamts Zofingen: «Es wird darauf geachtet, dass der Abstand zwischen Brautpaar, Trauzeugen und Zivilstandsbeamtin mindestens zwei Meter beträgt. Die Begrüssung und Gratulation mit Händedruck entfällt. Zudem wird das Brautpaar zuvor telefonisch betreffend ihrem Gesundheitszustand und dem der Trauzeugen sowie allfälligen Kontakten zu coronainfizierten Personen befragt. Bei Sicherheitsbedenken wird die Trauung abgesagt beziehungsweise verschoben.»

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1