Geschlechter-Debatte

«Herr Flach, stört es Sie, als Mann angesprochen zu werden?»

GLP-Nationalrat Beat Flach

GLP-Nationalrat Beat Flach

Der Aargauer GLP-Nationalrat Beat Flach hat eine neue Gender-Debatte lanciert. Der verheiratete Grünliberale aus Auenstein will nichts weniger als die Bezeichnung Mann und Frau vor dem Gesetz abschaffen.

Beat Flach hat ein Postulat zur Abschaffung der Geschlechterangabe vor dem Gesetz eingereicht, wie das Newsportal «Watson» berichtete. So sollen unter anderen in Pass oder ID "M" und "F" als Hinweis auf das Geschlecht in Zukunft wegfallen. 

Herr Flach, stört es Sie, als Mann angesprochen zu werden?

Beat Flach: (lacht) Nein, natürlich nicht. Ich bin ein Mann und werde auch immer einer bleiben. Aber in Gesetzen, wo es keinen Grund mehr gibt für die Unterscheidung Mann-Frau, sollte man diese abschaffen.

Sie regen an, die Geschlechterbezeichnung vor dem Gesetz künftig neutral zu halten. Was bringt das?

Es garantiert die Gleichberechtigung der Geschlechter. Und es ist eine Alternative zur Einführung eines dritten Geschlechts, wie sie in der Schweiz und in anderen Ländern unter anderem von intersexuellen Menschen gefordert wird. Das könnte aber wieder zu einer neuen Diskriminierung führen. Das deutsche Bundesverfassungsgericht schlägt deshalb vor, auf einen Geschlechtseintrag ganz zu verzichten. Ich finde diese Lösung elegant und prüfenswert.

Löst das ein reales Problem oder ist das eher Gender-Symbolpolitik?

Die Geschlechterdiskriminierung wäre auf einen Schlag weg! Mir geht es nicht nur um die Trans- und intersexuellen Personen. Die neue Regelung würde auch die gesetzliche Ungleichbehandlung von Männern und Frauen verunmöglichen.

In der Konsequenz müssten Frauen dann auch Militärpflicht leisten oder das Rentenalter angleichen. Ist das in Ihrem Sinn?

Ja, es gibt keinen Grund mehr für unterschiedliche Rechte und Pflichten. Die Folge der Gleichstellung wäre aber auch ein gleichberechtigter Elternurlaub. Das würde für Frauen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf massiv verbessern.

Besteht nicht die Gefahr, dass Frauen die Verliererinnen einer geschlechtsneutralen Regelung werden? Man könnte dann ja auch keine Frauenquote oder andere Gleichstellungsmassnahmen mehr beanspruchen, wenn es die Frau gesetzlich gar nicht mehr gibt.

Das glaube ich nicht. Ich will die gesetzliche Ungleichbehandlung beseitigen, nicht das Geschlecht abschaffen. Diskriminierung kann so weiter bekämpft werden.

Sie schreiben in Ihrem Postulat, man müsse neue Regelungen finden, um relevanten Unterschieden weiterhin Rechnung zu tragen, z.B. bei einer Schwangerschaft. Das klingt doch nach einem Bürokratiemonster, das da geschaffen würde für etwas, das bisher selbstverständlich war.

Überhaupt nicht. Damit habe ich nur gemeint, dass etwa der Mutterschaftsschutz nicht aufgehoben werden dürfte durch die Abschaffung der Geschlechter vor dem Gesetz.

Hand aufs Herz: Glauben Sie daran, dass Ihr Vorschlag umgesetzt wird?

Eine gute Idee muss man dann lancieren, wenn man sie hat. Mir ist schon klar, dass das nicht von heute auf morgen geht. Aber die Schweiz hat in Sachen Gleichberechtigung Nachholbedarf. Und in 100 Jahren werden wir nicht mehr in den Mustern Mann-Frau denken, wenn es um Rechte, Pflichten und Rollen der Geschlechter geht.

Autor

Rolf Cavalli

Rolf Cavalli

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