Aargauer Jugendparlament

Hier finden Linke und Bürgerliche schnell zum Kompromiss

Jugendsession: Weniger Teilnehmer als erhofft, aber engagierte Diskussionen.

Jugendsession: Weniger Teilnehmer als erhofft, aber engagierte Diskussionen.

An der Jugendsession diskutierten Junge engagiert über aktuelle Themen. Einen Dämpfer gab es trotzdem.

Einmal im Jahr gehört das Grossratsgebäude den Jungen. Dann nämlich, wenn das Aargauer Jugendparlament zur Session lädt. Nachwuchspolitiker und junge Politikinteressierte diskutierten am Samstag über aktuelle Themen und arbeiteten Interpellationen und Postulate für den Grossen Rat aus. Dabei prallten ab und zu Welten aufeinander. Doch die jungen Erwachsenen waren sich überraschend oft einig.

Drei Themen hatte der Vorstand bestimmt. Mobilität, das duale Bildungssystem und Energieeffizienz. Diskutiert wurde in Gruppen. Wie will der Kanton stark befahrene Strassen entlasten? Was soll man dagegen tun, dass viele Junge keine geeignete Lehrstelle finden? Wieso setzt der Aargau in der Energiegewinnung nicht stärker auf Geothermie? EVP-Grossrat Uriel Seibert war begeistert von den Ideen und Anliegen der Jungpolitiker: «Als ich in diesem Alter war, wusste ich noch nicht so viel über Politik», sagte er.

«Politik betrifft uns sehr wohl»

Für die jüngste Teilnehmerin Andrea Marti ist es unverständlich, dass man sich nicht schon in jungen Jahren mit Politik beschäftigt. «Viele in meinem Alter denken, die Themen beträfen uns noch nicht. Doch wenn wir plötzlich weniger Freifächer in der Schule haben oder das Latein nicht mehr zählt, betrifft uns das sehr wohl», sagte die 14-Jährige. In der Session werde Politik greifbarer. Deshalb sei sie schon zum zweiten Mal dabei, sagte Marti.

Greifbar wurden auch die Konfliktpotenziale, die Politik mit sich bringt. «Dieser Vorschlag ist nie und nimmer umsetzbar. Den können wir gleich wieder streichen», sagte ein Votant in der Gruppendiskussion. «Streichen? Nein, sicher nicht!», antwortete sein Gegenüber energisch. «Es ist schon herausfordernd, mit Andersdenkenden zu diskutieren», sagte Johanna von Felten. Das grosse Streitgespräch aber blieb aus. «Ich bin überrascht, wie stark wir alle an einem Strang gezogen haben», sagte Fabienne Luder.

Weniger Teilnehmer als erhofft

Die Teilnehmer fanden ausschliesslich lobende Worte für die Jugendsession «Ich bin nächstes Jahr definitiv wieder dabei», sagten mehrere. Trotzdem lief für den Vorstand nicht ganz alles nach Plan. Zur Session sind nur knapp 20 Leute erschienen. Eigentlich hoffte das Organisationskomitee auf rund 40. Heute sei es allgemein schwierig, junge Menschen für freiwillige Anlässe zu motivieren, sagte Vorstandsmitglied Laura Rufer. «Vielleicht liegt es auch daran, dass man an einem Samstag früh aufstehen muss.» Doch sie und ihre Kollegen wollen sich nicht unterkriegen lassen. «Wir machen auch nächstes Jahr eine Jugendsession. Wir würden auch dann eine machen, wenn nur noch der Vorstand dabei wäre», sagte Claudio Miotti lachend.

Dem Ergebnis jedenfalls hat man nicht angemerkt, dass die Gruppen kleiner waren als erhofft. In nur einem Tag hat die Jugendsession zwei Interpellationen und drei Postulate ausgearbeitet. Das Postulat zur Einführung eines Aufnahmetests für die Kantons- und Mittelschulen sowie die beiden Interpellationen wollen die Jungpolitiker in den Grossen Rat bringen. Die Chancen dazu stehen gut: Uriel Seibert hat sich bereit erklärt, die Interpellation, ob und wie der Kanton unter anderem Geothermie und Solaranlagen fördern will, selbst zu überweisen.

Die jungen Politiker sind zufrieden mit ihrer Arbeit. Claudio Miottis Fazit lautete: «Wir hatten in unserer Gruppe die junge GLP, SVP, Grüne und die Jungfreisinnigen vertreten und konnten uns einigen. Das soll uns der Grosse Rat erst einmal nachmachen.»

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