Coronakrise
Hilfen vom Kanton Aargau sind schön und gut – aber viel zu kompliziert, kritisiert der Kulturverband

Dass nur noch Veranstaltungen mit maximal 50 Besucherinnen und Besuchern durchgeführt werden könnten, verunmöglicht für viele Häuser einen kostendeckenden Betrieb, hält der Aargauische Kulturverband fest.

Fabian Hägler
Drucken
Teilen
Aargauischer Kulturverband: «Auf lange Zeit hinaus ist die Planung unmöglich geworden und ein rettendes Ufer ausser Sicht geraten». (Symbolbild)

Aargauischer Kulturverband: «Auf lange Zeit hinaus ist die Planung unmöglich geworden und ein rettendes Ufer ausser Sicht geraten». (Symbolbild)

KEYSTONE/GAETAN BALLY

Der Aargauische Kulturverband hält in einer Medienmitteilung fest, man unterstütze sämtliche Massnahmen, die sich zum Schutz vor einer weiteren Verbreitung des Coronavirus als notwendig erweisen. Allerdings hätten der Bundesrat und der Kanton Aargau «angesichts des Ernstes der gesundheitlichen Situation für alle Lebensbereiche weitreichende Einschränkungen beschlossen». Davon sei gerade auch die Kultur wiederum drastisch betroffen, gibt der Verband zu bedenken.

Kulturbetrieb mit erheblichen Einbussen

Dass nur noch Veranstaltungen mit maximal 50 Besucherinnen und Besuchern durchgeführt werden könnten, verunmöglicht für viele Häuser einen kostendeckenden Betrieb, hält der Verband weiter fest. Dies treffe Kulturveranstalter, Kulturschaffende, «aber auch alle mit der Durchführung verbundenen und dafür nötigen Betriebe wie die Bereiche Technik, Bühnenbau, Grafik, Hotellerie, Gastronomie existenziell».

Der Kulturbetrieb habe mit dem Lockdown im Frühling – trotz staatlicher Unterstützung – schon erhebliche Einbussen erlitten. Veranstalter wären jetzt umso mehr auf Einkünfte aus Engagements und aus der Durchführung von Anlässen angewiesen. Dazu kommt laut dem Kulturverband, «dass auf eine lange Zeit hinaus die Planung unmöglich geworden und ein rettendes Ufer ausser Sicht geraten ist».

Diese Umstände machen es aus Sicht des Verbandes unbedingt notwendig, Unterstützung auch in den nächsten Monaten zu garantieren. Nur so könnten kulturelle Strukturen erhalten und Kulturschaffende in ihrem Beruf tätig bleiben. «Die Bereitschaft zur Unterstützung war im Aargau seit dem Lockdown sehr ermutigend und wurde von allen Betroffenen geschätzt», teilt der Kulturverband mit.

Langwierig und kompliziert: Kritik am Gesuchsprozess

Doch die Umsetzung habe sich aufgrund der begrenzten Kapazitäten der dafür zuständigen Stellen zum Teil als langwierig erwiesen, hält der Verband fest. Der Prozess für die Hilfsgesuche werde von den Antragstellern als eher kompliziert empfunden. Überdies herrsche Verunsicherung, ob und wie Gelder gesprochen würden, was eine zusätzliche Planungsunsicherheit mit sich bringe. Dies könne Kulturschaffende und -betriebe im Aargau dazu bewegen, ihre Projekte zu stoppen oder Häuser zumindest temporär zu schliessen, schreibt der Verband.

Insbesondere in der heutigen Situation sei es dringend nötig, die Hilfsmassnahmen für die Kultur weiterzuführen. Ausfallentschädigungen, ein angemessener Erwerbsersatz, die Entschädigung für Kurzarbeit sowie die Unterstützung im Härtefall müssten unbedingt beibehalten werden, fordert der Verband. Wichtig sei es, Gesuche rasch zu prüfen und Hilfsmassnahmen schnell wirksam werden zu lassen. «Alle diese Massnahmen sind für die Dauer der Einschränkungen ein unentbehrliches Mittel für das kurz- und mittelfristige Überleben vieler kultureller Akteurinnen und Akteure», hält der Kulturverband in der Mitteilung fest.

Veranstalter entwickelten gute Schutzkonzepte

Die Aargauer Kulturveranstalter haben laut dem Verband «in den letzten Monaten mit grossem Aufwand funktionierende und alle Vorgaben erfüllende Schutzkonzepte entwickelt und einen grossen Effort geleistet, um weiterhin Kulturveranstaltungen anbieten zu können». Für zahlreiche Kulturbetriebe im Kanton herrsche momentan ein faktischer Lockdown.

Es sei deshalb verständlich, «wenn Organisationen ihren Betrieb temporär aus strukturellen, gesundheitlichen, finanziellen oder infrastrukturellen Gründen ganz einstellen». Ein Patentrezept, wie die Einschränkungen überwunden werden könnten, hat der Verband nicht: «Der Weg aus der Krise ist ein individueller.»

Der Aargauische Kulturverband erachtet es als essenziell, «dass die Menschen in unserem Kanton gerade in den nächsten Wochen und Monaten neben allen Einschränkungen auch Kultur erleben und geniessen dürfen». Der Verband sieht sich als Verhandlungs- und Gesprächspartner, der sich für die Anliegen der Kultur einsetzt. «Wir bieten Hand, dass in Zusammenarbeit mit allen Beteiligten, der Politik und den Behörden auch unkomplizierte und unkonventionelle Lösungen gefunden werden, sodass Kultur an neuen Orten und in neuen Formen möglich wird», schliesst die Mitteilung.