Nicht immer friedlich
Illegale Corona-Demo von Aarau: Gegendemonstranten angehustet und angepöbelt – auch Polizisten werden angegangen

Vereinzelt stellten sich in Aarau Menschen den Demonstranten entgegen. Manche werden angepöbelt, einem Jugendlichen wird ins Gesicht gehustet. Auch mehrere Polizisten werden angegangen.

Raphael Karpf
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Trotz fehlender Bewilligung strömten Hunderte nach Aarau, um gegen die Massnahmen zu protestieren.
20 Bilder
Die Polizei war mit einem Grossaufgebot vor Ort
Die Stimmung gegenüber der Polizei war zuweilen aggressiv.
Auch ABAZ-Sprecher Markus Häni war vor Ort.
Grosse Menschenansammlung beim Schlössli.
Die Demonstranten ziehen durch die Laurenzvorstadt
Polizisten hielten mehrere Skeptiker an.
Corona-Skeptiker bewegen sich bei einem nicht bewilligten Demonstrationsumzug gegen die Corona-Massnahmen und Maskenpflicht durch Aarau.
Der Demonstrationszug hat die rathausgasse erreicht.
DerZug geht Richtung Altstadt.
Protestierende stellen sich der Polizei in den Weg.
Die Polizei steht im Grosseinsatz und bekommt Unterstützung von Basel.
Über hundert Menschen versammelten sich in Aarau.
Die Polizei wird vn Protestierenden angegangen.
Es werden mehr Leute.
Hier war es noch ruhig. Fast mehr Polizisten als Passierende.
Die Polizei kontrollierte am Morgen alle Zufahrtsstrassen nach Aarau.

Trotz fehlender Bewilligung strömten Hunderte nach Aarau, um gegen die Massnahmen zu protestieren.

Raphael Huenerfauth

Über 1000 Corona-Skeptiker zogen am Samstag stundenlang und ohne Masken durch Aarau. Ganz vereinzelt stellten sich ihnen Menschen mit Masken entgegen und zeigten eine klare Haltung gegen die Demo.

Ich der Aarauer Altstadt hielt ein junger Mann ein Schild hoch: «Ich höre nur Mimimimi». Die Demonstranten würden nur jammern, sagte er. Es ginge ihnen in der Schweiz verhältnismässig gut, niemand hätte konkrete Lösungsvorschläge.

Ein einzelner Aarauer stellte sich den Demonstranten entgegen.

Ein einzelner Aarauer stellte sich den Demonstranten entgegen.

Nadja Rohner

Hinter ihm standen einige seiner Kollegen. Zwar werde er, abgesehen von Beleidigungen und dummen Sprüchen, mehrheitlich in Ruhe gelassen. Angepöbelt worden sei er aber auch schon. Als wir gerade vor Ort sind, geht eine Frau auf den jungen Mann zu und versucht ihm, ins Gesicht zu fassen und die Maske herunterzuziehen. Es wird hektisch, weitere Demonstranten kommen hinzu. Sofort kommen seine Kollegen hinzu, beruhigen die Situation und sorgen wieder für etwas Abstand.

Etwas später, auf dem Weg vom Schachen in die Altstadt, standen etwa zehn Jugendliche am Strassenrand, Skaterjungs aus Aarau. Auch sie trugen Masken und hielten Schilder hoch wie «NoAarau» oder «MaskenAuf».

Die Skaterjungs werden von Demonstranten angegangen.

Tim Sykes

Auch sie müssen sich Sprüche anhören, unterhalten sich aber mehrheitlich friedlich mit den Demonstranten. Bis plötzlich ein Mann, der altersmässig der Vater der Jungs sein könnte, auf sie zu eilte und einem von ihnen absichtlich ins Gesicht hustet. Grinsend entfernt er sich danach. Es kommt zu einem kurzen Handgemenge zwischen den Teenagern und einigen Coronademonstranten, welche dann aber von anderen Demonstranten zurückgehalten werden.

Später wurden die Jungs angeblich von der Polizei weggeschickt. Silvia Dell'Aquila, SP-Grossrätin und Stadtratskandidatin, schreibt auf Facebook: «Viel Liebe für die Skaterjungs, die als einzige heute einen Platzverweis von der Polizei erhalten haben, wie sie mir mitgeteilt haben.»

Corina Winkler, Mediensprecherin der Polizei, schreibt dazu:

«Die Gruppe Jugendlicher ist mir auch in einem Live-Stream aufgefallen – auch, dass es zu Anfeindungen durch die Kundgebungsteilnehmenden kam. Mir ist aber nicht bekannt, dass die Polizei sie weggeschickt hätte. Ich könnte mir höchstens vorstellen, dass die Polizei zur Wahrung der Sicherheit und Vermeidung von tätlichen Auseinandersetzungen die Personen gebeten hat, die Örtlichkeit zu verlassen. Aber wie bereits gesagt – ein entsprechender Vorfall ist mir nicht bekannt.»

Und schliesslich, kurz vor Ende der Demo, in der Nähe das Bahnhofs, sammelten sich auch eine Handvoll Ultras des FC Aarau. Sie riefen in die Menge: «Wisst ihr, dass ihr mit Nazis mitlauft?» Zu Pöbeleien kam es hier nicht. Mehrere Polizisten standen vor den Männern.

Auch gegen die Polizei wurde Gewalt angewandt

Die Polizei zieht zwar ein insgesamt positives Fazit. Es kam kaum zu Sachbeschädigungen und nur selten zu Ausschreitungen. Trotzdem kam es zu mehreren Situationen, in denen von den Demonstranten Gewaltbereitschaft ausging und Polizisten angegangen wurden.

Als sich die Demonstranten in Richtung Altstadt bewegen, versucht die Polizei kurz, den Zugang zu sperren, Ein Polizist wird dabei von einem Demonstranten mit einem Kopfstoss attackiert. «Von den Demonstranten ging zu diesem Zeitpunkt Gewaltbereitschaft aus», sagt die Mediensprecherin der Kapo Corina Winkler. Die Polizisten zogen sich daraufhin zurück, die Demonstranten konnten die Altstadt betreten.

Später hält die Polizei einen Mann an, der zuvor weggewiesen wurde, und seine Wegweisung missachtete. Als die Polizei den Mann umzingelt hat, gehen mehrere Demonstranten auf die knapp 10 Polizisten los, schubsen und schlagen sie solange, bis sie den Mann befreien können. Ein Video hält die Gewalt an den Polizisten fest. Wir zeigen das Video an dieser Stelle nicht, weil wir dem Mann, der später doch noch verhaftet wurde und seine Verhaftung selbst filmte und ins Netz stellte, keine Plattform bieten möchten.

Wenig später, im Schachen, wo die Polizei kurz zuvor den erwähnten Mann verhaftet hatte, kommt es erneut zu Gewalt gegen die Polizei. Zwei Kastenwagen werden eingekesselt. Schliesslich befreien etwa 15 Polizisten die Fahrzeuge und laufen vor ihnen her. Sie werden beleidigt und vereinzelt angepöbelt und getreten.

Und immer wieder kam es zu weiteren brenzligen Situationen. Jedes Mal, wenn die Polizei eine Strasse sperrte, und es zu Konflikten mit den Demonstranten kam. Als die ganze Masse Richtung Bahnhof unterwegs war, versuchte die Polizei ganz kurz, diese Strecke zu blockieren. Nach wenigen Sekunden weichen die Beamten aber zur Seite, unter dem Johlen der Demonstrierenden.

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