Wieder gilt es von einem gedruckten Produkt Abschied zu nehmen. Nach dem Amtsblatt und dem Kursbuch wandert nun auch das Statistische Jahrbuch des Kantons ganz und gar ab ins Internet. Die soeben erschienene gedruckte Ausgabe zum Jahr 2018 ist die letzte ihrer Art. Künftig ist das umfassende Nachschlagewerk nur noch elektronisch verfügbar. Das spart Kosten. Aber das Stöbern, das analoge Blättern im über 300 Seiten dicken Buch entfällt. Die Benutzer werden im Netz systematisch vorgehen und nur noch finden, was sie gesucht haben.

Damit geht auch eine über 70-jährige Tradition zu Ende. Seit 1947 wurde Jahr für Jahr Statistisches über den Aargau in komprimierter Form veröffentlich. Anfänglich ging es bloss um die Finanzen der Einwohnergemeinden. Im Laufe der Jahre wuchsen Themenbereiche, aber auch die Datenbreite und –tiefe. Die letzte Ausgabe des statistischen Jahrbuchs enthält 21 Kapitel, die zusammengenommen ein in Zahlen gepacktes umfangreiches Nachschlagewerk über das Leben im Aargau abgeben.

Allerdings dauerte es einige Zeit, bis man im Aargau die Bedeutung der Statistik erkannte. So gab es zwar bereits ab 1886 ein «Statistisches Bureau», aber es wurde 1921 wieder geschlossen, weil man das systematische Sammeln von Daten als ziemlich unwichtig erachtete. Erst 1946 wurde es wiedereröffnet.

Bevor die statistischen Daten ganz ins Internet abwandern, soll hier die letzte gedruckte Ausgabe des Jahrbuchs nochmals durchgeblättert werden auf der Suche nach Informationen, die mehr oder weniger relevant, aber doch meist überraschend sind und neues Wissen über das Leben im Aargau enthalten.

Auf dem drittletzten Platz

Den Anfang macht die Kultur. Da meldet uns das Jahrbuch auf Seite 171 gleich eine ernüchternde Zahl für das Jahr 2017: Bei den Kantonsausgaben pro Kopf für die Kultur inklusive Swisslos-Geldern liegt der Aargau im schweizerischen Vergleich auf dem 24. und damit drittletzten Platz. Besser sieht es bei der innerkantonalen Kulturförderung aus: Wer beim Kuratorium oder dem Swisslos-Fonds ein Gesuch um Unterstützung einreicht, hat gute Chancen. 2017 erhielten rund 60 Prozent aller eingereichten Projekte Geld vom Kuratorium oder dem Swisslos-Fonds. In Zahlen: Das Kuratorium unterstützte 410 Projekte, der Swisslos-Fonds weitere 226. Weiterhin auf Erfolgskurs befindet sich das Projekt «Kultur macht Schule». Über 89'000 Schülerinnen und Schüler kamen 2017 in den Genuss eines kulturellen Angebotes.

Zurzach hat kein Kino

Wer noch auf der Suche nach einem persönlichen kulturellen Projekt für das neue Jahr ist: Im Aargau gibt es 88 verschiedenen Museen. Man könnte sich ja vornehmen, sie alle innerhalb eines Jahres zu besuchen. Bis zum 31. März 2019 ist das übrigens für alle Personen, die sich im Aargau kulturell engagieren, zudem eine günstige Sache, denn sie können die allermeisten Museen und Schlösser gratis besuchen. Der Kanton möchte damit seine Wertschätzung für die Freiwilligenarbeit ausdrücken.

92 öffentliche Bibliotheken vermeldet das Jahrbuch. Am meisten gibt es im Bezirk Lenzburg mit 14; der Bezirk Zurzach bringt es nur auf drei Bibliotheken. 17 Hallenbäder laden zum Schwimmen, dank dem Thermalbad in Bad Zurzach ist in dieser Statistik auch der Bezirk Zurzach vertreten. Ganz ohne Hallenbad muss der Bezirk Muri auskommen. 23 Kinos bietet der Aargau. Auch hier fällt Zurzach wieder aus der Reihe: Es ist der einzige Bezirk, wo die Menschen ohne Kino leben. Was natürlich noch lange nicht heisst, dass Zurzibieter weniger lesen oder seltener ins Kino gehen als die übrigen Aargauer.

17 Hallenbäder gibt es im Kanton; hier das frisch sanierte in Menziken.

17 Hallenbäder gibt es im Kanton; hier das frisch sanierte in Menziken.

Welche Ehen gefährdet sind

Wer bereits verheiratet ist oder kurz vor der Heirat steht, kann im Jahrbuch wertvolle Informationen aus den Angaben über Ehen und Ehescheidungen gewinnen: Heiraten ist recht beliebt, die Zahl der Eheschliessungen steigt stetig und erreichte 2017 mit 3416 den besten Wert seit 1990. Mindestens so spannend aber ist auch der Blick auf die Statistik, die zeigt, wie lange denn in der Regel die Ehen dauern.

Am häufigsten werden im Aargau jene Ehen geschieden, die 20 und mehr Jahre gedauert haben. Das beliebteste Heiratsalter hingegen liegt bei den Männern zwischen 30 und 34 Jahren, bei den Frauen zwischen 25 und 29 Jahren. Aber auch die Zahl der über 60-Jährigen, die sich trauen, sich trauen zu lassen, steigt weiter und hat sich seit 1987 glatt verdreifacht. 135 Männer und 44 Frauen zogen vors Standesamt.

Leben und Sterben im Aargau

Wer gerne lebt, für den hat das Jahrbuch gute Nachrichten bereit: Die Lebenswartung für Männer ist von 72,4 Jahren im Jahr 1981 auf 81,4 Jahre im Jahre 2007 gestiegen, für Frauen gar von 79,2 auf 85,4 Jahre. Und wer jetzt bereits 65-jährig ist, dem sagt die Statistik weitere 19,7 (Männer), respektive 22,5 (Frauen) Lebensjahre voraus.

Sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern im Aargau sind Erkrankungen des Kreislaufsystems sowie bösartige Tumore die häufigsten Todesursachen als Folge von Krankheiten. Dreimal mehr Männer als Frauen begehen Suizid. 2017 waren es 58 Männer und 19 Frauen.

Gut 110'000 Aargauerinnen oder Aargauer landeten 2017 meist nur für kurze Zeit in einem Spital oder einer Klinik; statistisch gesehen trifft es also jede und jeden alle sechs Jahre einmal.

Die Aargauerinnen und Aargauer dürfen sich zurecht recht sicher fühlen; das Jahrbuch liefert die Fakten dazu. Statistisch gesehen passierte alle 4 Stunden und 27 Minuten ein Einbruch, alle 9 Tage und 15 Stunden ein Raub; gemordet wird im Schnitt alle 40 Tage. Alle diese Werte sind deutlich besser als in den Vorjahren. Was nichts anderes bedeutet, als dass das Leben im Aargau von Jahr zu Jahr sicherer wird.

Seit 1980 hat sich die Zahl der Landwirtschaftsbetriebe halbiert. Sie sank von 6 366 Betrieben (1980) auf 3 256 (2017). Nur knapp verringert hat sich die landwirtschaftliche Nutzfläche seit 1980. Sie ging von 63 247 Hektaren auf 59'991 Hektaren zurück. 6 366 Pferde gibt es im Aargau, mehr als doppelt so viele wie noch 1980.

Und zum Schluss doch noch die Zahl zu den Hühnern im Titel: Im Aargau leben aktuell rund 680'000 Menschen und 1'040'000 Hühner.