Aargau

Immer dem gelben Pfeil entlang: Freiwillige Helfer sorgen dafür, dass Wanderer den richtigen Weg finden

Valentin Schmid ist einer von 85 Freiwilligen, die das Aargauer Wanderwegnetz unterhalten.

Valentin Schmid ist einer von 85 Freiwilligen, die das Aargauer Wanderwegnetz unterhalten.

Der Verein Aargauer Wanderwege unterhält das Wanderwegnetz im Kanton. Freiwillige Helfer sorgen dafür, dass Wanderer den richtigen Weg finden – auch wenn diese, wie in diesem Sommer, eher alleine anstatt mit der Wandergruppe unterwegs sind.

An 1100 Standorten weisen im Aargau Schilder, Richtungszeiger und Rhomben Wanderern den Weg – das 1650 Kilometer lange Wanderwegnetz ist dicht beschildert. Dafür, dass die Hinweise immer sauber, gut sichtbar, frisch gemalt oder unbeschädigt sind, sorgen 85 freiwillige Mitarbeitende des Vereins Aargauer Wanderwege. Laut Geschäftsleiter Horst Sager kommen pro Jahr schnell einmal 2800 Einsatzstunden der freiwilligen Helfer zusammen.

Dieses Jahr mussten die Routen Corona-bedingt etwas länger als üblich auf ihr Pflegeprogramm warten. Normalerweise startet die Arbeitssaison im April mit der Mitarbeitertagung, bei der auch das bestellte Material für den Streckenunterhalt abgegeben wird. Dort tauscht man sich aus und wird auf die bevorstehende Signalisations-Saison vorbereitet.

Einer der ehrenamtlichen Helfer ist Valentin Schmid aus Aarau. Mit 18 Einsatzjahren ist er einer der Dienstältesten im Verein. Er betont, dass es besonders wichtig sei, dass das ganze Wanderwegnetz nach festgelegten Normen unterhalten wird, sodass die Wandernden eine gute und vor allem einheitliche Signalisation vorfinden. Alles ist in einem Handbuch – der Routenbetreuer-Fibel – festgelegt. Auf welcher Höhe die Tafeln befestigt werden müssen, wo, wie sie montiert und verankert werden und vieles mehr. Jeder erhält zu Beginn seiner Tätigkeit vom Geschäftsleiter persönlich einen Einführungstag. Später gibt es immer wieder Auffrischungskurse.

Handwerkliches Geschick und gute Kondition sind gefragt

Er sei gerne draussen in der Natur und auf den Spaziergängen mit dem Hund sei ihm die Idee gekommen, auf der Geschäftsstelle der Aargauer Wanderwege nachzufragen, ob es möglich sei, bei diesen Unterhaltsarbeiten mitzuhelfen, erzählt Valentin Stocker. Damals habe man ihn auf eine Warteliste gesetzt. Nach zirka einem Jahr kam dann der Anruf und sein Einsatz begann. Er startete mit dem Jura Höhenweg, einem schweizweit bekannten Weg, in der Region Bözberg und Brugg.

Valentin Schmid betreute die Route vom Bruggerberg bis zur Linner Linde. Später von Küttigen zur Gisliflue, nebenbei übernahm er noch das Gönhard-Gebiet eines Kollegen bis Ende letzten Jahres. Heute betreut er das Gebiet von Aarau über Entfelden bis Kölliken und von Muhen über den Rütihof bis Gränichen. Das Gisliflue-Gebiet wurde ihm zugeteilt, weil diese Route fast ausschliesslich zu Fuss begehbar ist und man das Material nicht mit dem Auto hinfahren kann. Da kommt ein jüngerer konditionell fitter Mann im Team natürlich gelegen.

Signalisationen müssen vor allem im Frühsommer erneuert werden.

Signalisationen müssen vor allem im Frühsommer erneuert werden.

Handwerkliches Geschick brauche man für diesen Job, sagt Valentin Schmid. und lauf- und wanderfreudig sollte man auch sein. Seine Route umfasst 40 Kilometer. Diese läuft er einmal im Frühling und einmal im Herbst ab. Auf seiner Hausstrecke fällt ihm natürlich auch ab und zu beim Joggen etwas auf. Aber auch seine Routenbetreuer-Kollegen laufen ihre Strecken deutlich mehr ab, als nur die geforderte Frühlings- und Herbsttour. Viele machen gerne mehr als sie eigentlich müssten.

Die Natur und Vandalen setzen den Signalen zu

Hauptsächlich reinigt Valentin Schmid Wegweisertafeln, ersetzt beschädigte Wegweiser, malt und frischt Wegmarkierungen, Rhomben und Richtungspfeiler auf. Ab und zu müssen auch Pfosten ersetzt werden. Vor allem im Frühling und Anfang Sommer müssen Äste zurückgeschnitten werden, damit die Signalisation nicht überwachsen wird. Besonders in der Nähe von Nadelwäldern setzen die Schilder schnell eine grüne Schicht an. In eher städtischen Gebieten setzen Spinnfäden und Mücken den Tafeln zu. Wenn nichts gemacht würde, sagt Valentin Schmid, würde es etwa zwei bis drei Jahre dauern, bis Wege unbegehbar sind und Schilder komplett überwachsen wären.

Bei Sturmschäden oder ganz allgemein grösseren Arbeiten wie Tritte und Treppen einbauen oder ersetzen kommt Werkmeister Peter Müller zum Einsatz. Was selbst er nicht mehr bewerkstelligen kann, muss dann vom jeweiligen Forstamt erledigt werden. Doch nicht alle Beschädigungen sind natürlich. Auch an Wanderwegen wird bisweilen mutwillig etwas durch Vandalen zerstört.

Valentin Schmid sagt, es komme schon mal vor, dass im Gönhard-Gebiet die gegnerische Fangemeinde des FC Aaraus an sämtlichen Pfosten und Wegweisern ihre Kleber aufbringen. Alkoholisierte verbiegen auch einmal Schildern oder Lausbuben freuen sich, wenn ein Wegweiser plötzlich in die falsche Richtung zeigt. Von solchen Aktionen will man sich beim Verein Aargauer Wanderwege aber nicht entmutigen lassen.

Stolz auf ein einwandfreies und intaktes Wanderwegnetz

Am meisten freue ihn jeweils das spontane Lob oder der Dank eines Passanten, sagt Valentin Schmid. Die Leute seien dankbar für das was er und seine Kolleginnen und Kollegen machen und das sei eine schöne Genugtuung. Und das Herausforderndste? Mit einem Augenzwinkern sagt Schmid, es seien zweifelsohne die hohen Anforderungen seines Chefs.

Aber genau denen sei es wohl auch zu verdanken, dass der Aargau auf ein so einwandfreies und intaktes Wanderwegnetz stolz sein könne. Einen Appell hat Schmid noch an die Wanderinnen und Wanderer: Die Leute sollen nicht zögern, Schäden zu melden und die Koordinaten im Schadenmelde-Formular auf der Website der Aargauer Wanderwege anzugeben. So kann sich der Verein um den Schaden kümmern.

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