Impfstrategie
Aargauer Lehrkräfte über 50 werden vor der breiten Bevölkerung geimpft – Polizei erhält Restdosen

Gesundheitsdirektor Jean-Pierre Gallati hat Impfprivilegien für Aargauer Lehrpersonen beschlossen. Sie sollen Mitte Mai geimpft werden. Die Privilegien gehen weniger weit, als vom Lehrerverband gefordert. Dieser ist aber trotzdem sehr zufrieden.

Noemi Lea Landolt
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Aargauer Lehrerinnen und Lehrer erhalten rascher eine Impfung.

Aargauer Lehrerinnen und Lehrer erhalten rascher eine Impfung.

Keystone

Lehrerinnen und Lehrer stehen trotz Coronapandemie jeden Tag im Klassenzimmer. Immer wieder kommt es zu Ausbrüchen an Schulen. Der Aargauische Lehrerinnen- und Lehrerverband (alv) hat deshalb bereits Anfang Januar beim Bildungsdepartement beantragt, dass Lehrpersonen bei der Impfung priorisiert werden. Lehrerinnen und Lehrer sollen in die gleiche Impfkategorie fallen wie Betreuende in Heimen, so die Forderung.

alv-Präsidentin Kathrin Scholl argumentierte damals, Lehrerinnen und Lehrer seien einem ähnlichen Risiko ausgesetzt wie Betreuerinnen und Betreuer. Und wie bei Heimen sei es für die Aufrechterhaltung des Schulbetriebs wünschenswert, wenn möglichst wenig Personen krankheitsbedingt fehlten.

Entscheid berücksichtigt die Situation im Klassenzimmer

Gesundheitsdirektor Jean-Pierre Gallati hat nun beschlossen, dass Aargauer Lehrpersonen über 50 schneller geimpft werden. Sie erhalten innerhalb der Zielgruppe 5, die alle gesunden Personen unter 65 Jahren umfasst, eine Priorisierung.

Der Entscheid des Gesundheitsdirektors berücksichtige die Situation in den Klassenzimmern und das erhöhte Risiko von schweren Erkrankungen mit zunehmendem Alter, teilt der Kanton auf Anfrage mit. Die Altersgrenze von 50 Jahren sei «im Sinne eines Kompromisses aufgrund einer Risikoeinschätzung und unter Berücksichtigung der verfügbaren Impfkapazitäten» zustande gekommen.

Bei den übrigen Personen, die in der Zielgruppe 5 geimpft werden, ist im Aargau – anders als in anderen Kantonen – keine Priorisierung nach Alter geplant.

Impfungen finden Mitte Mai statt – Lehrpersonen werden direkt informiert

Laut Mitteilung des Kantons werden die Lehrerinnen und Lehrer voraussichtlich in der zweiten Hälfte des Monats Mai geimpft. Lehrpersonen werden über das Schulportal oder Schulblatt über den Ablauf informiert. Wer sich bereits online registriert hat, muss laut Mitteilung nichts anpassen.

Die Forderung des Lehrerinnen- und Lehrerverbands von Anfang Jahr wird mit der Priorisierung von über 50-Jährigen innerhalb der Zielgruppe 5 nur bedingt erfüllt. Trotzdem sei der alv «sehr zufrieden», sagt Geschäftsführer Manfred Dubach.

Die Lehrpersonen bereits mit der Zielgruppe 4 zu impfen, hätte der Kanton gar nicht beschliessen können. Dubach sagt:

«Wer zu welcher Zielgruppe gehört, ist ein nationaler Entscheid.»

Der Bundesrat wolle offenbar nichts machen, obwohl auch die Konferenz der Erziehungsdirektorinnen und Erziehungsdirektoren eine solche Forderung gestellt habe.

Werden bald andere Kantone nachziehen?

Angesichts dessen ist Dubach zufrieden, dass der Aargau als vorerst erster Kanton in der Schweiz zumindest seinen Handlungsspielraum genutzt hat und den Lehrpersonen ermöglicht, dass sie vor der breiten Bevölkerung geimpft werden. «Ich gehe davon aus, dass andere Kantone nachziehen werden und Lehrpersonen bei der Impfung ebenfalls eine Priorisierung erhalten», sagt er.

Dass die Priorisierung im Aargau nur für Lehrerinnen und Lehrer ab 50 Jahren gilt, kann Dubach verstehen. Es seien auch vor allem ältere Lehrpersonen, die sich beim Verband melden würden, weil sie Angst vor einer Ansteckung in der Schule haben.

4500 Lehrpersonen sind älter als 50

Laut Dubach unterrichten im Aargau ungefähr 4500 Lehrpersonen, die älter als 50 Jahre sind. «Wir schätzen, dass sich davon ungefähr 3000 bis 3500 Personen impfen lassen möchten.»

Der Entscheid, Lehrerinnen und Lehrer bei der Covid-Impfung privilegiert zu behandeln, könnte Begehrlichkeiten in anderen Berufsgruppen wecken. Solche Forderungen sind sich die Verantwortlichen beim Kanton gewohnt: «Es ist normal, dass sich Interessenvertretungen für ihre Mitglieder einsetzen.»

Polizistinnen und AKW-Mitarbeitende werden auch rascher geimpft

Zu den Berufsgruppen, die besonders exponiert sind, gehören beispielsweise Polizistinnen und Polizisten. Auch wenn es für sie kein Impfprivileg gibt, so haben sie im Aargau neu trotzdem die Möglichkeit, schneller geimpft zu werden.

Bisher haben die Impfzentren die wenigen abendlichen Restdosen nur dem Gesundheitspersonal verimpft. Dieses ist bald vollständig immunisiert. Deshalb werden laut Kanton neu Restdosen auch an Polizistinnen und Polizisten verimpft. Diese werden direkt von den Impfzentren aufgeboten und müssen an bereits getätigten Registrierungen nichts ändern.

Nebst den Polizisten und Lehrerinnen werden auch gewisse hochspezialisierte Mitarbeitende der Atomkraftwerke Beznau und Leibstadt früher als die restliche Bevölkerung geimpft. Allerdings erhalten diese Mitarbeitenden keine Restdosen, sondern werden von den mobilen Impfteams gepikst.

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