Impftourismus
Kein Platz für Kantönligeist in einer globalen Krise

Je mehr Impfstoff es gibt, desto weniger Gründe sprechen gegen interkantonalen Impftourismus. Es würde sich lohnen, wenigstens in der Pandemie den Blick fürs Ganze zu öffnen, anstatt in Kantonsgrenzen zu denken. Ein Kommentar.

Noemi Lea Landolt
Noemi Lea Landolt
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Aargauerinnen und Aargauer können im Kanton Zürich einen Impftermin buchen. Umgekehrt geht es nicht. Der Aargau weist Ausserkantonale ab. Allzu lange wird er an dieser Regel vermutlich nicht mehr festhalten, weil es dafür schlicht keinen guten Grund mehr gibt.

Klar, der Impfstoff wird anhand der Bevölkerungszahlen an die Kantone verteilt und ist für die Bewohnerinnen und Bewohner des jeweiligen Kantons gedacht. Das war zu Beginn der Impfkampagne wichtig, als es kaum genug hatte, um die besonders gefährdeten Personen zu impfen.

Aber jetzt sind wir in einer anderen Phase. In der Schweiz haben alle Zugang zur Impfung und es geht nun darum, möglichst rasch alle, die das möchten, zu impfen. Ob das in Dietikon, Rheinfelden, Zürich oder Aarau geschieht, darf keine Rolle spielen.

Effizienz heisst auch, dass die Aargauerin, die in Zürich arbeitet nicht für den Impftermin um 14.15 Uhr in Menziken stehen muss, sondern einen Termin in Zürich buchen kann.

In einer globalen Krise hat es keinen Platz für Kantönligeist. Es lohnt sich, wenigstens einmal nicht nur den Kanton Zürich, den Kanton Aargau oder die Schweiz zu sehen, sondern die umliegenden Länder und die
umliegenden Länder der umliegenden Länder.

Alle sind von der Pandemie betroffen. Aber dort überlegt sich kaum ein Mensch, ob er nebst seinem Wohnkanton auch noch im Nachbarkanton versuchen soll, einen Impftermin zu buchen.