Aarau

In bitterer Kälte: Diese vier Kaninchen-Babys wurden einfach ausgesetzt

Kein Interesse mehr: Kaninchen auch im Winter ausgesetzt

Kein Interesse mehr: Kaninchen auch im Winter ausgesetzt

In der Region werden vermehrt Kaninchen einfach ausgesetzt und ihrem Schicksal überlassen. Beim Aargauischen Tierschutzverein landeten dieses Jahr so viele Kaninchen wie noch nie. ​

In der Region werden vermehrt Kaninchen einfach auf die Strasse gestellt und ihrem Schicksal überlassen. Beim Aargauischen Tierschutzverein landeten dieses Jahr so viele Kaninchen wie noch nie. ​

Vier flauschige Stummelschwänzchen, vier zitternde Näschen, acht treue Augen und ein ganzer Haufen kuscheliges Fell: Diese vier Kaninchen-Babys sind einfach herzig. Doch anscheinend können sie nicht jedes Herz erweichen. In eine Kartonschachtel gepackt wurden die Häsli bei Janina Minder abgesetzt — ohne Mutter und bei bitterer Kälte. 

Minder betreibt in Aarau eine Auffangstation für Kaninchen und kennt sich mit den flauschigen Tieren gut aus: «Sie hatten kaum Fell und die Augen noch geschlossen», sagt Minder gegenüber TeleM1. Die Babys konnten deshalb erst etwa vier bis fünf Tage alt gewesen sein.

«Sie waren auch schon recht unterkühlt als ich sie gefunden habe», so Minder weiter. «Es hätte gut sein können, dass sie erfrieren.»

«Es gibt keine Entschuldigung für so ein Verhalten»

Mittlerweile sind aus den halb-nackten Babys vier flauschige Fellkugeln geworden. Alle paar Stunden werden sie von ihrer neuen Zieh-Mama mit dem Fläschschen gefüttert.

Minder sieht diverse Gründe, weshalb ein Tier ausgesetzt werde: «Kinder haben kein Interesse mehr oder es gibt ungewollten Nachwuchs. Kaninchen können eben doch viele Jungen bekommen.» Eine Entschuldigung für so ein Verhalten gäbe es jedoch nicht.

Die Betreiberin der Auffangstation Kaninchenhöle kümmert sich derzeit um 18 Kaninchen. Wenn die vier Babys grösser sind, wird Minder ein neues Zuhause für sie suchen. Dort sollen sie es gut haben: Sie müssen raus können und Minder wird regelmässig vorbeischauen, um sicherzustellen, dass es den Findelkindern im neuen Daheim auch gut geht.

Zehn Kaninchen landeten beim Aargauischen Tierschutzverband

Es ist nicht das erste Mal in diesem Jahr, dass Häsli ausgesetzt werden. In den Herbstferien fanden Gemeindearbeiter in Oberflachs zwei ausgewachsene Kaninchen. Rolf Lanz päppelte die Tiere wieder auf. «Sie waren sehr, sehr unterernährt und ihr Fell war in einem katastrophalen Zustand.» Das schlimmste seien aber die Hinterbeine der Tiere gewesen: «Ihre Krallen waren viel zu lang, weil die Kaninchen sie im vorherigen Stall nirgends abwetzen konnten.» 

Anfangs Jahr wurden im Mägenwiler Wald vier Kaninchen ausgesetzt. Die Tiere überlebten nur dank einem Tierarzt: Im Video sieht man Bilder ihrer eingewachsenen Zähne.

Beim Aargauischen Tierschutzverband landeten in diesem Jahr zehn ausgesetzte Kaninchen — so viele wie noch nie. Für Präsidentin Astrid Becker ist das unverständlich: «Man kann uns jederzeit anrufen und fragen. Sollten wir keinen Platz haben, geben wir die Kontakte anderer Organisationen an und helfen, die Tiere zu vermitteln.» Für Becker ist klar: Andere Möglichkeiten, als das Tier auf die Strasse zu setzen, gäbe es immer.

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