Bisher existiert der Golfplatz Niederwil erst auf dem Papier, mehr als einen Situationsplan für ein Vorprojekt (siehe Illustration) gibt es nicht. Damit im Reusstal dereinst die Golfbälle fliegen, sind noch viele Planungsschritte nötig. Damit das Projekt weitergeführt werden kann, muss der Grosse Rat den kantonalen Richtplan anpassen und den geplanten Golfplatz darin festsetzen. Dass sich dafür im Kantonsparlament eine Mehrheit ergibt, scheint nach den Stellungnahmen der Parteien in der Vernehmlassung ziemlich fraglich.

Nur die Freisinnigen unterstützen das Projekt. Sie verweisen darauf, dass der Standort für einen neuen Golfplatz im Gnadenthal «laut einer breit durchgeführten Evaluation der am besten geeignete von 15 geprüften Standorten» sei. Dass die geplante Golfanlage in einem Gebiet liegt, das zum Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung (BLN) zählt, ist für die FDP kein Hinderungsgrund. Dies, weil die Eidgenössische Natur- und Heimatschutzkommission schreibt, dass keine schwere Beeinträchtigung des BLN-Objekts Reusslandschaft durch das Vorhaben zu erwarten sei. Das Projekt trage ausserdem dazu bei, «dass auf dem Gebiet der heutigen Monokultur ein Beitrag zu mehr Biodiversität entsteht», schreibt die FDP.

CVP und SVP sagen Nein – das soll sich aber noch ändern

Die beiden anderen grossen bürgerlichen Parteien sind gegen eine Festsetzung des Golfplatzes im Richtplan. Die SVP ist der Meinung, es gebe keinen Bedarf für einen weiteren Golfplatz im Aargau. Zudem sei es nicht nachhaltig, «auf besten Böden Hügel und Bunker zu formen und Wege anzulegen». Es sei auch nicht ökologisch, für ein Freizeitvergnügen «die einheimische Nahrungsmittelproduktion zurückzubinden und die benötigten Nahrungsmittel aus dem Ausland zu importieren», kritisiert die SVP. Es wäre auch ohne Golfplatz möglich, das Land mit Auflagen zur ökologischen Bewirtschaftung an lokale Landwirte zu verpachten.

Die CVP hält fest, sie sei nicht grundsätzlich gegen Golfplätze. Allerdings stelle sich die Frage, ob es angesichts der wachsenden Bevölkerung und des sinkenden Selbstversorgungsgrads der Schweiz richtig sei, «weitere Flächen der landwirtschaftlichen Produktion zu entziehen». In der Stellungnahme, die von Ralf Bucher, dem Geschäftsführer des Bauernverbandes, verfasst wurde, heisst es weiter: «Die betroffenen Flächen gehören zu den besten des Kantons, ja sogar der Schweiz.» Das Volk habe 2017 den Bundesbeschluss zur Ernährungssicherheit sehr deutlich angenommen und sich für eine einheimische Produktion ausgesprochen.

Walter Koch, Gemeindeammann von Niederwil und CVP-Mitglied, ist erstaunt über diese Positionen. «Bei uns im Gemeinderat sitzen drei CVPler und zwei SVPler, wir wurden aber nie nach unserer Meinung gefragt», sagte er am Montag an der Medienkonferenz zum Golfplatzprojekt. Der Gemeinderat Niederwil unterstützt das Vorhaben und hat es in sein Legislaturprogramm geschrieben. Walter Koch hat mit CVP-Präsidentin Marianne Binder Kontakt aufgenommen und seine SVP-Kollegen im Gemeinderat ermuntert, bei ihrer Grossratsfraktion Einfluss zu nehmen. «Wir hoffen, dass sich die Meinung dieser Parteien bis zur Abstimmung im Grossen Rat noch ändert», sagte Koch.

Grüne sehen Vorteile, sagen aber trotzdem Nein zum Golfplatz

Die Grünen halten fest, die heutige Bewirtschaftung entspreche nicht ihren Vorstellungen einer nachhaltigen, landschaftspflegenden Landwirtschaft. Die mit dem Projekt möglichen Aufwertungsmassnahmen, «insbesondere der hohe Anteil an Biodiversitätsförderflächen, könnten sich sehr positiv auf die Umwelt auswirken», heisst es in der Stellungnahme.

Dennoch sind die Grünen gegen die Festsetzung des Golfplatzes im kantonalen Richtplan. Aus grundsätzlichen Überlegungen lehnt die Partei die geplanten Eingriffe ins natürliche Relief in einem BLN-Gebiet ab. Auch wenn diese bloss auf einige Dezimeter beschränkt seien, sehen die Grünen das als Ausschlusskriterium. Dasselbe gelte auch für den Bau der geplanten Abschlaghütten der Driving Range.

Ein Golfplatz verändere die Landschaft enorm, schreiben die Grünliberalen. Auch die Erstellung von naturnahen Flächen mache dies nicht wett, findet die GLP. Ausserdem sei kaum ein öffentliches Interesse an einem weiteren Golfplatz auszumachen.

Die SP kritisiert, jeder Golfplatz brauche Unmengen an Wasser und Herbiziden für die Pflege der Greens. 34 Hektaren wertvolles Kulturland für das Freizeitvergnügen einiger weniger Personen zu opfern, sei falsch – auch mit der Option auf einige gestalterische und ökologische Aufwertungen, schreibt die SP-Fraktion.