Baden

IT-Sicherheit macht Spass und ist nicht schwer – so sieht es ein «guter Hacker»

Beim «Talk im Trafo» erzählte der Berliner Linus Neumann von seinen Aktivitäten und wie er einst russische Cyberkriminelle aufs Glatteis führte.

Ist mein Passwort sicher genug? Wie lang ist das letzte Update her? Machen sich Hacker gerade an mein Bankkonto oder an die Fotos meiner Katze?

Nicht wenige der rund 850 Gäste im Publikum dürften sich solche Fragen nach dem Vortrag am Montagabend gestellt haben. Gastgeber Andreas Binder versprach denn auch: «Der ein oder andere wird nach dem Vortrag nach Hause rennen, den Laptop einschalten und seine Einstellungen ändern.»

Zum 21. Mal fand in den Trafo-Hallen in Baden der «Talk im Trafo» statt. Es war ein brandaktuelles Thema, das sich die Badener Anwaltskanzlei Binder Rechtsanwälte ausgesucht hatte. Eines, das vielen Menschen Kopfzerbrechen bereitet: Cyberkriminalität. Täglich werden weltweit Millionen von Cyberattacken verübt – auf Server von Grossfirmen, aber auch auf Rechner von Einzelpersonen.

Dahinter stecken jene, die illegal in Computersysteme eindringen: die Hacker. Von denen gebe es sehr viele «böse», sagte Andreas Binder. «Aber auch gute.» Und mit Linus Neumann stand an diesem Abend einer der «Guten» als Referent auf der Bühne. Der 36-jährige Hacker arbeitet als IT-Sicherheitsberater für deutsche und internationale Organisationen.

Mit 10 hat er den Computer vom Vater gehackt

Er freue sich, heute über sein Hobby sprechen zu dürfen, sagte der Berliner, der im schwarzen Anzug und mit Irokesenschnitt wie ein Rebell daherkam. Doch der Schein trügte. Ehrlich, witzig und charmant vermochte es Neumann, die Zuhörer in seinen Bann zu ziehen.

Er erzählte von den Anfängen, als er als Zehnjähriger den Computer seines Vaters umprogrammierte und von dem einen Mal, als er ein russisches Hackerkollektiv abwimmelte. «Wir haben uns damals einen Spass erlaubt, so getan, als würden wir gehackt und uns als Russen ausgegeben», sagte Neumann. Dazu müsse man wissen: «Russen hacken keine Landsleute, sonst landen sie im Knast. Und der russische Knast ist sehr, sehr hart.»

Danach war Neumann wieder ganz nah dran am durchschnittlichen Internet-User. «IT-Sicherheit macht Spass», versicherte der Deutsche und schob ein «Echt!» für das ungläubige Publikum nach. Man müsse nur ein paar Regeln befolgen: Das Gerät regelmässig updaten, Back-ups erstellen und, ganz wichtig, lange und unterschiedliche Passwörter verwenden: «Ein Passwort ändert man genau einmal im Leben», sagte Neumann. «Bevor oder nachdem man gehackt wurde. Seien Sie auf der richtigen Seite.»

Wer danach noch mehr zu Datensicherheit wissen wollte, konnte Neumann im persönlichen Gespräch bei Speis und Trank auf den Zahn fühlen. Wie gewohnt kam der Wein des Abends vom Weingut zum Sternen in Würenlingen, von Winzer Andreas Meier.

Unter den Gästen im Trafo waren alt Bundesrätin Doris Leuthard, mehrere aktive und ehemalige Nationalräte, Grossratspräsidentin Edith Saner, die Badener Kino-Familie Sterk, Badens Stadtammann Markus Schneider und zahlreiche Juristen und Ökonomen aus der ganzen Schweiz.

Sie alle dürften nicht mit einem mulmigen, sondern dem beruhigenden Gefühl nach Hause gegangen sein: Die eigenen Daten zu schützen ist gar nicht so schwer.

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