Lukas Pfisterer

Jauslin-Nachfolge: Wird Aarauer Stadtrat neuer FDP-Präsident?

FDP: Lukas Pfisterer, Aarau

FDP: Lukas Pfisterer, Aarau

Am 6. April wählen die Aargauer Freisinnigen den Nachfolger von Parteipräsident Matthias Jauslin. Der grosse Ansturm auf das Amt gibt es (noch) nicht. Im Vordergrund steht zur Zeit der Aarauer Stadtrat Lukas Pfisterer. Er hegt aber auch Interessen am frei werdenen Stadtpräsidium.

Am 6. April wird am FDP-Parteitag in Wohlen die Nachfolge des nicht mehr als Präsident antretenden Matthias Samuel Jauslin geregelt. Er will als Nationalrat den Fokus noch intensiver auf die Bundespolitik legen. Doch wer beerbt ihn im Präsidium? Alle Erfahrung legt nahe, dass der- oder diejenige mit Vorteil Mitglied des Grossen Rates sein sollte. Damit ist man nah am kantonalen Geschehen. Idealerweise wäre es wohl jemand etwa im Alter von Jauslin oder seinem Vorgängern Thierry Burkart.

Für Grossräte, die gleichzeitig Stadtammänner sind, dürfte diese Aufgabe nebst der beruflichen Herausforderung schwierig zu bewältigen sein.

Eine kleine Umfrage bei freisinnigen Grossräten fördert mehrere Absagen zutage, aber nicht nur. Jeanine Glarner (32) war schon Präsidentin der Aargauer Jungfreisinnigen. Unter ihrer Ägide kam die Staatskunde-Initiative zustande, die mit Blick auf den Lehrplan 21 immer noch in den Schubladen des Kantons schlummert.

Glarner ist Historikerin und seit 2012 Grossrätin. Sie sei wie andere auch von der Findungskommission angefragt worden und habe es sich sehr gut überlegt, sagt Glarner: «Es ist eine sehr reizvolle Aufgabe. Ich habe aber am 1. Februar eine neue Stelle angetreten, es liegt zeitlich einfach nicht drin.»

Nicht zweimal Präsident

Bei den Grünen war Jonas Fricker zweimal Präsident. Könnte sich der frühere FDP-Präsident und jetzige Nationalrat Thierry Burkart so etwas für sich bei den Freisinnigen auch vorstellen? Er sei sehr gern Präsident gewesen, sagt Burkart. Ein erneutes Präsidium komme aber nicht infrage. Das müsste jemand machen, der im Grossen Rat und somit viel näher bei den kantonalen Geschäften ist.

In die Kränze kommen könnten bei allfälligem Interesse gewiss Sabina Freiermuth (Zofingen) und Silvan Hilfiker (Oberlunkhofen). Freiermuth ist aber neu Fraktionspräsidentin im Grossen Rat und gehört der Findungskommission an, die Kandidaten fürs Präsidium sucht. Hilfiker ist neuer Vizefraktionspräsident. Natürlich überlege man sich vor der Annahme eines solchen Mandats, wie die eigene Zukunft in der Partei aussehen könnte, sagt Hilfiker dazu. Ihm gefällt die neue Rolle, er konzentriere sich jetzt aufs Vizepräsidium.

Der Rechtsanwalt Lukas Pfisterer (43) ist Stadtrat in Aarau und seit 2013 Grossrat. Die Frage, ob man für das Parteipräsidium kandidieren wolle, stelle man sich natürlich als Grossrat: «Sie beschäftigt auch mich.» Es gebe derzeit verschiedene Optionen im Stadtrat (das Stadtpräsidium in Aarau ist neu zu vergeben, da Jolanda Urech nicht mehr antritt) und im Grossen Rat (Parteipräsidium). Er macht derzeit eine Auslegeordnung und ist diesbezüglich im Gespräch mit Stadt-, Bezirks- und Kantonalpartei, sagt Pfisterer.

Maja Riniker (38, Suhr), seit 2014 Grossrätin, erreichte 2015 auf der Nationalratsliste Rang 6. Das Parteipräsidium sei ein reizvolles Amt, sagt die Betriebsökonomin FH und Co-Präsidentin der FDP Frauen Region Aarau-Lenzburg. Der Zeitpunkt wäre aber «nicht optimal.» Und der frühere Parteisekretär und Grossrat seit 2015, Stefan Huwyler (33, Muri), sagt zur Präsidiumsfrage: «Das ist für mich aus beruflichen und familiären Gründen absolut kein Thema.»

Gérald Strub (47) ist Gemeindeammann von Boniswil und Unternehmer, hat also Führungserfahrung. Er sei neu im Grossen Rat, sagt Strub. Deshalb wäre eine Kandidatur eher schwierig. Er verweist die az im übrigen an die Findungskommission.

Bürgi: Aufgabe für Jüngere

Der Historiker Titus Meier (35, Brugg) erreichte bei den Nationalratswahlen auf der FDP-Liste Rang 8. Er ist seit 2009 Grossrat. Er bekundet bekanntlich Interesse am Stadtammannamt in Brugg. Dort tritt Stadtammann Daniel Moser nicht mehr an. Meier sagt denn auch, das Präsidium der Partei sei für ihn «aus beruflichen und privaten Gründen zurzeit kein Thema».

Der Facharzt Ulrich Bürgi (60, Aarau), der bei den Nationalratswahlen auf dem fünften Platz landete, verweist auf sein grosses Spitalengagement, das Vizepräsidium des Aargauischen Ärzteverbandes und das Präsidium der Kommission Gesundheit und Sozialwesen im Grossen Rat. Das Parteipräsidium sollte seines Erachtens jemand Jüngerer übernehmen, der dieses in der eigenen Karriereplanung auch als Sprungbrett nutzen könnte.

Findungskommission am Werk

Anfang Dezember 2016 hat Nationalrat Matthias Samuel Jauslin angekündigt, 2017 nicht mehr zur Wiederwahl als Kantonalpräsident anzutreten, weil er den Fokus noch intensiver auf die Bundespolitik richten möchte und damit seine Nachfolge genügend Zeit habe, sich auf die Wahlen 2019 und 2020 vorzubereiten.

Eine Findungskommission sucht derzeit nach möglichen Kandidaten. Ihr gehören an: Regierungsrat Stephan Attiger, Fraktionspräsidentin Sabina Freiermuth, Martina Sigg (Präsidentin FDP Frauen Aargau) Claudia Hauser (Präsidentin FDP Bezirk Zurzach) und Jürg Willi (Unternehmer aus Aarau).

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