Regierungsratswahl

Jean-Pierre Gallati verpasst das absolute Mehr, nun sucht Mitte-Links eine Strategie gegen ihn

Für die Regierungsratsersatzwahl kommt es am 24. November zum zweiten Wahlgang. SVP-Kandidat Jean-Pierre Gallati führt, hat aber das absolute Mehr nicht erreicht. Wer im zweiten Wahlgang antritt, entscheiden die Parteien diese Woche.

Es kam so, wie es die Umfrage der AZ in Zusammenarbeit mit Sotomo vom September vorhergesagt hatte: SVP-Kandidat Jean-Pierre Gallati hat nach dem ersten Wahlgang im Rennen um den Regierungsratssitz die Nase klar vorne. Ihm auf den Fersen ist Yvonne Feri (SP) vor Jeanine Glarner (FDP).

Chancenlos blieben GLP-Kandidatin Doris Aebi und Grünen-Kandidat Severin Lüscher. Gallati hat das absolute mehr von 50 Prozent plus eine Stimme indes nicht erreicht, der zweite Wahlgang am 24. November ist Tatsache. Dann braucht es kein absolutes Mehr, wer am meisten Stimmen hat, schafft die Wahl.

Für SVP-Präsident Thomas Burgherr ist das nur ein Umweg: «Wie erwartet hat Jean-Pierre Gallati ein Super-Resultat erzielt», stellte er gestern nach der Verkündigung der Resultate im Keller des Grossratsgebäudes zufrieden fest. Es zeige das Vertrauen der Bevölkerung in den Gesundheitspolitiker: «Jean-Pierre Gallati hat sich stets klar und kompetent zu den drängenden gesundheitspolitischen Themen geäussert und so die Wählerinnen und Wähler von sich überzeugt», findet Burgherr. Dass sein Kandidat auch im zweiten Wahlgang antritt, ist also so weit klar.

Gallati: «Ich bibbere nicht»

Galatti: "Ich bibbere nicht"

Jean-Pierre Galattti (SVP) gibt sich am heutigen Wahlsonntag unaufgeregt. Auch seine Wahlkampftaktik sei zurückhaltend gewesen. Er machte im Interview klar, dass er bei diesem andere Kandidierende und amtierende Regierungsratsmitglieder nicht angegriffen und respektiert habe.

SP sehr zufrieden, FDP sieht ihr Potenzial genutzt

Das sieht bei den anderen Parteien anders aus. Auf die Frage, ob ihre Kandidierenden noch einmal antreten werden, verweisen sie auf ihre Parteiversammlungen von nächster Woche, wo ihre Mitglieder dies zu entscheiden haben. «Am Schluss sagt die Partei, wie wir vorgehen», meint FDP-Präsident Lukas Pfisterer.

Über den dritten Platz von Jeanine Glarner ist er nicht enttäuscht. «Sie hat gegenüber der letzten Umfrage aufgeholt. Wir haben unser Potenzial sicher ausgenutzt», sagt er. GLP-Präsident Beat Hiller spricht von einem «Kaltstart» von Doris Aebi, die bisher im Kanton Aargau politisch nicht in Erscheinung getreten war. Insofern sei ihr vierter Platz ein «schönes Resultat». Auch die GLP entscheidet aber erst in den nächsten Tagen, wie sie für den zweiten Wahlgang vorgehen wird.

Die SP und Yvonne Feri würden jetzt die Ausgangslage prüfen und entscheiden, ob sie zu einem zweiten Wahlgang antritt, teilte die SP mit. Die Aargauer Bevölkerung habe gezeigt, dass sie sich klar mehr Sozialdemokratie im Regierungsrat wünsche.

Über 44 000 Stimmberechtigte vertrauten mit Yvonne Feri einer «äusserst erfahrenen» Gesundheits- und Sozialpolitikerin, die sich für flächendeckende und bezahlbare Gesundheitsversorgung, für einen vernünftigen sozialen Ausgleich, für die Gleichstellung und für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf einsetze.

Regierungsratswahl: "Yvonne Feri, trauen Sie sich einen Sieg im Duell gegen SVP-Gallati zu?"

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In der Ersatzwahl für den frei gewordenen Regierungsratssitz im Aargau hat keiner der Kandidaten das absolute Mehr erreicht. Es kommt zum zweiten Wahlgang. Als Gewinner geht SVP-Kandidat Jean-Pierre Gallati hervor, gefolgt von SP-Kandidatin Yvonne Feri. Weshalb sich diese so einiges zutraut, sagt sie im Interview mit Aargau-Ressortleiter Fabian Hägler.

Klimaallianz könnte noch einmal ein Thema werden

Etwas weniger euphorisch ist Grünen-Präsident Daniel Hölzle ob des letzten Platzes von Kandidat Severin Lüscher. Vielleicht habe es tatsächlich eine Rolle gespielt, dass die Grünen einen Mann für die Regierungsratsersatzwahl nominiert haben, wodurch Wählerinnen und Wähler der Grünen auf SP-Kandidatin Feri ausgewichen seien.

Dafür habe Arzt und Grossrat Lüscher wohl in der Mitte einige Wähler von seinen Kompetenzen überzeugen können, vermutet Hölzle. Doch lag Lüscher bei der Umfrage vor wenigen Wochen noch gleichauf mit seiner Konkurrentin von der GLP, hat er im ersten Wahlgang nun 1500 Stimmen weniger gemacht als Doris Aebi.

Was heisst das für den zweiten Wahlgang? Auch Daniel Hölzle verweist diesbezüglich auf die Versammlung seiner Partei. Die Basis entscheide dann, wie die Grünen auf das Resultat reagieren werden. Hölzle lässt offen, ob die Grünen jetzt auf SP-Kandidatin Yvonne Feri einschwenken, damit die Linken geeint Gallati doch noch überholen können oder noch die Grünliberalen mit an Bord holen für eine gemeinsame Kandidatur der Klimaallianz.

"Bis jetzt bin ich zufrieden"

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Die Regierungsratskandidatin Jeanine Glarner von der FDP, wartet enspannt die definitiven Resultate ab.

GLP und SP wollen keine reine Männerregierung

Die Vertreter von GLP, Grünen und SP waren sich gestern einig, dass Alleingänge kaum zielführend sein dürften. Die Diskussionen über den zweiten Wahlgang werden sie deshalb nicht nur intern führen, sondern sich in den nächsten Tagen auch untereinander austauschen.

Das sagt zumindest GLP-Präsident Beat Hiller. «Für den zweiten Wahlgang brauchen wir eine starke Mitte-links-Kandidatur – bis Dienstag sollte eine Lösung auf dem Tisch liegen.» Für ihn ist klar, dass nur eine Frau infrage kommt: Eine Kandidatur, die dafür sorgen würde, dass der Aargauer Regierungsrat ein reines Männer-Gremium wird, könne er nicht unterstützen. Das hatte die GLP bereits vor der Nomination von Doris Aebi im vergangenen Sommer gesagt.

Auch die Sozialdemokraten stellen in Aussicht, dass sie im Gespräch mit anderen Parteien die neue Ausgangslage prüfen werden. «Hauptziel dabei ist es, zu verhindern, dass der freie Sitz in bürgerliche Hände fällt und die Aargauer Regierung zum reinen Männergremium wird», teilt die SP mit. Dies wäre für den Kanton Aargau ein «nicht akzeptabler Rückschritt in Sachen Gleichstellung».

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