«Jekami» nennt die Evangelische Volkspartei Aargau (EVP) den Run aller, auch kleiner Parteien auf den vakanten Regierungssitz, den es am 20. Oktober wieder zu besetzen gilt. Sie beteilige sich nicht an diesem blossen «Kampf um mehr Beachtung», schreibt die EVP, die heuer ihr Hundertjähriges feiert und als einzige Kleinpartei seit Jahrzehnten lückenlos im Grossen Rat vertreten ist.

Nun, Kampf um Beachtung ist in einer Demokratie ja ein legitimes Anliegen. Doch die Beteiligung von Chancenlosen an Majorzwahlen ist tatsächlich ein jüngeres Phänomen. Sein Effekt ist Stimmenzersplitterung und oft Ergebnislosigkeit im ersten Wahlgang, weil niemand das absolute Mehr aller Stimmen erreicht. Wir kennen dieses «Sich-in-Erinnerung-Rufen» auch von den anderen Majorzwahlen, den Ständeratswahlen. Das Spiel spielen Parteien, aber auch Personen: Wer die Ständeratswahl verpasst, hat wenigstens den Beachtungsgrad erhöht und wird vielleicht, als Trösterchen, in den Nationalrat gewählt.

Nicht am Regierungsrats-Jekami beteiligt sich überraschend auch die CVP. Sie bedauert, dass sich die bürgerliche Mitte nicht auf eine gemeinsame Kandidatur habe einigen können. Wie man hört, hat sich Nationalrätin Ruth Humbel aber auch deshalb nicht zur Verfügung gestellt, weil sie nicht die gesamte eigene Partei geschlossen hinter sich wusste.

Jekami ist 2019 aber nicht nur ein Stichwort für Majorz-, sondern auch für Proporzwahlen. «Rekord über Rekord!» lautete die Affiche diese Woche. Der Kanton hat den Schalter für die Einreichung von Nationalratslisten geschlossen und Bilanz gezogen. Nicht weniger als 36 Haupt-, Neben-, Unter- und regionale Listen wurden eingereicht, von Alten, von Jungen, von Durchschnittsalten. Das entspricht einer Steigerung gegenüber den letzten Nationalratswahlen von über 50 Prozent. Ähnlich bei den Personen: 496 Frauen und Männer kämpfen um 16 Sitze in der grossen Kammer, 480 von ihnen oder fast 97 Prozent werden ihr Ziel nicht erreichen. Vor vier Jahren waren es noch 288 Kandidierende, die Steigerung beträgt hier also mehr als 72 Prozent. Mehr Demokratie oder bloss Jekami? Sicher viel, viel Taktik zur Stimmenoptimierung. Ob sie das Wahlvolk begreift? Ob auch die Wahlbeteiligung auf neue Rekordhöhen steigt? Fraglich, eher nein.

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