Der Ärger war gross: Im 2014  stellte der Kanton 38 neue Signalisationstafeln an Autobahn-Ausfahrten im Aargau auf. Diese werben für meist wenige Kilometer entfernte Sehenswürdigkeiten. Leer gingen damals drei Regionen aus: Das Zurzibiet, das Freiamt und das Wynental. «Wir sind enttäuscht», sagte Peter Andres, Geschäftsführer vom Wirtschaftsforum Zurzibiet. "Fast ein bisschen skandalös", fand das Martin Widmer, Präsident des Wynentaler Regionalplanungsverbandes aargauSüd.

Diese Reaktionen blieben nicht ohne Folgen. Denn mittlerweile steht fest: Der Kanton wird 67 zusätzliche Tafeln an Kantonsstrassen im ganzen Aargau aufstellen. "Die Schilder sind relativ gleichmässig auf alle Regionen des Kantons verteilt", sagt Giovanni Leardini, Mediensprecher des zuständigen Departements Bau, Verkehr und Umwelt (BVU). "Ein Ziel war eine einigermassen ausgewogene Verteilung und Berücksichtigung aller Regionen." Das BVU ist federführend. Die Regionalplanungsverbände sowie Aargau Tourismus und die Abteilung Kultur vom Departement Bildung, Kultur und Sport wurden miteinbezogen. 

Die neuen Tafeln erhalten dasselbe Layout und werden sich von jenen an den Nationalstrassen nicht unterscheiden. Die Regionen haben ihre Sujets selbst ausgewählt. Der az liegen einige Entwürfe vor. Sie zeigen etwa ein Aussichtsbild vom Homberg aufs Wynental, das Kloster Muri oder den Klingnauer Stausee. Die Bilder sind noch nicht definitiv ausgewählt und unbearbeitet.

Gleichmässig auf Regionen verteilt

Mit den Schildern solle nicht nur Werbung für die schönen Regionen und das kulturelle und touristische Angebot des Kantons gemacht werden. Auch sollen die Sehenswürdigkeiten besser signalisiert werden. "Insbesondere für die Regionen, die nicht direkt an der Autobahn liegen", sagt Leardini.

Vor drei Jahren sprudelte rund eine Million Franken aus dem Swisslos-Fonds. Aus dem selben Topf werden die neuen Tafeln finanziert. "Für die Steuerzahler, die Gemeinden und Regionalplanungsverbände fallen keine Kosten an", unterstreicht Leardini. Die Kosten betragen insgesamt 910'000 Franken. Ab Spätsommer werden die ersten dieser Tafeln montiert. Bei den anderen muss der genaue Standort noch bestimmt werden. 

Der Zurzibieter Peter Andres freut sich über die neuen Tafeln. «Wir sind dem Kanton dankbar, dass er unsere Reklamation erhört hat», sagt er. Und dass neue Schilder als Visitenkarte bald auf die touristischen Highlights im Zurzibiet wie den Klingnauer Stausee oder den Jüdischen Kulturweg hinweisen. Ob es seine Freude trübt, dass die Schilder nicht an Autobahn-Ausfahrten, sondern an Kantonsstrassen stehen? «Im Gegenteil. Die Schilder sind so näher an den Sehenswürdigkeiten.» Die Chance, dass jemand spontan dorthin abzweigt , schätzt er höher ein als bei einer Autobahn-Ausfahrt.

 «Für den Kanton ist das eine schöne Plattform für Werbung in eigener Sache», freut sich Andrea Portmann, die Direktorin von Aargau Tourismus. Doch lässt sich einschätzen, ob die Tafeln mehr Tagestouristen oder gar Logiernächte bringen? «Die Tafeln sind einerseits identitätsfördernd für die Bevölkerung», sagt sie. «Andererseits lernen jene, die durch die Region fahren, Neues kennen.» Ob eine Region allein wegen der Tafeln mehr Touristen anziehe, wage sie zu bezweifeln. Man müsse sie aber als eine von vielen Werbemassnahmen sehen. «Wer nicht wirbt, kann auch nicht wahrgenommen werden.»