Grippe
Jetzt impfen in Aargauer Apotheken möglich – Ärzte skeptisch

Zehn Aargauer Apotheken starten am 13. Oktober erstmalig eine Grippe-Impfkampagne. Vorbild dafür sind Basler Apotheken, die dies erfolgreich seit Jahren tun. Ausgeführt werden die Impfungen von Haus- oder Spitalärzten. Der Ärzteverband ist skeptisch.

Mathias Küng
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Eine Grippe dauert in der Regel eine bis zwei Wochen. Jährlich müssen 1000 bis 5000 Grippepatienten hospitalisiert werden. Ein Impfpiks (Bild) bietet Schutz gegen die saisonale Grippe.

Eine Grippe dauert in der Regel eine bis zwei Wochen. Jährlich müssen 1000 bis 5000 Grippepatienten hospitalisiert werden. Ein Impfpiks (Bild) bietet Schutz gegen die saisonale Grippe.

Keystone

Ihr Hausarzt in Unterkulm hat für die Aktion spontan zugesagt. Leicht sei es aber wohl nicht gewesen, Ärzte für die Impfkampagne zu gewinnen, sagt Apothekerin Bea Wild aus Unterkulm.

Hausärzte gebe es zu wenig, sie seien schon 120 Prozent ausgelastet. Man wolle diese keineswegs konkurrenzieren, beteuern die Apotheker.

Bea Wild: «Unsere Pharmaassistentinnen fragen impfwillige Apothekenbesucher als Erstes, ob sie einen Hausarzt haben und sich dort impfen lassen möchten.» Sie geht davon aus, dass über 65-Jährige, Risikopatienten und Chronischkranke dafür sowieso zum Hausarzt gehen.

Bea Wild, Apothekerin Unterkulm «Je mehr Menschen geimpft sind, desto schwerer hat es eine drohende Pandemie wie einst die spanische Grippe, sich zu verbreiten.»

Bea Wild, Apothekerin Unterkulm «Je mehr Menschen geimpft sind, desto schwerer hat es eine drohende Pandemie wie einst die spanische Grippe, sich zu verbreiten.»

AZ

Junge Zielgruppe im Visier

Ihre Zielgruppe sei eine andere, sagt auch Apothekerpräsident Fabian Vaucher: «In der Altersgruppe 20 bis 35 gehen die Nachimpfungen heute oft vergessen. Viele junge Männer gehen nicht mehr ins Militär, wo geimpft wird. Und viele Frauen bekommen Kinder heute erst im Alter von über 30 Jahren. Wir hoffen diese Gruppe anzusprechen, natürlich auch Gesundheitspersonal sowie Angehörige von kranken Menschen.»

Letztlich wolle man mithelfen, die sehr tiefe Impfquote zu erhöhen. Gelingen soll dies dank der tiefen Hemmschwelle, in eine Apotheke zu gehen. Vaucher: «Nach dem Motto impf and go.»

Aber warum sollen sich die Menschen überhaupt impfen lassen? Wer geimpft ist, wird nicht krank und kann auch niemanden anstecken. Bea Wild: «Je mehr Menschen geimpft sind, desto schwerer hat es eine dereinst vielleicht wieder drohende Pandemie wie einst die spanische Grippe, sich zu verbreiten.»

Impftag der Hausärzte: 90 Praxen machen mit

Ab sofort kann man sich gegen die saisonale Grippe impfen lassen. Die Grippe ist nicht zu unterschätzen. In der Schweiz hat sie jedes Jahr zwischen 1000 und 5000 Hospitalisierungen und bis zu 1500 Todesfälle zur Folge, insbesondere bei älteren Personen.
Am 7. November 2014 findet ein nationaler Grippeimpftag statt. Da kann man sich in vielen Arztpraxen ohne Anmeldung zu einem Pauschalpreis (empfohlen sind 30 Franken) impfen zu lassen. Regulär kostet die Impfung sonst bis 65 Franken. Im Aargau beteiligen sich 90 Praxen. Eine Liste der teilnehmenden Ärztinnen und Ärzte finden Sie unter kollegium.ch

Ärzteverband: Weiter Bedenken

Der kantonale Ärztepräsident Hans-Ulrich Iselin meldete bei Bekanntwerden der Aktion starke inhaltliche Bedenken an. Er bekräftigt jetzt, man habe die Bedenken «mehrfach dargelegt und deutlich gemacht, dass eine gut ausgerüstete hausärztliche Praxis und eine ärztliche Beratung in einem Rahmen, der die Privatsphäre respektiert, sich besser für Impfungen eignen als eine Apotheke».

Wichtig sei, dass bei Zwischenfällen (schwere allergische Reaktion und anaphylaktischer Schock) ohne Verzug adäquate Gegenmassnahmen eingeleitet werden können mit dem Ziel, den Einsatz des Rettungsdienstes und damit eine notfallmässige Hospitalisation zu vermeiden.

Die Apotheker ihrerseits betonen, dass die Impfungen von Ärzten in einem separaten Raum vorgenommen werden und unter deren Verantwortung stehen. Wild: «In unserer Apotheke steht für den Fall eines anaphylaktischen Schocks, den es bei einer Grippeimpfung äusserst selten geben kann, eine Sauerstoffflasche bereit, Adrenalin, das Notfallset und ein Defibrillator.»

Es sei alles da. Wild: «Die Ärzte haben für diese Aktion in der Apotheke dasselbe Equipment zur Verfügung wie in ihrer Praxis. Ich sehe deshalb kein grosses Risiko».

In Basel-Stadt, wo Ärzte seit Jahren in Apotheken impfen, sei noch nie etwas passiert. Ausserdem müsse jeder Impfwillige zuerst einen Fragebogen ausfüllen, in dem Risikofaktoren systematisch abgecheckt werden. Nachher entscheidet der Arzt, ob er impft oder jemanden für weitere Abklärungen zu seinem Hausarzt schickt.

Die Impfung kostet 29 Franken. Sie beinhaltet medizinische Abklärung, Impfstoff und Impfung. Die Krankenkassen übernehmen die Grippeimpfung über die Arztpraxis, aber nur für über 65-Jährige und Risikopatienten, alle anderen müssen sie in jedem Fall selbst bezahlen.

Die Kosten der Impfung decken die Selbstkosten der Apotheke, denn schliesslich muss nebst den Kosten der Impfdosis selbst auch der impfende Arzt entlöhnt werden.

Hier wird geimpft

Den Impfservice bieten an die Benu- Apotheke Bahnhof Baden, Schwanen- Apotheke Baden, TopPharm-Apotheke und Drogerie Buchs, Storchen-Apotheke und Drogerie Frick, TopPharm-Apotheke Küttigen, TopPharm-Kapuziner-Apotheke Rheinfelden, Aare-Apotheke Rombach, Apotheke Rothrist, TopPharm- Wyna-Apotheke Unterkulm und die TopPharm-Rathaus-Apotheke Wettingen.

Zu beachten ist, dass die Impfungen ab 13. Oktober bis längstens 28. November von Apotheke zu Apotheke zu unterschiedlichen Zeiten angeboten werden. Einige Apotheken verlangen eine Anmeldung, andere nicht. Die genauen Zeiten und Informationen, wann wo ein Arzt oder eine Ärztin in der Apotheke impft, erhält man in der teilnehmenden Apotheke und auf der Verbands-Homepage.

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