Adrian Schoop

Jüngster Aargauer Gemeindeammann: Darum ist Österreichs Sebastian Kurz ein Vorbild

Nicht nur in Österreich, sondern auch im Aargau gibt es erfolgreiche Jungpolitiker. Adrian Schoop (31, FDP, Turgi) ist der jüngste Gemeindeammann im Kanton. Im Interview erklärt er, was jüngere Politiker besser können als ältere.

Er hat die Facebook-Seite des designierten österreichischen Bundeskanzlers Sebastian Kurz mit «Gefällt mir» markiert, wird im November erst 32 und ist jüngster Gemeindeammann im Aargau. Adrian Schoop, beruflich Geschäftsführer, führt seit diesem Jahr die Exekutive in Turgi an.

Herr Schoop, sind Sie überrascht, dass ein erst 31-jähriger Politiker in Österreich Bundeskanzler wird?

Adrian Schoop: Ich habe seinen Weg schon seit einiger Zeit verfolgt, er hat das gewisse Etwas, eine spezielle Ausstrahlung, die Fähigkeit die Leute in seinen Bann zu ziehen. Zudem hat er einen ausgezeichneten Wahlkampf in den Sozialen Medien gemacht. Dennoch hätte ich es vor einem Jahr für sehr unwahrscheinlich gehalten, dass ein so junger Politiker gewählt wird.

Wie erklären Sie sich den Erfolg von Kurz – oder was können junge Politiker besser als ältere?

Kurz ist authentisch, er hat die Menschen extrem mobilisiert, weil er eine ganz klare Linie hat und die Themen anspricht, die sie bewegen: der stetig wachsende Sozialstaat, die Migrations- und Asylpolitik, oder die Probleme bei der Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt. Ich habe den Eindruck, dass junge Politiker wie Kurz ihre Meinungen und Positionen manchmal klarer vertreten als etablierte, dies auch auf die Gefahr hin, damit anzuecken.

Sehen Sie Sebastian Kurz als Vorbild für Ihre politische Tätigkeit?

Wenn es darum geht, zu sagen, was ich denke, nur dann Ja zu sagen, wenn ich von etwas wirklich überzeugt bin, hingegen Nein zu sagen, wenn ich Zweifel habe, dann ist er ein Vorbild. Ich finde es wichtig, als Politiker offen und ehrlich zu seinen Überzeugungen zu stehen, auch wenn dies unpopulär ist.

War Ihr Alter in Ihrer politischen Karriere jemals ein Thema?

Ja, aber nur am Anfang vor fünf Jahren, als ich mit 26 in den Gemeinderat kam. Da sagten mir einige, ich sei doch noch sehr jung, habe erst gerade mein Studium abgeschlossen und solle mich erst beruflich und persönlich festigen, bevor ich ein solches Amt übernehme.

Wie verlief Ihre erste Sitzung als Jüngster im Gemeinderat Turgi?

Schon im Vorfeld der ersten Sitzung hatte ich gehört, dass von einem Neuen erwartet wird, dass er zuerst zuhört, sich über den Ablauf und die Verfahren der Gemeindepolitik informiert und sich mit eigenen Voten zurückhält.

Haben Sie sich daran gehalten?

Ja, das habe ich, wie ich es im Grossen Rat als Neuling auch getan habe. Ich habe aber im Gemeinderat dann relativ rasch meine Vorstellungen geäussert, vor allem in jenen Bereichen, die thematisch in mein Ressort gehören.

Heute sind Sie Gemeindeammann, mit 31 Jahren der jüngste im Aargau. Hätten Sie als 20-Jähriger mit dieser Karriere gerechnet?

Nein, und ich habe auch nicht darauf hingearbeitet. Ich wurde zuerst als Mitglied der Finanzkommission angefragt, später dann für den Gemeinderat, als ein anderes Ratsmitglied aus gesundheitlichen Gründen ausfiel. Damals gab es schon Leute, die mir sagten, ich könnte später Gemeindeammann von Turgi werden, aber ich konnte mir das überhaupt nicht vorstellen.

Dennoch wurden Sie letztes Jahr zum Gemeindeammann gewählt – wie haben Sie ihre erste Sitzung als Chef des Gemeinderats geleitet?

Ich war vor der Sitzung ziemlich nervös, weil ich unbedingt von Anfang an eine gute Diskussionskultur schaffen wollte. An jenem Tag kam ich extra früher ins Gemeindehaus und habe mich auf die Sitzung vorbereitet. Diese verlief dann gut, wir haben im Gremium von Anfang an klare Regeln definiert, wie die Meinungsbildung ablaufen soll.

Haben Sie immer den Respekt Ihrer älteren Kollegen gespürt, oder gab es Situationen, als Sie sich mit den «alten Hasen» unwohl fühlten?

Respekt habe ich immer gespürt, auf jeden Fall gab es keine Sprüche oder Ähnliches zu meinem Alter. Ich sehe mich bei den Gemeinderatssitzungen als Moderator, der für eine gute Atmosphäre sorgt, die Diskussionen strukturiert und gewisse Regeln vorgibt. Dabei darf es ruhig mal ein bisschen emotional und hitzig zugehen, aber es gibt auch klare Leitplanken, die mir wichtig sind. Ich möchte zum Beispiel nicht, dass man sich ständig ins Wort fällt, halte aber auch nichts davon, wenn jemand vor einer Wortmeldung aufstrecken muss, wie früher in der Schule.

Wie sehr hat Ihnen die Erfahrung aus Ihrer Führungsfunktion in der Wirtschaft in der Politik geholfen?

Es gibt durchaus einige Parallelen zwischen Teamsitzungen, die ich in unserer Firma durchführe, und Gemeinderatssitzungen in Turgi. In beiden Fällen geht es darum, innert nützlicher Frist alle relevanten Meinungen anzuhören, diese kontrovers zu diskutieren und zusammenzuführen, bevor wir am Schluss eine Entscheidung fällen, die dann von allen vertreten werden muss.

Sie sind als junger Gemeindeammann eine Ausnahme – was motiviert Sie für diese Tätigkeit?

Der unmittelbare Kontakt mit den Menschen und die Möglichkeit, auf lokaler Ebene etwas zu bewegen. Wenn man ein Anliegen der Bevölkerung aufnehmen oder ein Problem lösen kann, gibt einem das eine grosse Befriedigung.

Dennoch interessieren sich Jugendliche kaum für Politik, die Jugendsession hatte nur zehn Teilnehmer.

Ich war zwar Mitglied der Jungfreisinnigen Aargau, habe aber nie an einer Jugendsession teilgenommen. Aber ich glaube, gerade junge, erfolgreiche Politiker wie Sebastian Kurz können Motivation sein, sich zu engagieren.

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