Porträt

Jürgen Sahli gab zu allem «de Sänf dezue» – nun geht der langjährige Radio-Argovia-Chef in Pension

Freut sich auf das Rentner-Dasein: Jürgen Sahli, der zum Tagesthema im Radio stets «de Sänf dezue» gab.

Freut sich auf das Rentner-Dasein: Jürgen Sahli, der zum Tagesthema im Radio stets «de Sänf dezue» gab.

Jürgen Sahli, ein «Urgestein» von Radio Argovia, geht am Donnerstag nach 27 Jahren beim Sender in Pension. Zum Radio kam er über Umwege: Erst arbeitete er bei der Bank, dann als Redaktor beim «Aargauer Volksblatt».

Vor 30 Jahren waren wir Konkurrenten: Er schrieb fürs «Aargauer Volksblatt», ich fürs «Badener Tagblatt». Das spornte an, war beflügelnd. Redaktion und Druckerei vom katholischen Blatt waren schräg gegenüber – nur ein paar Schritte vom BT-Hochhaus entfernt – und wir Journalistinnen und Journalisten lebten nicht nur kollegial im Frieden, wir waren auch freundschaftlich verbunden. Nun tritt mit Jürgen Sahli einer von damals in den Rentner-Club ein.

Das Schwelgen in Erinnerungen mit Jürgen mündet rasch in die vergangenen Badenfahrten: «Weisch no, das AV hatte doch mal eine Beiz rund um Asterix und Obelix! Ja und das BTBistro war doch mal mehrstöckig in einem der Bögen unter der Hochbrücke aufgebaut …» Halt – es geht jetzt nicht ums Festen, sondern um Jürgen Sahli, der, so scheint mir, eigentlich heute noch genau so aussieht wie vor 30 Jahren.

Vom AV zu Argovia

In Wettingen aufgewachsen, hatte er in Zürich eine Banklehre bei der Credit Suisse gemacht. In der Freizeit spielte er Handball beim Satus Wettingen und lieferte Spielberichte ans AV und ans BT. «Verfasst natürlich auf der Schreibmaschine, einfach mit einem Kohlepapier zwischen zwei Blättern.»

Radio Argovia-Legende hinterlässt Senfspur

Radio Argovia-Legende hinterlässt Senfspur

Nach 27 Jahren geht der Radio-Argovia-Chef Jürgen Sahli in Pension. Jahrelang gab er täglich seinen Senf zu den Geschehnissen auf der Welt.

Als 1980 der AV-Regionalredaktor Klaus Streif zum BT wechselte, hat Sahli sich beim AV beworben. «Beim Gespräch war die erste Frage von Verleger Alois Barmett, ob ich katholisch sei. Obwohl ich verneinte und ohne journalistische Erfahrung war, wurde ich eingestellt.»

Jürgen Sahli, porträtiert in den Räumen von Radio Argovia in Aarau.

Jürgen Sahli, porträtiert in den Räumen von Radio Argovia in Aarau.

Zehn Jahre war Sahli schreibender Journalist – dann wurde er sprechender. An einer Gewerbeausstellung hatte ihm der damalige BT-Verlagsleiter Christian Stärkle von seinen Plänen für ein Aargauer Radio erzählt. «In der allerersten Sendung von Radio Argovia habe ich morgens um 4 Uhr die allerersten Nachrichten gelesen.»

Das war am 1. Mai 1990. Heute, 27 Jahre später, strahlt Jürgen Sahli bei dieser Reminiszenz übers ganze Gesicht: «Ich habe den Entscheid nie bereut, habe keine Minute der Arbeit bei der Zeitung nachgetrauert. Die Arbeit beim Radio ist so spannend und interessant.» Schon sehr bald war Sahli Redaktionsleiter geworden und bis vor Jahresfrist geblieben.

12 Stunden am Stück

Zu Beginn war das Studio im Neumarkt Brugg untergebracht, später in Brugg in den Steiger umgezogen. Seit 2005 an der Bahnhofstrasse in Aarau das AZ-Medienhaus eröffnet worden war, sind Studio und Redaktion dort daheim. «Gesendet wurde von Anfang an von 4 Uhr morgens bis Mitternacht. Die Moderatoren und Redaktoren waren zwar in Schichten eingeteilt, doch daran hat sich niemand gehalten. Wir hatten das Feuer des Pioniergeistes in uns, waren so begeistert vom Job, dass es normal war, wenn man 12 Stunden am Stück gearbeitet hat.» Inzwischen habe sich das geändert, sei «Normalität» eingekehrt. Die Zeit und damit der Wandel im Bereich Arbeitsauffassung ist auch am Argovia nicht spurlos vorbeigegangen.

Wie steht es mit den Hörer-Reaktionen? «Was die Dialekte der Moderatoren und Redaktoren betrifft, so kommt Baseldytsch gar nicht gut an. Und wenn inhaltlich ein Fehler gemacht wird, kann man kaum bis zehn zählen und schon haben wir den ersten schimpfenden Hörer am Draht. Wenn eine Sendung besonders gut ist, herrscht allerdings Stillschweigen», schmunzelt Sahli, der nun bereits als 64-Jähriger in Pension geht.

Segeln und golfen

Am kommenden Donnerstag klingelt zum letzten Mal Sahlis Wecker daheim in Tennwil. Seit elf Jahren ist er Mieter eines kleinen Hauses nahe vom «Arbeiterstrandbad». An den Hallwilersee hatte es ihn schon als Jugendlicher oft gezogen; vor allem die Segelboote hatten es ihm angetan. «Mit 20 habe ich mir eine Jolle gekauft, die einfach aus dem Wasser gezogen werden konnte. Dann habe ich 15 Jahre auf einen Bootsplatz gewartet und vor 12 Jahren hat es geklappt.»

Inzwischen hatte Sahli den Hochsee-Segelschein erworben und ist längst Besitzer eines stattlichen Segelbootes. «Seit zehn Jahren spiele ich nun auch mit Begeisterung Golf, habe inzwischen Handicap 24,9 von heute 54.»

Letztes Jahr hatte er das Pensum beim Radio bereits auf 60 Prozent reduziert. Bald gilt es nun ernst mit dem Ruhestand. «Ich habe beim Argovia 27 super Jahre erlebt, doch jetzt freue ich mich auf mein Rentner-Dasein. Das Schlimmste daran ist ja, dass ich jetzt keine Ferien mehr habe», schliesst Jürgen Sahli mit zwei lachenden Augen.

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