Fabian Egloff steht in der Faserpelzjacke vor dem Magazin der Stützpunktfeuerwehr Baden. In seinem Gesicht eine Mischung aus Freude und Stolz. An einem anderen Abend würde er den Jugendlichen selber zeigen, wie das mit dem Wassertransport funktioniert. Aber weil heute die Zeitung da ist, hat der Leiter der Jugendfeuerwehr Baden die Instruktion an andere Gruppenführer delegiert. Neben uns rennen Buben und Mädchen, zwischen 12- und 18-jährig, mit Schläuchen um das Tanklöschfahrzeug TLF 2. Im Programm steht für diesen Februarabend: «Brandbekämpfung. Bedienung Hydrant / Leitungsbau / Bedienung Hohlstrahlrohr».

Die jungen Feuerwehrleute im Einsatz.

Die jungen Feuerwehrleute im Einsatz.

«Fang i mal mit däm aa»

Zwei mobile Scheinwerfer beleuchten den Platz vor dem Magazin im Dättwiler Industriequartier. Der Motor des TLF 2 läuft, drei Schläuche sind angeschlossen. In Zweiertrupps stehen die Jungen bereit, auf Kommando von Leutnant Fabian Rüdele schiesst Wasser gegen eine Allee. Egloff muss laut sprechen: «Die Schläuche dürfen nicht verdreht sein. Sehen Sie: In der Mitte haben sie ein wenig in Gheu. Genau darum geht es: das in Ruhe zu üben. Damit man es kann, wenn es schnell gehen muss.»

Die Jugendfeuerwehr trainiert mit dem gleichen Gerät den gleichen Übungsstoff «wie die Grossen»: Nebst Brandbekämpfung und Leitungsbau wie heute werden Gebäude entraucht und Figuranten gerettet. Nur das schwere hydraulische Gerät, das zum Aufschneiden von Autos benutzt wird, kommt noch nicht zum Einsatz: «Wir schauen es aber an.» Genau das sei er Grund, warum die meisten gerne kämen: «Man darf alles in die Hand nehmen und ausprobieren.» Der zweite Antrieb: erbliche Vorbelastung. Borna Budic, 16, Wettingen, rollt gerade mit Tabea Zimmermann, 16, Dättwil, einen Schlauch zusammen. Borna sagt: «Mein Onkel ist in der Feuerwehr. Er sagte: Cunnsch mol go verbiiluege.» Er habe das schon immer gewollt: Militär, Polizei, Spezialeinheit. «Da hani dänkt, fang i mal mit däm aa.» Bei Tabea war es der Papi. «Ich war von klein auf immer hier, durfte in den Autos mitfahren, das war cool. Mit 12 bin ich sofort eingetreten.» Später könnten sie so besser helfen: «Sind wir 18, können wir schneller loslegen, als wenn wir erst noch alles neu lernen müssten.»

Jugendfeuerwehr-Land Aargau

Seit zwei Jahren leitet Egloff, 27, die Jugendfeuerwehr. Der Prüftechniker ist 40 Abende im Jahr für die Feuerwehr engagiert. Für ihn sei das hier doppelt sinnvoll: «Ich helfe, Nachwuchs zu generieren. Und ich muss mich immer wieder fragen, wie ich die Grundlagen, die ich selber einst gelernt habe, den Jungen verständlich und spannend beibringe. Das ist gut für den Kopf.» Gegründet wurde die Nachwuchsmannschaft 1990, als Allererste im Kanton. Darauf wurde der Aargau das Jugendfeuerwehr-Land: Mit 15 Einheiten gibt es so viele wie sonst in keinem Kanton. Laut Jahresbericht 2016 des Aargauischen Feuerwehrverbandes überlegen sich vier Korps, eine zu gründen. Der Verband fördert das, finanziell und mit Workshops. Er weiss: Die Nachwuchssuche wird immer schwieriger.

Jene, die im Januar frisch begonnen haben, legen an einer Seite des Depots eine Druckleitung. Die Anschlüsse aus Metall klappern, die gezogenen Schläuche rauschen über den Asphalt. Vor dem ersten Einsatz hatten die Novizen Reglemente zum Selbststudium erhalten. Egloff sagt: «Ich bin manchmal erstaunt, wenn sie schon am ersten Abend wortwörtlich Bescheid wissen.» Es sei «wirklich cool», wenn man später mit solchen Leuten in den Einsatz könne. Paradebeispiel ist der heutige Vizekommandant der Feuerwehr Baden: Auch er begann einst in der Jugendfeuerwehr.

Gelernt ist gelernt

Der Instruktor ruft: «Die Unterstützung hilft dem Rohrführer! Sauberen Schlauchvorrat machen! Me machids grad no einisch!» Die Gruppe hat hörbar Spass. «Aber», sagt Egloff, «es braucht eine deutliche Kommandosprache.» Es sei wichtig, dass man sich daran gewöhne. Drill ist für ihn nichts Negatives: «Lerneffekt durch Wiederholung. Wir wollen aber, dass sie es gerne machen.» Und das tun sie. Die Quote derer, die 18-jährig in die Feuerwehr übertreten, beträgt praktisch 100 Prozent. Dafür gehört auch alles andere, was die Grossen haben, dazu: offizielle Kleidung, Helm, Stiefel, persönlicher Spind. Während die Erwachsenen ihr Können bei Ernsteinsätzen beweisen, dürfen die Jungen nicht bei Alarm ausrücken. Stattdessen gibt es Wettkämpfe, in denen man sich mit anderen Jugendfeuerwehren misst.

«Gut, ihr könnt Druck ablassen! Alles abbauen!» Etwas vom Wichtigsten ist das Aufräumen. Fabian Egloff sagt, es sei zwar mühsam, müde einen Schlauch sauber aufzurollen. «Aber es gibt nichts Mühsameres, als wenn im Einsatz vorne kein Wasser rauskommt, weil der Schlauch nicht sauber versorgt worden war.» Gelernt ist eben gelernt.