Er hat alle überrascht. Nicht wegen der guten Punktzahl, sondern wegen seines Alters. Ruben Carlin, 27 Jahre alt, hat im Einzelschieber in drei Passen à zwölf Spiele 3236 Punkte geholt und damit die anderen Jasserinnen und Jasser hinter sich gelassen. Sein zugeloster Partner sagte nach der ersten Spielrunde nicht ohne Erstaunen: «Es ist gut gelaufen. Ich hatte einen guten Partner. Obwohl er jung war.»

Jassen und jung sein, beziehungsweise gut jassen und jung sein, das scheint in den Augen vieler Ausnahme statt Regel zu sein. Auch am Freitagabend in Remigen, wo auf dem Weingut der Familie Hartmann um den Einzug ins Finale des AZ-Jasskönigs gespielt wurde, dominierte die Haarfarbe grau oder grau-meliert.

Bevor die Karten an diesem Abend zum ersten Mal gemischt werden, führt Bruno Hartmann durch seinen Weinkeller. Er zeigt die Abfüllanlage, die Chromstahl- und Holzfässer und erklärt, wie der naturnahe Rebbau nach den Vinatura-Richtli-nien funktioniert und wie laufend kontrolliert wird. Wie bereits am ersten AZ-Jasskönig dieses Jahr zeigte sich auch am Freitagabend wieder, wie gut Wein und Jassen gut zusammenpassen. «Es ist halt beides ein gesellschaftliches Moment», stellt Bruno Hartmann fest und reicht seinen Gästen ein Glas seines Sauvignon blanc. «Auf einen guten Abend!»

Profis treffen auf Pläuschler

Während den Spielen ist es ruhig im Saal. Zumindest am Anfang wird kaum gesprochen. Karten werden gemischt, verteilt, sortiert. Einer notiert nach jedem Spiel die Punktzahl auf dem offiziellen Zettel. An einigen Tischen ist es als Zuschauerin schwer, überhaupt zu folgen, so schnell landen die Karten auf dem grünen Teppich. Unter den Jassern sind Routinierte, Ambitionierte, ja sogar Profis. Nach der zweiten Runde fragte eine Jasserin die Organisatoren etwas irritiert: «Das ist schon ein Plauschturnier, oder?» – «Warum?» – «Da ist einer am Tisch, der jasst unglaublich schnell.»

Sie hätte sich am Tisch von Alt-Ständerätin Christine Egerszegi wahrscheinlich wohler gefühlt. Hier wird nicht nur gespielt, sondern auch miteinander gesprochen. Egerszegi erzählt, sie jasse vor allem mit ihren drei Enkelkindern. Ihr Mitspieler erinnert sich, wie er das Jassen gelernt hat: «In der Beiz der Eltern, in der ich praktisch aufgewachsen bin.»

Der Geräuschpegel gibt Auskunft, wenn eine Passe langsam zu Ende geht. «Pscht!! Sind echli ruhig. Es send noni alli fertig», muss Turnierleiter Kurt Röllin die Jasserinnen und Jasser mehrmals ermahnen. Er will den Geräuschpegel auch wegen des Zeitplans tief halten. «Vor allem de wo get, sött ned rede.» Immerhin gibt es für Röllin kaum Konflikte zu lösen. Er stellt fest, dass nicht überall «gfarbet» wird. «Aber das Schöne an solchen Plausch-Turnieren ist, dass sich die Spieler meistens selber einigen können, wenn es ein Problem gibt.» Sogar ein Skandal am Tisch 2 kann friedlich gelöst werden. «Jetz cha mer eh nüt meh mache.» Und weiter gehts.

Der letzte Bus beendet den Abend

Vor der letzten Passe steigt noch einmal die Nervosität. Auch beim amtierenden Jasskönig, der an diesem Abend mitjasst, geht es um alles oder nichts. Er hatte eine gute und eine weniger gute Runde. Die Jungjasser sind derweil gelassener: «Ruben läuft es ziemlich gut, der gewinnt», sagt einer und füllt die Weingläser.

Vor der Siegerehrung serviert die Apéro Chuchi Freiamt das Dessert. Bei Beerentraum und Linzerkuchen macht sogar das Warten Spass. Kurz vor 22 Uhr gibt Roman Würsch, Chef vom Dienst bei den AZ Medien, dann die Gewinner bekannt. Jasskönig Thomas Hollinger kann aufatmen. Er schafft es mit 3044 Punkten auf den zehnten Platz. Und noch bevor Würsch den Sieger des Abends verkünden kann, rufen seine Kollegen schon «Ruben! Ruben!» durch den Saal. Dann geht alles schnell. Der letzte Bus in Remigen fährt um 22.10 Uhr. Es reicht Ruben Carlin gerade noch aufs Siegerbild, dann muss er los.