Immobilien

Kampf gegen Geisterquartiere: Neubauten verbieten, wenn Wohnungen leer stehen?

Im Kanton Aargau stehen über 7000 Wohnungen leer. Nach unserer Reportage aus dem Geisterquartier in Staufen kritisieren Politiker die «überbordende Bautätigkeit» und fordern Gegenmassnahmen.

Gross, grün und prächtig. Mit diesen Worten wird die Parkanlage am Pfalzweg in Staufen auf der Website des Neubauprojekts beschrieben. In dieser Umgebung stehen sechs Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 51 modernen Wohnungen. Sie sind seit diesem Oktober bezugsbereit, doch erst zu einem kleinen Teil bewohnt.

Der Staufner Pfalzpark ist eine von vielen Überbauungen, die in den letzten Jahren entstanden sind. Das wachsende Angebot spiegelt sich auch in der Zahl der leerstehenden Wohnungen wider. Über 7000 sind es im Aargau; die Leerwohnungsziffer im Kanton ist mit 2,34 Prozent so hoch wie seit 1998 nicht mehr. Eine Entwicklung, die auch Aargauer Politikern nicht entgangen ist. Die Fraktion der Grünen hat im Grossen Rat gemeinsam mit Barbara Portmann-Müller (GLP) und Martin Brügger (SP) zur «überbordenden Bautätigkeit» eine Interpellation eingereicht.

«Vielerorts im Aargau wird ohne Rücksicht auf die Nachfrage neuer Wohnraum gebaut, der dann oft leersteht», kritisieren die Grossräte. Die Investitionen erfolgten zuweilen ohne zureichende siedlungs- und verkehrsplanerische Integration. Reinach Nord, Widen, Lenzburg Nord, Staufen werden als Beispiele aufgeführt.

Die Interpellanten warnen vor dem Risiko von Geisterquartieren und Ghettobildung. Selbst bei wirtschaftlichem Versagen blieben die Bauten stehen, der angerichtete Schaden an den natürlichen Ressourcen könne nicht mittels Konkursverfahren aus der Welt geschafft werden, heisst es im Vorstoss weiter.

Was tun gegen eine Blase?

Vom Regierungsrat wollen die Grossratsmitglieder wissen, wie Blasenbildungen und Marktversagen im Immobiliensektor bekämpft werden und welche Massnahmen der Kanton darüber hinaus ergreifen könnte.

Einen Vorschlag liefern die Verfasser der Interpellation gleich selbst nach und erkundigen sich bei der Regierung nach deren Einschätzung: «Liegt in einer Zonenart gemeindeweit ein Leerbestand von mehr als zum Beispiel drei Prozent vor, so dürfen keine Neubauten mehr bewilligt werden.» Ausnahmen wären demnach vorgesehen, wenn die Eigennutzung durch den Bauherren bei mindestens 50 Prozent liegt oder bestehende Bauten umgebaut oder erneuert werden.

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