Der Kanton Aargau beschäftigt rund 5000 Mitarbeitende auf der Verwaltung, dazu rund 11 000 Lehrerinnen und Lehrer. Für diese gilt, was andernorts längst überholt sei, findet FDP-Grossrätin Sabina Freiermuth. «Das geltende Arbeitsgesetz basiert auf Realitäten, welche die Arbeitswelt im Industriezeitalter darstellt», hält sie in einem Vorstoss fest. Feste Arbeitszeiten am Arbeitsort seien nicht mehr zeitgemäss.

Dank digitaler Hilfsmittel werde Arbeit heute anders gestaltet, zuweilen zu Hause erledigt, oder anstatt am Freitag am Sonntag. Auch familiäre Situationen verlangten eine gewisse Flexibilität, wenn beispielsweise Kinder beizeiten in die Krippe gebracht oder von dort wieder abgeholt werden müssten.

«Ein moderner Kanton zeigt sich offen gegenüber neuen Arbeitsformen und Technologien», so Freiermuth. Sie fordert eine Übersicht der Chancen und Herausforderungen von modernen Arbeitsformen beim Arbeitgeber Kanton Aargau. Insbesondere zu beleuchten sei die aktuelle Situation hinsichtlich flexibler Arbeitsformen.

Freiermuth verlangt eine Übersicht, wie viele Arbeitnehmende gegenwärtig Angebote wie Home Office nutzen, sowie eine Einschätzung der Chancen und Herausforderungen für den Kanton hinsichtlich dezentraler Erbringung von Arbeit. Zudem sollen die Grenzen aufgezeigt werden, welche sich aus der gegenwärtigen Gesetzgebung ergeben.

Freiermuth geht es dabei nicht nur um die Arbeitnehmer, sondern auch um die Kosten. Diese könnten reduziert werden, wenn Arbeitsausfälle durch Verkehrsstaus auf dem Arbeitsweg oder Probleme beim öffentlichen Verkehr wegfielen.

Zudem wirkten sich die neuen Arbeitsformen direkt auf die Immobilienstrategie des Kantons aus, beispielsweise durch Teilen von Schreibtischen oder indem vorhandene Büroräumlichkeiten als Gemeinschaftsarbeitsräume flexibler genutzt würden. Auch dies würde Effizienzgewinne mit sich bringen, so die Grossrätin.

Gesetzliche Grundlagen fehlen

Noch würden die Möglichkeiten, die sich aus der digitalen Arbeitswelt ergeben, zuwenig ausgeschöpft. Dies, weil die Betriebe die neuen Instrumente noch nicht oder zu wenig einsetzten, aber auch, weil die gesetzlichen Grundlagen noch nicht gegeben sind.

Der Vorstoss von Sabina Freiermuth unterstreicht eine Parlamentarische Initiative des Aargauer FDP-Nationalrats Thierry Burkart. Diese fordert, dass für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer die Flexibilität in der Arbeitszeiteinteilung bei gleichbleibender Arbeitszeit erhöht wird. Die nationalrätliche Kommission für Wirtschaft und Abgaben hat der Initiative vor einem Jahr zugestimmt. (eva)