Flüchtlinge
Kanton hat 92 von 100 Ikea-Häuschen wieder verkauft – den Rest will er aber nutzen

Die «Shelters» gingen zurück an den Hersteller – acht der Häuschen sollen aber als Unterstände oder Materiallager weiterhin genutzt werden.

Fabian Hägler
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IKEA-Häuser für Flüchtlinge
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Regierungsrätin Susanne Hochuli und Andreas Flückiger, Leiter Abteilung Militär und Bevölkerungsschutz, Ende Oktober 2015 in einem IKEA-Shelter.
So sehen die IKEA-Häuser im Innern aus.
Ein IKEA-Haus von Aussen.

IKEA-Häuser für Flüchtlinge

Alex Spichale

Vor einem Jahr präsentierte Susanne Hochuli die «Shelters for Refugees» als optimale Lösung, um kurzfristig Flüchtlinge unterzubringen. Die sogenannten Ikea-Häuschen, von der Stiftung des schwedischen Möbelhauses entwickelt, seien günstig, rasch montiert und könnten in Hallen aufgestellt werden, um schnell Asylplätze zu schaffen. 200 dieser Shelters bestellte der Kanton damals, 60 davon sollten im geplanten «Flüchtlingsdorf» im früheren A3-Werkhof in Frick aufgestellt werden.

Kurz vor Weihnachten musste der Kanton die Pläne begraben: Ein Praxistest der Zürcher Gebäudeversicherung ergab, dass die Ikea-Häuschen nicht brandsicher sind. Das Sozialdepartement verzichtete auf den Einsatz der Shelters, von denen schon 100 Stück geliefert worden waren. Balz Bruder, damals Sprecher von Susanne Hochuli, kündigte an, die Häuschen würden künftig im Freien genutzt. «Sie können nicht nur für Flüchtlinge dienen, sondern auch als Notunterkünfte in einem Katastrophenfall wie einem Erdbeben.»

Nun zeigt eine Nachfrage der az: Der Kanton hat offenbar keine Verwendung für die Häuschen. Daniela Diener, Sprecherin im Sozialdepartement, sagt: «Der Kanton Aargau hat noch acht Shelters. Die restlichen der ursprünglich 100 gelieferten Häuschen konnten zurückgegeben werden, die Kosten für diese Shelters wurden vollumfänglich zurückerstattet.» Diese liegen bei den 92 zurückgegebenen Shelters bei gut 110 000 Franken. Mit seinem Vorgehen ist der Aargau nicht allein: Wie das SRF-Regionaljournal berichtet, hat auch der Kanton Zürich seine Shelters dem Hersteller zurückverkauft.

100 schon früher abbestellt

Statt der ursprünglich bestellten 200 Stück hat der Aargau heute also noch acht Ikea-Häuschen. Geliefert wurden ohnehin nur 100, die zweite Tranche hat der Kanton nach dem negativen Brandtest in Zürich abbestellt. Daniela Diener sagt, zwei Shelters seien zu Testzwecken mit Asylsuchenden im Freien vor einer Unterkunft aufgebaut worden. «Zwei wurden vom Zivilschutzausbildungszentrum getestet, zwei weitere zwei anlässlich der Bevölkerungsschutzkonferenz 2015 im Campus Windisch zu Ausstellungszwecken aufgebaut.» Die übrigen Shelters wurden vor der Rückgabe nicht eingesetzt. Die acht Shelters, die der Kanton noch besitzt, sollen laut Diener «als mobile Materiallager oder als Unterstände im Freien benutzt werden, aber nicht zur Unterbringung von Personen».

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