Siegerprojekt

Kantonsspital Aarau: Die Mängelliste des Neubaus beinhaltet noch 500 Punkte

Sergio Baumann erklärt anhand der Pläne, welche Gründe für das Siegerprojekt sprechen.

Auch beim Siegerprojekt ist noch nicht alles, wie es sein sollte. Die Verhandlungen laufen. Beim KSA ist man optimistisch.

Der Sieger für den Spitalneubau steht zwar fest, der Vertrag mit dem Totalunternehmen ist aber noch nicht unterschrieben. Die Jury hat dem Verwaltungsrat empfohlen, gewisse gestalterische und technische Bereinigungsvorschläge vor Vertragsunterzeichnung mit dem Totalunternehmen abzustimmen und als verbindliche Grundlage zur Projektüberarbeitung festzuschreiben.  

Im Bericht werden einige Mängel angesprochen. So ist der Platz, der für die Aufbereitung der Spitalbetten zur Verfügung steht, zu klein.Kritisch werden auch die langen Erschliessungskorridore ohne Tageslicht beurteilt. Diese würden die Orientierung erschweren.

Alle Mängel und Defizite hat das Preisgericht in einer Stichwortliste zusammengefasst. Die Liste ist lang. Sie umfasse 500 Punkte, sagt Sergio Baumann, Leiter Betrieb und Mitglied der KSA-Geschäftsleitung. Das Kantonsspital will die Liste nicht veröffentlichen. Es handle sich um ein «nicht offizielles Arbeitspapier», das dem Totalunternehmen als Arbeitsgrundlage diene, um das definitive Bauprojekt auszuarbeiten.

Bauherr und Totalunternehmer müssen sich also einig werden. Vor allem über den Preis wird diskutiert. Der Verwaltungsrat habe klare Vorstellungen, sagt Baumann. Der Vertrag werde dann unterschrieben, wenn er den Preis dorthin bringe, wo ihn der Verwaltungsrat haben wolle. Baumann ist zuversichtlich, dass das gelingt. Was, wenn nicht? Zurück zu einem der beiden unterlegenen Projekte könne man nicht. Das heisst: «Im allerschlimmsten Fall müssten wir neu ausschreiben», sagt Baumann. «Das überstehen wir aber nicht.» Die jetzige Infrastruktur müsse dringend erneuert werden.

Baugesuch noch dieses Jahr?

Das Bauareal sei Ende September geräumt. Die Idee sei, dass das Gelände danach möglichst schnell dem Totalunternehmer übergeben werde, damit dieser anfangen kann. Baumann sagt, wenn alles optimal laufe, liege der definitive Preis Anfang Oktober auf dem Tisch. Danach würde das Baugesuch eingereicht.

Aber zurück zu den Kosten: Im Vergleichspreis, also den 619 Millionen Franken, ist die Medizinaltechnik noch nicht eingerechnet. Das KSA rechnet dafür mit zusätzlichen 100 Millionen Franken. Die Kosten müssen also noch runter, will man sich dem ursprünglichen Kostendach von 600 Millionen Franken für Neubau und Medizinaltechnik annähern. Wie soll das gehen? Baumann erklärt, der Vergleichspreis umfasse alle Optionen. «Es geht nun darum, zu überlegen, welche weggelassen werden können.»

Sergio Baumann erklärt anhand der Pläne, welche Gründe für das Siegerprojekt sprechen.

     

Er macht ein Beispiel: Bei der Belüftung würden hohe Standards gelten. Vor allem im Operationstrakt und auf den Intensivstationen. Das Siegerprojekt trenne den ambulanten und stationären Teil strikt. «Es stellt sich deshalb die Frage, ob es im Ambulatorium die gleich hohen Standards braucht oder ob hier gespart werden könnte.»

Warum hat das KSA überhaupt ein Projekt zugelassen, welches das Kostendach so massiv überschreitet? Oder anders gefragt: Warum ein Kostendach vorschreiben, wenn es danach nicht eingehalten wird? Höhere Kosten seien kein Ausschlusskriterium, sagt Baumann. «Wer mit einem 600-Millionen-Franken-Projekt ins Rennen geht, muss aber gute Argumente haben.»

Das Siegerteam habe wohl die Strategie verfolgt, mit der Qualität der Lösung zu überzeugen, welche im Wettbewerb gleich hoch gewichtet worden ist. Baumann räumt ein, dass es im Nachhinein vielleicht besser gewesen wäre, keine harte Preisansage zu machen. Bei den Kosten sei der politische Druck auf den Verwaltungsrat aber hoch gewesen.

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