Kommentar

Kinderlärm-Streit in Buchs: Toleranz ist keine Einbahnstrasse

Vor kurzem waren es laute «Auto­poser», die für Schlagzeilen sorgten. Und jetzt streitet man sich in der Buchser Rösslimatte um kreischende Kinder und nächtliche Balkonpartys.

Die Coronakrise hat das Nervenkostüm bei vielen dünn werden lassen

Und dass wir diesen Sommer hauptsächlich «ums Huus ume» verbringen müssen, macht uns empfindlicher für Störungen. Klar: Irgendwo muss man sich ja erholen, wenn der Malediven- strand nicht erreichbar ist.

Gleich­zeitig sind Familien mit Kindern dringend darauf angewiesen, dass sich diese draussen austoben können. Und abends holt man sich jetzt, wo einem das Ausgehen in grossen Gruppen nicht geheuer ist, eher mal ein paar Freunde fürs Grillieren auf den Balkon.

Das muss drin liegen.

Wer immer absolute Ruhe will, zieht besser nicht in eine Überbauung, die als familienfreundlich angepriesen wird – oder überhaupt in ein urbanes Gebiet. Das ist allerdings kein Freipass für Kinder und Jugendliche: Es ist zumutbar, über Mittag und am Abend die Spiel-Lautstärke auf ein allgemeinverträgliches Mass herunterzufahren. Auch im Familienquartier.

An der Nase nehmen müssen sich aber vor allem die Erwach- senen. Sie haben eine Vorbildfunktion. Wer ständig bis in alle Nacht auf dem Balkon feiert oder mit einem lapidaren «es sind halt Kinder» auf das Befinden Anderer pfeift, vermittelt dem Nachwuchs, dass Toleranz eine Einbahnstrasse ist, bei der nur die andere Seite zurückstecken muss.

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