Alltag im Aargau

Kita in Bremgarten: Corona wird den Kleinen mit Glitzer erklärt

Bremgarten: Corona-Alltag in der Kita

Kita-Geschäftsleiterin Stefanie Meyer meldet sich per Video aus Laax – absichtlich "weit weg vom Geschehen".

In der Bremgarter Kita Fruchtzwerg von Stefanie Meyer ist jeder Tag ein organisatorisches Abenteuer.

Der Alltag in Kindertagesstätten muss derzeit von Tag zu Tag neu betrachtet werden. Das spürt auch Stefanie Meyer, 34, die vor neun Jahren die Kita Fruchtzwerg in Bremgarten gegründet hat. Mittlerweile hat sie 14 Mitarbeiterinnen, die vor der Corona-Krise wöchentlich 52 Kinder in zwei bis vier Gruppen versorgten. «Die meisten Eltern behalten ihre Kinder nun daheim», sagt sie. «Darum haben wir sie auch gebeten, zumindest dort, wo es geht.»

Um die Vorschriften des Bundes einzuhalten, versuchen sie, nur noch vier Kinder pro Gruppe einzuteilen. «Es wird darauf geachtet, dass sie Abstand halten, auch beim Spielen, und sich immer gut die Hände waschen.» Mitarbeiterinnen, die zur Risikogruppe zählen, bleiben daheim.

Mit Glitzer wird die Ansteckung simuliert

«Die kleinen Kinder verstehen natürlich gar nicht, warum es plötzlich all die Änderungen gegeben hat. Wir versuchen, ihren Alltag möglichst wie immer zu gestalten.» Manche Eltern bringen ihre Kinder nun an anderen Tagen als sonst. Damit sie dennoch ihre gewohnten Bezugspersonen um sich haben, sei die Kitaleiterin organisatorisch sehr gefordert, so Meyer. Auch die Spielsachen werden viel häufiger gewaschen und desinfiziert.

Bei den grösseren Kindern ist das Thema Corona längst angekommen. «Wir versuchen, ihnen mit Spielen und Büchern zu erklären, warum sie sich beispielsweise die Hände mit Seife waschen müssen.» Ein Kind darf sich blauen Glitzer auf die Hand streichen, das andere roten. «Der rote Glitzer steht dann beispielsweise für Husten, der blaue für Durchfall», erklärt Meyer. Dann darf eines der Kinder ein Spielzeug anfassen, sodass es von rotem Glitzer bedeckt ist. «Fasst das andere Kind das Spielzeug an, ist nicht nur das Spielzeug von zweierlei Glitzer voll, sondern auch die Hand des Kindes. Mit Wasser geht der Glitzer nicht ab, sondern erst mit Seife und gründlichem Waschen. So versuchen wir, den Kleinen zu zeigen, wie das mit der Ansteckung funktioniert.»

Bilder und Lieder für Daheimgebliebene

«Für jene Kita-Gspändli und Mitarbeiterinnen, die nicht in die Kita kommen können, basteln die Kinder kleine Geschenke, malen etwas oder singen ein Lied, das vor allem den Mitarbeiterinnen per Whatsapp geschickt wird. So haben sie trotz allem Kontakt miteinander», sagt Meyer, die seit 13 Jahren in Bremgarten lebt und selbst eine Tochter hat.

Stefanie Meyer ist wichtig: «Für Eltern aus dem medizi­nischen Bereich, die nicht wissen, wo sie ihre Kinder unterbringen können, stellen wir zwei Kita-Plätze zur Verfügung. So können vielleicht auch wir unseren Teil zur schnellen Abwendung der Krise beitragen.»

Das Corona-Virus betrifft uns alle irgendwie. Die AZ beleuchtet in einer täglichen Serie den Alltag unterschiedlicher Menschen aus dem Aargau. Alle Texte finden Sie online auf www.aargauerzeitung.ch

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