Der Präsident des Kaufmännischen Verbands Aargau Ost, Alessio Mair, hat Anfang Mai dicke Post bekommen. In einem von den Grossrätinnen Maja Riniker (FDP) und Maya Meier (SVP) verfassten offenen Brief äusserten nicht weniger als 23 Parlamentsmitglieder mit KV-Abschluss aus SVP, FDP und CVP ihren Unmut über die jüngste Ausgabe der Verbandszeitschrift.

Sie beschwerten sich unter anderem, dass Gewerkschaftspräsident und SP-Grossrat Florian Vock in einem Artikel «zur stärksten Waffe aufruft – zum Streik». Die unterzeichnenden Grossrätinnen und Grossräte distanzierten sich von dieser Haltung. Sie zeigten sich auch erstaunt, dass zur nationalen AHV-Steuervorlage (über die am 19. Mai abgestimmt wurde) ein kritischer Meinungsbeitrag von ArbeitAargau-Präsidentin Irène Kälin zu lesen war, derweil der nationale Dachverband die Ja-Parole beschlossen hatte.

Jetzt liegt die Antwort des Verbandes vor. Präsident Alessio Mair hält fest, nach der Kritik habe der Vorstand entschieden, dass die Berichterstattung zu bestimmten politischen Themen vorangekündigt wird, damit Stellungnahmen von allen Parteien möglich sind. «Somit würden wir uns freuen, wenn auch Sie zu unseren Autoren gehören», schreibt Mair die Unterzeichnenden des offenen Briefes direkt an. Damit sei die Ausgewogenheit in der Berichterstattung gewährleistet, so Mair.

Vorstandsmitglied Michaela Huser (auch bekannt als SVP-Grossrätin) übernimmt neu mit dem Ressort Politik diese Koordination. In Zukunft werde man zudem die Position des Kaufmännischen Verbands Schweiz und der Sektion deutlicher herausstreichen, verspricht Mair. Zum Beitrag von Irène Kälin verweist er darauf, dass die Grünen-Nationalrätin als Präsidentin von ArbeitAargau einen festen Platz in der Zeitschrift habe und dort ihre persönliche Meinung und als Präsidentin vertrete. Der Kaufmännische Verband ist Mitglied von ArbeitAargau, welcher zusammen die Interessen von 30 000 Arbeitnehmenden im Aargau vertritt.

«Brief hat Ziel erreicht»

In einer ersten Reaktion sagt die Mitverfasserin des offenen Briefes, FDP-Grossrätin Maja Riniker, die Verbandsspitze habe schnell und korrekt rea-giert, indem sie den Brief an einer ausserordentlichen Vorstandssitzung besprochen und Massnahmen ergriffen hat. Dass die Arbeitgeberseite künftig in der Zeitschrift nicht wie gefordert denselben Platz bekommt wie Arbeit Aargau, stört Riniker. Aber: «Dass ein Ressort Politik gegründet wurde, und die Berichterstattung zu bestimmten politischen Themen künftig vorangekündigt wird, damit Stellungnahmen aller Parteien möglich sind, ist tipptopp. Unser Brief hat sein Ziel erreicht.»