Kommentar
Eine Finanzspritze für die Aargauer Psychiatrie ist nötig – doch sie löst nicht alle Probleme

5,5 Millionen Franken fordern die Psychiatrischen Dienste Aargau, um die Angebote für Kinder und Jugendliche auszubauen. Die Finanzspritze des Kantons ist nötig – doch es muss auch geklärt werden, warum Fachkräfte den Aargau meiden.

Noemi Lea Landolt
Noemi Lea Landolt
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Im Aargau haben es psychisch kranke Kinder und Jugendliche schwer. Die wenigen Angebote, die es gibt, sind überlastet. Wer nicht als Notfall eingestuft wird, muss mehrere Monate auf einen Therapieplatz warten. Es ist falsch, für die prekäre Situation in der Kinder- und Jugendpsychiatrie alleine die Pandemie beziehungsweise die Massnahmen verantwortlich zu machen.

Mit Corona hat sich die Situation zwar zugespitzt, aber das Problem der Unterversorgung ist längst bekannt. Die Politik hat entweder die Augen verschlossen oder keine mehrheitsfähigen Vorschläge präsentiert. Ausbaden mussten und müssen das die psychisch kranken Kinder und Jugendlichen.

Die Psychiatrischen Dienste Aargau wollen Geld, um ihre Angebote auszubauen. Eine solche Finanzspritze ist überfällig, aber nur ein Anfang. Mit Geld können dringend nötige Angebote geschaffen oder ausgebaut werden. Zürich hat bereits acht Millionen Fran­ken für seine Kinder- und Jugendpsychiatrie bewilligt. Die psychische Gesundheit der Kinder und Jugendlichen sollte auch dem Aargau etwas wert sein.

Allerdings macht kein Geld der Welt psychisch kranke Kinder gesund. Es braucht Fachkräfte. Diese in den Kanton Aargau zu locken, dürfte noch schwieriger sein, als die bürgerliche Mehrheit im Grossen Rat von der Notwendigkeit einer Finanzspritze zu überzeugen. Besser früher als später muss deshalb auch die Frage geklärt werden, warum Fachkräfte den Aargau meiden.

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