Der Kanton Aargau will auf die mögliche Ankunft der afrikanischen Schweinepest vorbereitet sein. Deshalb wird das Departement für Gesundheit und Soziales eine Projektstelle kreieren. Diese soll die Notfallplanung bei hochansteckenden Tierseuchen aktualisieren, wie die Kantonstierärztin Barbara Thür sagt. 

Die Schweinepest gehört, wie die Vogelgrippe oder die Maul- und Klauenseuche, zu den hochansteckenden Tierkrankheiten. Sie breitet sich seit etwa zwei Jahren in Europa aus. Die Seuche hat sich via Georgien und Russland über die osteuropäischen Staaten ausgebreitet. Die ersten Fälle erreichten Tschechien und Rumänien im Sommer/Herbst 2017. Die Afrikanische Schweinepest ist eine schwere Virusinfektion, die ausschliesslich Schweine, also Wild- und Hausschweine, betrifft und für sie tödlich sein kann. Für den Menschen ist sie ungefährlich.

Dennoch könnte ein Ausbruch der Schweinepest unter den Hausschweine grossen finanziellen Schaden anrichten. Die aktuelle Seuche in China machte sogar dem Fleischunternehmen Bell zu schaffen. Die kantonale Projektstelle wird neben dem neuen Handbuch auch die beteiligten Seuchenbekämpfsungsorgane schulen, damit sie im Fall einer Ausbreitung der Seuche im Kanton korrekt reagieren können. Denn die Schweinepest rückt näher: Letztes Jahr wurden in Belgien tote Wildschweine gefunden, die an der Schweinepest verstorben waren. Insgesamt wurden 79 Kadaver eingesammelt. Bisher sind es aber die einzigen Fälle in Westeuropa. Seit Ausbruch der Seuche sind in Europa rund eine halbe Million Hausschweine und Wildschweine daran gestorben.

Wie verbreitet sich Schweinepest?

Grundsätzlich wird die Afrikanische Schweinepest durch direkten Tierkontakt übertragen. Oft sind es Wildschweine, welche die Seuche verbreiten. Das Virus kann aber auch indirekt weiterverbreitet werden: Es überlebt beispielsweise lange in Produkten, die Schweinefleisch enthalten, oder an Kleidung und Fahrzeugen. Genau diese Ausbreitung dank Fahrzeugen und Nahrungsmitteln ist es, die das Virus bis in die Region tragen kann.

Was wird gegen die Seuche unternommen?

Aktuell sind noch keine Fälle von Afrikanischer Schweinepest aus dem direkten Umland bekannt. Doch das kann ganz schnell gehen: «Die Seuche kann von einem Tag auf den anderen da sein» bekräftigte Barbara Thür dem SRF-Regionaljournal.

Vor allem auch, weil im Aargau und den umgebenden Kantonen besonders viele Wildschweine lebten. Hier ist besondere Aufmerksamkeit geboten. Deshalb ist unter anderem geplant, die Jäger und Landwirte speziell zu informieren und die Jäger in die Bekämpfung der Seuche mit einzubeziehen. «Alle tot aufgefundenen Wildschweine werden durch die Jagdaufseher beprobt und im Labor auf Schweinepest untersucht», sagt die Kantonsärztin. 

Das Tierseuchengesetz sieht die möglichst rasche Ausrottung hochansteckender Seuchen als Hauptmassnahme vor. Deshalb ist bei einem Erkranken von Hausschweinen bloss ihre Tötung vorgesehen. «Kranke Tiere dürfen nicht behandelt werden. Eine Impfung gegen die Afrikanische Schweinepest gibt es nicht.» Ist ein Bestand betroffen, müssen alle Schweine dieses Bestandes getötet und die Kadaver entsorgt werden.

Barbara Thür erinnert: «Werden die infizierten Tiere nicht getötet, sterben die Meisten innerhalb kurzer Zeit, dies gilt sowohl für Haus- wie auch Wildschweine.»

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(jod)