Die Krankengeschichte ist etwas sehr Persönliches. Wie es um die eigene Gesundheit steht, soll und muss nicht jeder wissen. Umso mehr müssen Patientinnen und Patienten darauf vertrauen können, dass mit ihren Daten vertraulich umgegangen wird.

Die gesetzlichen Richtlinien für den Datenschutz und die Datensicherheit beim elektronischen Patientendossier (EPD) sind streng und werden regelmässig durch unabhängige Dritte kontrolliert. eHealth Aargau setze die Vorgaben zusammen mit spezialisierten Technologieanbietern um, sagt Geschäftsführer Nicolai Lütschg.

«Der Datenschutz ist zentral. Wenn wir möchten, dass Patientinnen und Patienten das EPD nutzen, ist es wichtig, dass sie uns vertrauen können.» Deshalb findet er es auch richtig, dass jeder selber entscheiden kann, ob er ein EPD möchte oder nicht. «Wir legen offen, dass es Vor- und Nachteile gibt. Am Schluss muss jeder für sich selber eine Risikoanalyse machen.»
Befürworter des EPD argumentieren zum Beispiel mit tieferen Kosten und höherer Behandlungsqualität.

Wird eine Patientin von mehreren Ärzten behandelt, wissen diese dank des Dossiers immer, was der jeweils andere bereits untersucht oder verschrieben hat. So kann beispielsweise verhindert werden, dass der Spezialist erneut ein Röntgenbild macht, obwohl das bereits der Hausarzt gemacht hat, oder ein Medikament verschreibt, das sich mit einem anderen nicht verträgt.

Auch die Patienten selber haben mehr Kontrolle darüber, was die verschiedenen Ärzte tun. Heute müssen sie ihre Patientenakte verlangen, wenn sie einen Arztbericht noch einmal lesen möchten und jedem Arzt von neuem erklären, welche Beschwerden sie plagen.

Unberechtigte Einsicht in das Patientendossier als Risiko

Obwohl die Vorteile auf der Hand liegen und sich die Digitalisierung im Gesundheitswesen kaum aufhalten lässt, gibt es Risiken. Peter E. Fischer, Informatikprofessor an der Hochschule Luzern, warnte kürzlich im Konsumentenmagazin «Saldo», dass das Gesundheitswesen mittlerweile das bevorzugte Ziel von Hackerangriffen sei. Im schlimmsten Fall gerate die gesamte Krankengeschichte an die Öffentlichkeit, was dazu führen könnte, dass Versicherungen jemanden abweisen, Betroffene ihre Stelle verlieren oder geächtet würden.

Selbst eine Bedrohungs- und Risikoanalyse, die das Bundesamt für Gesundheit 2015 in Auftrag gab, kommt zum Schluss, dass es «trotz aller Massnahmen nicht gelingen wird, jede unberechtigte Einsicht in das elektronische Patientendossier auf Dauer zu verhindern». Kein System lasse sich auf Dauer zu 100 Prozent schützen.