Kantonsspital Aarau

KSA erzählt erfreuliche Corona-Geschichte – wären da nicht die Nazi-Symbole im Hintergrund

Ein Bild im Magazin des Kantonsspitals Aarau wirft Fragen auf, weil im Hintergrund Nazi-Symbole zu sehen sind.

«Die Coronakrise schreibt auch wunderschöne Geschichten.» Mit diesem Satz beginnt ein Artikel im Mitarbeitermagazin des Kantonsspitals Aarau (KSA). Die Geschichte handelt von einem Krebspatienten des KSA, der mitten in der Hochphase der Pandemie auf den Philippinen weilte und wegen der Reisesperre nicht ausreisen konnte.

Sein Medikamentenvorrat war allerdings fast aufgebraucht. Deshalb bat er das KSA um Hilfe. Letztlich war es der Schweizer Botschafter in Manila, der dem Spital seine Hilfe anbot. Das KSA schickte das Paket mit den Medikamenten an die Kurier-Adresse des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten. Elf Tage später kamen die Medikamente in der Botschaft in Manila an. Einen Tag später übergab ein philippinischer Kurier das Paket dem Patienten. «Überglücklich und freudestrahlend nahm er die so lebenswichtige Sendung entgegen», heisst es im KSA-Artikel. Auf dem Bild ist dem Patienten die Freude trotz Mundschutz anzusehen.

Ein Bus voller Nazi-Symbole

Der Artikel habe sie «zutiefst schockiert», schreibt eine KSA-Mitarbeiterin in einem anonymen Brief, welcher der AZ von verschiedenen Seiten zugespielt wurde. Auf dem Bild sehe man, dass das Organisatorenteam in einem Bus unterwegs war, der «voller Nazi-Symbole» ist.

Tatsächlich ist auf der Scheibe des Lieferwagens ein eisernes Kreuz und darunter der Schriftzug «Blood&Honour» erkennbar. Das Eiserne Kreuz wurde bereits vor der NS-Zeit als Verdienstabzeichen verliehen. 1939 ist es in abgeänderter Form zum bekanntesten Orden des Dritten Reiches geworden. In der rechtsextremen Szene wird es teilweise an Stelle des Hakenkreuzes verwendet.

«Blood&Honour» wiederum ist der Name eines internationalen Netzwerks rechtsextremer Skinheads. Es spielt vor allem bei der internationalen Vernetzung und Organisation von Neonazi-Konzerten eine tragende Rolle.

«Einfach nur widerlich und traurig»

Auf dem Bus ist weiter – leicht verdeckt vom davorstehenden Kurier – das Logo der «Iron Cross Sons Philippines» erkennbar. Die Symbole auf der Website des Motorradclubs sind eindeutig: Es strotzt vor rechtsextremen Codes wie zum Beispiel 1919 – dem Zahlencode für die SS, Adolf Hitlers Schutzstaffel.

«Einfach nur widerlich und traurig» findet die KSA-Mitarbeiterin die Geschichte. Sie fragt sich, was der grössere Skandal sei: Dass das Spital und das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten mit Nazi-Sympathisanten zusammenarbeiteten oder dass das KSA im Artikel von der unbürokratischen Hilfe und einer wunderschönen Geschichte schwärme, schreibt sie.

Auf den Artikel angesprochen, sagt Ralph Schröder, Verantwortlicher für das KSA-Mitarbeitermagazin: «Wir hatten uns alle so auf diese Herzensgeschichte konzentriert, dass kein Mensch auf mögliche problematische Motive im Hintergrund des Fotos geachtet hat.» Das Foto sei direkt vom Botschafter aus Manila gekommen. «Ob es sich dabei überhaupt um ein Auto des Kurierdienstes handelt, wissen wir gar nicht.»

KSA hat Transport nur bis nach Bern organisiert

Das KSA habe sich lediglich um die Publikationserlaubnis und die Einwilligung des Patienten gekümmert. «Mit dem Transport auf den Philippinen sowie den Kosten hatte das KSA nichts zu tun.» Der Transport sei lediglich bis nach Bern vom KSA aus organisiert worden. «Natürlich verurteilen wir jede Organisation, die mit Nazi-Symbolen oder Nazi-Gedankengut sympathisiert», sagt Schröder. «Hätten wir die Symbole erkannt, hätten wir das Foto in dieser Form sicher nicht publiziert.»

Das Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) teilt auf Anfrage mit, die Schweizer Botschaft in Manila habe für den Transport der Medikamente Hand geboten. Für den Weitertransport in den Philippinen sei eine bekannte Reiseagentur angefragt worden, die dafür im Auftrag des Patienten eine Transportfirma betraut habe. «Die Botschaft stand zu keinem Zeitpunkt mit dem Kurier oder mit der im Artikel genannten Organisation in Kontakt.» Die Transportkosten seien vom Patienten direkt an den Fahrer vor Ort bezahlt worden.

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