Urteil

Landesverweis wegen 71.20 Franken: Slowene wollte Taxifahrt nicht zahlen – und bedrohte den Fahrer

In Olten stieg Janko (Name geändert) ins Taxi, später bedrohte der Slowene den Taxifahrer.

In Olten stieg Janko (Name geändert) ins Taxi, später bedrohte der Slowene den Taxifahrer.

Mit einem Teppichmesser bedrohte ein Slowene einen Taxifahrer. Nun wurde der 26-Jährige vom Bezirksgericht Aarau verurteilt.

«Hätte ich diese 71.20 Franken bezahlt, sässen wir alle heute nicht hier», sagt Janko (Name geändert) gleich zu Beginn der Gerichtsverhandlung. Die Polizei hat dem jungen, gepflegten Mann mit den weissen Armani-Turnschuhen nur wenige Minuten vorher die Handschellen abgenommen. Seit dem 25. Januar dieses Jahres sitzt er in Sicherheitshaft. In jener Nacht wurde er vorläufig festgenommen und seither nicht mehr freigelassen.

Während einer 28-minütigen Taxifahrt von Olten nach Aarau wurde er sich mit seinem Verhalten selbst zum Verhängnis. Am Bahnhof Olten stieg er kurz vor 1 Uhr morgens ein, alkoholisiert und auf Kokain. Seine Fahrt sollte am Wohnort einer Frau enden.

Fahrgast wollte nur 20 Franken zahlen und drohte mit Messer

Nur kurze Zeit nachdem der Taxichauffeur losgefahren war forderte Janko diesen auf, den Taxameter abzuschalten. Er wollte ihm für die Fahrt eine Pauschale von 20 Franken bezahlen. Als der Taxifahrer entgegnete, dass dies nicht möglich sei, soll der 26-Jährige laut Anklage ein Japanmesser aus der Arbeitshose gezogen und demonstrativ Stichbewegungen in Richtung des Bauchs des Taxifahrers gemacht haben. Zudem soll er damit angegeben haben, schon einmal einen Mann mit einem Messer verletzt zu haben.

Doch dies beunruhigte den Taxifahrer noch nicht. Er dachte er sich, dass Janko ihm nur imponieren wolle, und setzte seine Fahrt fort. Die Zieladresse erfuhr er, als Janko über Lautsprecher mit der Frau telefonierte, die er besuchen wollte. Doch als das Taxi in der Aarauer Telli ankam, Janko nach dem Preis fragte und der Fahrer den Betrag von 71.20 Franken nannte, weigerte sich dieser, zu bezahlen. «Ich dachte, dieser Preis sei zu hoch», sagt Janko gegenüber den Aarauer Bezirksrichtern, die – getrennt durch Plexiglasscheiben – den Rechtfertigungsversuchen des Mannes zuhören. «Später habe ich mich informiert und ich weiss nun, dass dieser Preis realistisch ist», gibt er vor Gericht halbeinsichtig zu.

Der Taxifahrer, der zum Kassieren der Fahrtgebühr das Portemonnaie hervorgenommen hatte, sagte zu Janko, er werde die Polizei beiziehen, sollte dieser nicht bezahlen. Darauf führte der Slowene laut Anklage das Japanmesser zum Hals des Taxifahrers und forderte diesen gleichzeitig lautstark auf, ihm das Portemonnaie zu geben. Der Taxifahrer, der die Türe bereits geöffnet hatte, verliess das Auto darauf fluchtartig, rannte davon und alarmierte darauf die Kantonspolizei.

Beschuldigter bestreitet die Drohung mit dem Japanmesser

Janko liess das Portemonnaie liegen und zottelte davon. Nur 50 Minuten später verhaftete ihn die Polizei. Und so endete die Nacht statt bei einer Frau zu Hause in der Untersuchungshaft. 124 Tage hat Janko bis zur Verhandlung in Untersuchungshaft verbracht. Die Anklage gegen ihn lautet auf versuchten Raub, geringfügigen Betrug und mehrfache Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz. Die Staatsanwaltschaft beantragt eine bedingte Freiheitsstrafe von 18 Monaten, eine Busse von 5000 Franken und einen Landesverweis von sieben Jahren.

Dass er die 71.20 Franken in jener Nacht nicht zahlen wollte oder Kokain und Alkohol konsumiert hatte, streitet Janko nicht ab. Aber die Geschichte mit dem Messer – so der Slowene – sei nie passiert. «Dass der Taxifahrer die Polizei rief und dies behauptete, war ein Racheakt, weil ich nicht bezahlen wollte.» Geld hätte er jedenfalls genug dabeigehabt. Von den 500 Franken, die ihm sein Chef am selben Tag ausbezahlt hatte, hatte er 100 in Kokain investiert. Den Rest hatte er mit dem Japanmesser in seiner Hosentasche verstaut.

Janko, so die Staatsanwaltschaft, habe sich bei den Befragungen widersprochen. Das Aussageverhalten des Taxifahrers sei hingegen stringent und glaubhaft gewesen. Die Aufnahme des Anrufs bei der Notrufzentrale spreche für sich: «Er wirkte sehr aufgeregt und konnte kaum verständliche Worte herausbringen», so der Staatsanwalt.

Für ein besseres Leben in die Schweiz gekommen

Janko kam 2014 in die Schweiz, auf der Suche nach einem besseren Leben, wie er sagt. In Slowenien habe er nur eine Tante und eine kleine 6-jährige Tochter, die bei ihrer Mutter lebt. Jankos Eltern wohnen im Luzernischen. «Diese vier Monate haben mich viel gekostet. Ich habe alles verloren. Meine Arbeitsstelle und meine Wohnung», sagt er über die Untersuchungshaft.

Bei Janko, der keine einschlägigen Vorstrafen hat, sei ein schwerer persönlicher Härtefall nicht gegeben, sagt der Staatsanwalt. «Er ist in Slowenien aufgewachsen und zur Schule gegangen», sagt er zum Antrag auf Landesverweis. «Hätte ich den Betrag doch bezahlt», lauten Jankos letzte Worte vor der Urteilsverkündung. Das Bezirksgericht Aarau spricht Janko des versuchten Raubs schuldig und verurteilt ihn zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 14 Monaten und einer Busse von 500 Franken. Ausserdem wird er für fünf Jahre des Landes verwiesen.

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