Aargauer Leuchttürme
Leuchtturm-Geld ist für Kindermuseum Entlastung, aber kein Ruhekissen

Das Kindermuseum Baden hat sich als Leuchtturm nicht verändert und es will den eingeschlagenen Weg weitergehen. Der Betriebsbeitrag von 150‘000 Franken gibt Sicherheit, finanziell langfristig über die Runden zu kommen.

Rosmarie Mehlin
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Das Kindermuseum Baden in der Villa Funk. HO

Das Kindermuseum Baden in der Villa Funk. HO

zvg

Das Knarren der glänzenden Holzdielen auf der alten Treppe wird vom Trippeln kleiner Füsse übertönt: Kinder haben es auf dem Weg nach oben eilig, der Wunderfitz sticht. Erwachsene gehen die Reise in ihre Vergangenheit ruhiger an.

Es stecken viele Erinnerungen in den Räumen und Vitrinen, doch kann das Schweizer Kindermuseum in Baden mitnichten darauf reduziert werden. «300 Jahre Kinderkultur, wie wir sie präsentieren, zeigt ebenso den gesellschaftlichen Wandel auf wie kulturgeschichtliche Entwicklungen», hält Museumsleiter Daniel Kaysel fest.

Er und sein Bruder Marcel als Kurator führen das Werk ihrer Eltern Sonja und Roger Kaysel fort. 1985 hatten diese ihre private Sammlung im «Haus zum Schwert» der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und damit einen Kampf ums finanzielle Überleben aufgenommen.

Rettungsanker «Stiftung»

Die Verleihung der Ehrendoktorwürde an das Ehepaar, bedeutende Preise und Nominationen in den folgenden Jahren hatten nichts daran geändert. 1997, als dem Museum das Aus drohte, hatte ein flammender Appell in der «Aargauer Zeitung» eine markante Wende gebracht: Das Ehepaar Pierre und Monique Chappuis-Speiser aus dem Luzernischen initiierte und finanzierte die Stiftung Schweizer Kindermuseum.

Kindermuseum: Fakten ohne und mit Leuchtturm Jahresbudget

2009: 754 000 Franken
2012: 830 000 Franken

Subventionen total Kanton
2009: 75000 Franken,
Projekt bezogen

2012: 150 000 Franken Leuchtturm, plus 85 000 bis 90000 Franken auf Projekte bezogen

Besucherzahlen
2009: 23618
2012: 24129

Mitarbeiter
2009: 530 Stellenprozent
2012: 530 Stellenprozent
(gleichbleibend)

Weitere Infos finden Sie auf www.kindermuseum.ch

Drei Jahre später schenkten die Chappuis dem Museum mit der «Villa Funk» nicht nur eine neue, grössere Bleibe, sondern stellten auch eine Million Franken zur Verfügung.

«Dieser Beitrag und die Erhöhung der Subvention der Stadt Baden um 30 000 Franken auf jährlich 136 000 Franken ermöglichten dem Museum die Zeit, die in Aussicht gestellte Revision des kantonalen Kulturgesetzes zu überstehen», so Daniel Kaysel.

Obwohl die Besucherzahlen stetig stiegen – heute sind es rund 25 000 im Jahr - befand sich das Museum finanziell weiterhin auf einer Gratwanderung.

«Dass der Kanton uns als Leuchtturm ausgewählt hat, bedeutet primär eine spürbare Entlastung des Stiftungskapitals. Dass wir ein Leuchtturm sind, ist aber auch sehr stark ein Zeichen von Anerkennung und Wertschätzung. Und es motiviert, das Museum inhaltlich und qualitativ gegenüber vergleichbaren Institutionen im Land zu positionieren.»

Die Leuchtturm-Gelder fliessen im Kindermuseum nur marginal in konkrete Projekte. «Vor allem sind sie eine wertvolle Unterstützung in unseren Bemühungen um die langfristige Sicherung des Betriebs.»

Eintrittspreise erhöht

Der Leuchtturm wird indes nicht als finanzielles Ruhekissen betrachtet. Unter anderem wurden 2012 erstmals seit zehn Jahren die Eintrittspreise leicht angehoben, eine Aktion zur Werbung neuer Fördervereinsmitglieder hat jüngst 30 Einzelpersonen und 30 Firmen gebracht, ein Patronatskomitee zur ideellen Unterstützung des Museums ist im Aufbau begriffen.

In den vergangenen 27 Jahren wurden im Kindermuseum 45 Sonderausstellungen realisiert. Dazu finden an rund 70 Tagen im Jahr vielfältige Aktivitäten statt. Über 50 externe Helferinnen und Helfer aus dem In- und Ausland stellen pro Jahr regelmässig ihre Leidenschaft zur Verfügung – so seit Jahren die «Isebähnler» oder jüngst junge «Gamer».

Zudem wird berufliches Können gezeigt, wie etwa von Buchillustratoren, vom Holzschnitzer oder vor Ostern vom renommierten Chocolatier Fabian Rimann aus Wettingen. «Sie alle kommen aus Freude an der Sache und nicht des Geldes wegen zu uns.»

Animation ohne Berührungsängste ist grossgeschrieben und Aufsichtspersonen sucht man in den Räumen vergeblich. «Unsere Besucher sollen sich wohlfühlen im Haus. Auch wenn halt mal etwas kaputt geht - das gehört in einem Kindermuseum einfach dazu», hält Marcel Kaysel fest.

Auch diese unverkrampfte Haltung wird durch die Leuchtturm-Gelder unterstützt: Die kleinen Besucher des Kindermuseums lieben und geniessen das, die grossen schätzen es und die alten Holzdielen in der Villa Funk strahlen, auf Hochglanz poliert, vor Freude.

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