öV-Vorlage
Leuthard: «Solange die Bahn keinen Fonds erhält, gibts auch für die Strasse keinen»

Verkehrsministerin Doris Leuthard trat in Aarau mit Kantons-, Wirtschafts- und Gewerkschaftsvertretern auf. Man war sich einig: Fabi ist ein Muss. Von den Gegnern der Vorlage war niemand anwesend – sie alle waren verhindert.

Fabian Hägler
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Thomas Mahrer (IG Detailhandel), Edith Graf-Litscher (Nationalrätin TG), Bundesrätin Doris Leuthard, Giorgio Tuti (Präsident SEV) und Matthias Michel (Regierungsrat ZG) setzen sich für Fabi ein. Emanuel Freudiger

Thomas Mahrer (IG Detailhandel), Edith Graf-Litscher (Nationalrätin TG), Bundesrätin Doris Leuthard, Giorgio Tuti (Präsident SEV) und Matthias Michel (Regierungsrat ZG) setzen sich für Fabi ein. Emanuel Freudiger

EMANUEL PER FREUDIGER

Laut der aktuellsten nationalen Meinungsumfrage sind 56 Prozent der Schweizer Bevölkerung für Fabi, die Vorlage für Finanzierung und Ausbau der Bahninfrastruktur. Bei der Infoveranstaltung zur 6,4-Milliarden-Vorlage, die gestern Montagabend im Kultur- und Kongresszentrum Aarau stattfand, dürfte der Ja-Anteil wohl bei 100 Prozent gelegen haben.

Fabi: Veranstalter wollten auch die Gegner in Aarau

«Wir hätten eigentlich lieber ein Podium mit Pro- und Contra-Vertretern gehabt», sagt Daniela Lehmann, Koordinatorin Politik bei der Gewerkschaft des Verkehrspersonals (SEV). Deshalb seien Max Nötzli (69), Präsident der
Autoimporteur-Vereinigung Auto-Schweiz und SVP-Nationalrat Walter Wobmann als Teilnehmer der Veranstaltung in Aarau angefragt worden. «Beide haben uns allerdings abgesagt», bedauert Lehmann. Auch SEV-Präsident ging bei seiner Begrüssung auf die fehlenden Gegner ein. «Wir hätten gerne Toni Brunner, Ulrich Giezendanner oder Adrian Amstutz als Gegner dabei gehabt, doch niemand von der Gegnerseite war heute verfügbar», sagte er. (fh)

Eingeladen hatte die Gewerkschaft des Verkehrspersonals (SEV), Hauptreferentin war Bundesrätin Doris Leuthard, Fabi- Gegner waren keine da – eine brisante Aussage gab es aber. Ganz zum Schluss, nachdem sie mehrfach betont hatte, dass es nicht zeitgemäss sei, Strasse und Schiene gegeneinander auszuspielen, betonte Leuthard: «Solange der Bahnfonds nicht steht, erhält auch die Strasse keinen Fonds – zumindest nicht, solange ich als Bundesrätin für das Verkehrsdepartement zuständig bin.»

Ja-Argumente aus vielen Lagern

Für diese klare Aussage erntete Doris Leuthard viel Applaus, obwohl sie zuvor auf eine Frage von Moderator und az-Chefredaktor Christian Dorer gesagt hatte, die Vorlage für
einen Strassenfonds sei schon bereit für die Vernehmlassung.

Am Beispiel des Bahnhofs Aarau, der seit 2007 rund 30 Prozent mehr Passagiere und 11 Prozent mehr Züge verzeichnet, zeigte Doris Leuthard das starke Wachstum im öffentlichen Verkehr auf. Um die Qualität des öV-Systems zu erhalten, das SEV-Präsident Giorgio Tuti als «weltweit führend» bezeichnet hatte, ist Fabi für Leuthard zwingend nötig. «Wir stellen die Weichen für die Zukunft», sagte sie, und zählte Vorteile für den Aargau auf: Halbstundentakt von Aarau nach Zürich, dichteres Angebot der S-Bahn im unteren Fricktal, 4-Spur-Ausbau zwischen Aarau und Olten und 4-Meter-Erweiterung des Bözbergtunnels für den Güterverkehr.

Support für Leuthard und Fabi gab es danach aus verschiedenen Lagern. Die Thurgauer SP-Nationalrätin und Gewerkschaftssekretärin Edith Graf- Litscher betonte, dass in der Schweiz «rund 100 000 Arbeitsplätze am öV hängen». Fabi biete Gewähr, dass die Jobs erhalten blieben und die Angestellten weiterhin «anständige Löhne und Arbeitsbedingungen» hätten.

Der Zuger Regierungsrat Matthias Michel (FDP), Präsident der kantonalen öV-Direktoren, ist ein begeisterter Zug- und Busfahrer. «Mit Fabi werden keine Luxuswünsche der Kantone erfüllt, sondern die Grundlagen dafür gelegt, dass auch künftige Generationen die heutige Leistung des öffentlichen Verkehrs nutzen können», hielt er fest. Die gute Erreichbarkeit einer Region sei heute ein wichtiger Standortfaktor, «vielleicht noch vor der Steuerbelastung», erklärte Michel.

Auch für den Detailhandel sei ein gut ausgebautes Schienennetz wichtig, um die tägliche Versorgung der Filialen betriebswirtschaftlich effizient und umweltverträglich sicherzustellen, sagte Thomas Mahrer, Logistikspezialist bei Coop. «Darüber hinaus braucht es aber auch den Strassenfonds und eine bessere Logistik-infrastruktur», hielt Mahrer fest.

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