Nationalratskandidaten

Lohntransparenz bei der SP: «Das ging uns durch die Lappen»

Die SP Aargau nominiert ihre Kandidaten für die eidgenössischen Wahlen.

Die SP Aargau nominiert ihre Kandidaten für die eidgenössischen Wahlen.

Die Juso fordert Lohntransparenz auch in den eigenen Reihen. Die SP Aargau hat es bisher allerdings versäumt, die Kandidatinnen und Kandidaten für die Nationalratswahlen dazu zu befragen. Die Parteispitze will nun nochmals über die Bücher.

Eigentlich wäre am Samstag Selbstfeierstimmung in der SP angesagt gewesen. Am Nominationsparteitag in Boswil, wo  die Kandidierenden der Aargauer SP für den National- und Ständerat bekanntgegeben wurden, kam jedoch Kritik auf aus den eigenen Reihen und zwar von der Juso. Diese störte sich daran, dass auf den ausgefüllten Fragebögen der SP-Kandidierenden Fragen über die Einkommenstransparenz ganz ausgeblendet wurden.

«Es stand weder die Frage drin, wie der Kandidierende zu den Themen Einkommenstransparenz und Parteifinanzierung steht, noch wurde gefragt, wie viel der Kandidierende verdient», sagt Sascha Antenen, Präsident der Juso Aargau. Das habe ihn erstaunt, hätte die SP doch die Transparenz-Initiative der Juso einstimmig angenommen. «Wir finden, das Thema sollte man unbedingt miteinbeziehen», sagt er.

Nachgefragt bei Elisabeth Burgener, Co-Präsidentin der SP Aargau, räumt sie ein: «Das ist uns schlicht durch die Lappen und wir haben der Juso gegenüber auch schon reagiert.» Sie bekräftigt, dass die SP das Thema Offenlegung der Politikfinanzierung in ihr Wahlprogramm aufnehmen werde, «auch weil es eine erfolgreiche Abstimmung war».

Sie versichert: «Die Finanzierung der Partei werden wir mit Bestimmtheit offenlegen.» Über die konkrete Lohntransparenz bei den Kandidierenden werde die Geschäftsleitung der Partei zuerst noch beraten. Auch intern habe die SP keine Kenntnis vom Einkommen ihrer Kandidierenden. «Einzelne machen das ja bereits von sich aus», sagt Burgener. Für das Vornominierungsverfahren sei dies aber keine Bedingung gewesen.

Einer, der die Forderung der Juso bereits nachlebt, ist Cédric Wermuth, der andere Co-Präsident der SP Aargau. «Mein Einkommen ist sowieso schon lange publik», sagt er, der seine Steuererklärung auf seiner Homepage publiziert. 58'000 Franken hat Wermuth 2012 nach eigenen Angaben versteuert. Mehr will er nicht zum Thema sagen. «Weil ich selber als Nationalrat kandidere.»

Kritik auch wegen Frauenquote

Zweiter Kritikpunkt der Juso betraf die Frauenquote in den vorderen Listenrängen. «Dass auf den ersten sechs Rängen doppelt so viele Männer wie Frauen aufgeführt sind, ist für uns falsch», sagt Sascha Antenen von der Juso. Das Problem betreffe nicht die drei bisherigen Nationalräte, die sollten auch gemäss der Juso die Liste anführen. «Doch auf den darauf folgenden Rängen hätte man mehr Frauen aufführen sollen.»

Elisabeth Burgener erklärt, man habe diese Frage in der Geschäftsleitung der SP beraten und entschieden, die Kandidaten und Kandidatinnen, die sich bereits vor vier Jahren zur Wahl gestellt hatten, in den vorderen Rängen aufzuführen. «Einerseits als Honorierung für damals, aber auch weil wir von ihnen einen besonders aktiven Wahlkampf erwarten», sagt sie. «Wichtig für uns war, dass sicher mindestens die Hälfte der Kandidierenden Frauen sind – das haben wir erreicht», sagt sie.

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