Flugzeugunglücke
Matthias Jauslin: «Das war eine rabenschwarze Woche für mich als Aero-Club-Präsident»

FDP-Nationalrat und Präsident des Aero-Club Schweiz Matthias Jauslin spricht über die beiden Flugzeugabstürze innert Wochenfrist und wann er selber wieder im Cockpit sitzt.

Rolf Cavalli
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Passionierter Segelflieger: FDP-Nationalrat Matthias Jauslin.

Passionierter Segelflieger: FDP-Nationalrat Matthias Jauslin.

Emanuel Freudiger

Nach dem Flugzeugabsturz im Engadin mit drei Toten und einer Schwerverletzten ist am Dienstag ein Pilot und sein Passagier tödlich verunglückt. Was geht Ihnen da durch den Kopf?

Matthias Jauslin: Für mich als Zentralpräsident des Aero-Club Schweiz ist das eine rabenschwarze Woche.

Der verunglückte Bodensee-Pilot Urs Käppeli kommt wie Sie aus Wohlen. Wie gut kannten Sie ihn?

Vor allem aus der Lokalpolitik als Schulpflege-Präsident.

Und als Pilot?

Weniger. Ich bin eher spät zur Fliegerei gekommen. Ich wusste zwar, dass er auch fliegt, hatte mit ihm aber nie direkt zu tun in der Aviatik.

Wie beurteilen Sie den Absturz am Bodensee?

In der Nähe gibt es einen Flugplatz, den man in einer Notsituation ansteuern könnte. Das ist in diesem Fall nicht geschehen, also muss etwas urplötzlich passiert sein. Ich masse mir aber kein Urteil an. Man muss die Untersuchung abwarten.

Der Pilot soll gemäss Augenzeugen einen Looping geflogen haben. Ist das gängig?

Das ist erst mal eine Aussage eines Dritten vom Boden aus. Ob dieser das Flugmanöver richtig interpretiert hat, ist offen. Generell bezweifle ich aber, dass ein Pilot während eines Geschäftsfluges von Zürich nach Hamburg ein solches Manöver einbaut.

Matthias Jauslin ist in seiner Freizeit ein begeisterter Segelflieger. ZVG

Matthias Jauslin ist in seiner Freizeit ein begeisterter Segelflieger. ZVG

Die Unglücksmaschine ist vom gleichen Hersteller wie beim Absturz im Engadin. Wie beurteilen Sie das?

Das ist wohl Zufall. Sie sind zwar vom gleichen Hersteller, aber zwei völlig verschiedene Typen. Beim Bodensee-Unglück handelt es sich um eine hochmotorisierte PA-46 Malibu Mirage, geeignet als Geschäftsflieger für längere Strecken mit hoher Geschwindigkeit. Beim Absturz in der Diavolezza war als Rundflug-Flieger ein einfaches, vierplätziges Motorflugzeug im Einsatz, eine Piper PA-28. Die hat eine völlig andere Performance.

Bei beiden Unglücken wird betont, dass der Pilot sehr erfahren gewesen sei. Für Laien ist diese Aussage eher beunruhigend. Wird die Gefahr in der Luft von routinierten Piloten zuweilen unterschätzt?

Auch langjährige Piloten machen regelmässig Testflüge, müssen auf dem neuesten Stand sein. Der Pilot ist nicht der einzige Faktor bei Problemen. Das Wetter spielt eine Rolle, der Gesundheitszustand ...

... der Pilot am Bodensee war 74-jährig. Welche Rolle spielt das Alter beim Fliegen?

Privatpiloten werden ab 50-jährig jährlich von Fliegerärzten untersucht, also einiges früher als beim Autofahren.

Wie gut waren Sie als neuer Aero-Club-Präsident auf das Krisenmanagement beim Diavolezza-Absturz letzten Freitag vorbereitet?

Es gibt für eine solche Situation eine detaillierte Checkliste, die laufend überarbeitet wird. Bei einem so gravierenden Vorfall darf nichts dem Zufall oder der Tagesform überlassen werden.

Was war das Schwierigste für Sie?

Dass Jugendliche aus dem Leben gerissen wurden, die eine solche Freude für die Fliegerei entwickelt haben, tat mir extrem weh.

Wie arbeiten Sie das Unglück intern auf?

Wir überprüfen, wie wir solche Lager in Zukunft durchführen wollen. Zudem sind wir mit den Betroffenen in Kontakt, geben Neuigkeiten laufend weiter. In den nächsten Tagen erhalten zudem alle Lagerteilnehmer einen Brief, in dem wir sie über den neusten Stand informieren.

Hat der Aero-Club selber rechtliche Konsequenzen zu befürchten?

Davon gehe ich nicht aus. Wir haben den Flug im Engadin nicht selber durchgeführt.

Sie sind Segelflieger. Wann sitzen Sie zum nächsten Mal als Pilot ins Cockpit?

Nächstes Wochenende bei einer Segelflugmeisterschaft in Zweisimmen. Da habe ich vor, selber zu fliegen.

Mit einem zwiespältigen Gefühl?

Wenn ich im Cockpit sitze, konzentriere ich mich voll auf das Fliegen. Ansonsten sind meine Gedanken auch bei den Opfern und Betroffenen der zwei Unglücke der letzten Tage.

Das Unglücksflugzeug wurde am Mittwochabend geborgen.

Die Bilder vom Bodensee:

Flugzeugabsturz Bodensee
11 Bilder
Bis in 60 Meter Tiefe ist das Flugzeug abgesunken.
Die Einsatzkräfte suchten auch am Tag nach dem Absturz noch nach der Unglücksmaschine.
Am Absturztag, Dienstag, musste die Suche witterungsbedingt unterbrochen werden.
Die Polizei hat die mutmassliche Absturzstelle mit Bojen markiert.
In der Nähe der Bojen sind Verunreinigungen aufgetaucht.
Das Flugzeug stürzte am Dienstag kurz nach halb zwölf Uhr in den Bodensee.
Die Polizei hat Flugzeugteile aus dem See geborgen.
Die Absturzursache ist unklar.
Die Aufzeichnung zeigt, wie der Flug der Piper über dem Bodensee endete.
Beim Unglücksflugzeug handelt es sich um eine Piper Malibu, wie sie hier am Flughafen Zürich steht.

Flugzeugabsturz Bodensee

A9999/_Kohls

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