Abschlussarbeit

Maturand entwirft neues Steuersystem für den Kanton Aargau

Am Familientisch ging es oft um die ärgerliche Steuererklärung, das hat Alain Geigers Interesse und Ehrgeiz geweckt.

Am Familientisch ging es oft um die ärgerliche Steuererklärung, das hat Alain Geigers Interesse und Ehrgeiz geweckt.

Sich in Steuertabellen zu vertiefen ist kaum die typische Freizeitbeschäftigung eines 19-Jährigen. Alain Geiger aus Möhlin hat es für seine Matura-Arbeit am Gymnasium Muttenz getan. 200 Stunden brütete er über Tabellen.

Viele Stunden lang vertiefte sich Alain Geiger für seine Matura-Arbeit in Steuertabellen. Auf 150 bis 200 Stunden beziffert er den Aufwand für sein Werk, nach dem Leitfaden des Gymnasiums wäre eine Matura-Arbeit in 80 bis 100 Stunden zu schaffen.

«Es gab aber Mitschüler, die einen noch deutlich grösseren Aufwand betrieben haben als ich», gibt sich Alain Geiger bescheiden. Das Resultat seiner Arbeit: «Ein neues Steuersystem für den Kanton Aargau.»

Was (bürgerlichen) Politikern seit langem vorschwebt, hat der Maturand geschafft: Ein Modell für die sogenannte Flat rate tax, ein System, das mit einem einheitlichen Steuersatz für alle und einem einzigen Freibetrag anstelle diverser Abzüge auskommt. 

Zugegeben: Wirklich ganz durchschlagen konnte Alain Geiger den gordischen Knoten auch nicht – es ging ja schliesslich zunächst einmal auch «nur» um die Matura und nicht um den Nobelpreis.

So verlockend einfach sich die Flat rate tax anhört, so schwierig ist ihre Ausgestaltung, damit beim Wegfall der Steuerprogression nicht entweder die unteren und mittleren Einkommen viel stärker belastet werden oder der Staat zu viele Steuereinnahmen verliert.

Nachdem sich der Maturand aus Möhlin durch zum Teil 3500 Zeilen lange Tabellen geackert und endlos gerechnet hat, präsentiert er aber doch ein Modell, das der Praxistauglichkeit nahe kommt.

Genauer zwei: Bei einem Einheits-Steuersatz von 7 Prozent und einem Freibetrag von 24 000 Franken würde die Steuerlast stark auf die Mittelschicht verschoben und die höchsten Einkommensklassen würden von einer grossen Entlastung profitieren, ist in der Arbeit nachzulesen.

Bei einem Steuersatz von 9 Prozent und einem Freibetrag von 35 000 Franken entstehe zwar auch eine Umverteilung zulasten der Mittelschicht, die Steuerlast werde aber deutlich mehr von den hohen Einkommensklassen getragen.

«Die Ergebnisse der verschiedenen Vergleiche zeigen, dass die Flat rate tax gegenüber dem derzeitigen Steuersystem konkurrenzfähig ist», schreibt Alain Geiger in seiner Arbeit selbstbewusst. Es bleibe «zu hoffen, dass der Kanton in Zukunft die Einführung der Flat rate tax in Betracht ziehen würde».

Eine Affinität zu Zahlen

Wie ist der Maturand überhaupt auf das Thema gekommen? Mit dem Schwerpunktfach «Wirtschaft und Recht» hat man natürlich grundsätzlich Interesse an Wirtschaftsthemen.

Und er habe auch eine gewisse Affinität zu Zahlen, so Alain Geiger. «In Gesprächen am Familientisch ging es öfter um das mühsame Ausfüllen der Steuererklärung, und da ist das Interesse am Thema gewachsen», erzählt Alain Geiger.

Ein zentrales Merkmal der Flat rate tax: Damit käme man der berühmten Idee von der Steuererklärung auf dem Bierdeckel nahe. «Als mir das Modell vorgestellt wurde, wusste ich, worüber ich schreiben werde», so der Maturand.

Seine Zukunft sieht er deswegen nicht gleich als Steuerexperte. Nach der Matur heisst es für Alain Geiger zunächst einmal Dienst am Vaterland, er kann die Rekrutenschule im nahe gelegenen Liestal absolvieren.

Was er danach studieren wird, hat er noch nicht definitiv entschieden. Sehr interessieren würde ihn aber der neue Studiengang Wirtschaftschemie an der Universität Zürich, also eine Kombination aus Wirtschafts- und Naturwissenschaft.

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