Gesundheit
Medikamenten-Abgabe: Ärzte und Apotheker sind von der Regierung enttäuscht

Der Kampf zwischen Ärzte und Apothekern ist im vollen Gange: Wer soll den Patienten Medikamente abgeben dürfen? Die Regierung hat beide Vorlagen in einer Botschaft abgelehnt. Ärzte und Apotheker sind enttäuscht.

Silvan Hartmann
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Die Frage ist längst äusserst umstritten und die Stimmung zwischen Ärzten und Apothekern wird längst als «angespannt» beschrieben: Soll den Aargauer Ärztinnen und Ärzten gestattet werden, ihren Patienten in der Praxis Medikamente abzugeben oder soll dies den Apothekern vorenthalten sein?

Darüber wird das Aargauer Volk mit zwei Volksinitiativen im nächsten Jahr abstimmen.

Die Volksinitiative der Ärzte will das bestehende Verbot der Medikamenten-Abgabe gesetzlich aufheben, während die Apotheker mit ihrer Vorlage ein Selbstdispensations-Verbot gar in der Verfassung verankert haben wollen.

Der Regierungsrat lehnt in einer Botschaft, die er dem Grossen Rat zugeleitet hat, beide Vorlagen zur Selbstdispensation ab. Begründung: Es bestünde ein funktionierendes System.

23 Aargauer Hausärzte dürfen schon Medikamente verkaufen

Grundsätzlich steht es den Kantonen frei, ob sie auf ihrem Gebiet die Selbstdispensation teilweise oder vollumfänglich zulassen möchten. Im Aargau gilt aktuell das Verbot der Medikamenten-Abgabe für Ärzte. Dieses ist jedoch mit einem sogenannten Erlaubnisvorbehalt in Kraft, in dem Ärzte die Bewilligung zur Führung einer Patientenapotheke erhalten können, wenn die Versorgung mit Medikamenten nicht durch öffentliche Apotheken gewährleistet ist. So dürfen mit dem bestehenden System bereits 23 Aargauer Ärzte in ihrer Praxis Medikamente an Patienten abgeben.

Ärzte und Apotheker zeigen sich enttäuscht über den Entscheid der Regierung: «Unsere Initiative zielt nur darauf, dass es ein neues, verlässliches und faires Modell für alle Anbieter gibt. Denn die Grundversorgung kann nur dann verbessert werden, wenn der verantwortliche Hausarzt mit dem Patienten die Anwendung explizit verordneter Medikamente besprechen kann. Rezepte sind zu theoretisch», hält Hans-Ulrich Iselin, Präsident des Aargauischen Ärzteverbandes, auf Anfrage der Aargauer Zeitung fest.

Obwohl der Status-Quo-Entscheid laut Initiativ-Vertreter viel eher den Apothekern entspreche, sind auch die Apotheker enttäuscht: «Der Entscheid ist für uns nicht nachvollziehbar. Immerhin unterstützen über 50'000 Aargauer unsere Volksinitiative. Wir haben uns erhofft, dass die Regierung unsere Initiative in Form eines modernen Verfassungsartikels aufnimmt», sagt Fabian Vaucher, Präsident des Aargauischen Apothekerverbandes.

So bestehen in der Grundversorgung grosse Probleme, die man nur gemeinsam und nicht gegeneinander, wie dies nun der Fall sei, angehen könne, so Vaucher. «Unsere Initiative gewährleistet die konsequente Trennung der Kompetenzen und führt damit zu einer verstärkten Zusammenarbeit aller medizinischen Leistungserbringer.»

Die Abstimmung über die beiden Vorlagen «Ja zur ärztlichen Medikamentenabgabe» und «Miteinander statt Gegeneinander» wird am 22. September 2013 stattfinden.

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