Lockdown

Mehr häusliche Gewalt während der Coronakrise – das Aargauer Frauenhaus ist voll

Trotz deutlich mehr Anfragen in Coronazeiten: Im Frauenhaus Aargau Solothurn musste niemand abgewiesen werden.

Trotz deutlich mehr Anfragen in Coronazeiten: Im Frauenhaus Aargau Solothurn musste niemand abgewiesen werden.

Die Befürchtungen, die Krise führe auch im Aargau zu mehr häuslicher Gewalt, haben sich bestätigt. Die Belegung im Frauenhaus war konstant hoch. Auch telefonische Beratung war deutlich mehr gefragt.

Die Krise verunsichert, stellt einige Menschen unter Druck. Was gerade während des Lockdowns das Risiko, dass die Situation in den eigenen vier Wänden eskaliert, erhöhte. So die Befürchtung von Expertinnen und Experten. Man rechnete damit, dass Fälle häuslicher Gewalt zunehmen würden. Auch im Kanton Aargau war das von den zuständigen Institutionen zu hören. Etwa vom Frauenhaus Aargau Solothurn, welches bereits Ende März fast voll war. Oder von der Opferhilfe Aargau Solothurn, die sich wappnete, auch vom Homeoffice aus mehr Fälle zu betreuen.

Mittlerweile ist der Lockdown vorbei. «Die Belegung blieb konstant hoch», zieht Stiftungsratspräsidentin Janine Sommer von Seiten Frauenhaus Bilanz. Noch im Januar hatte man 35 Anfragen für Platzierungen, im März waren es bereits 74. Eine weitere «erhebliche Zunahme» habe es dann aber nicht gegeben, im Juni beispielsweise gingen 51 Anfragen ein. Auch das sind mehr als sonst. «Die meiste Zeit war das Frauenhaus voll belegt. Zeitweilen war das Frauenhaus auch übergangsmässig - über wenige Tage hinweg - überbelegt», so Sommer über die Folgen der erhöhten Anfragen. Abgewiesen werden musste aber niemand. Nicht jede Anfrage führt zu einer Platzierung; und je nach Gefahrenlage wird eine Frau auch nicht im Kanton platziert. Auch telefonische Beratungen konnte man ohne zusätzliches Personal stemmen: Im März wiederum waren die Anfragen am höchsten - 84 gab es - im Juni waren es noch 60.

Kantone unterstützen Institutionen zusätzlich

Telefonisch wurde auch bei der Opferhilfe Aargau Solothurn beraten; wobei hier während des Lockdowns, und vor allem danach, ebenfalls mehr Fälle eingingen, wie Stellenleiterin Susanne Nielen Gangwisch berichtet. Sie spricht von einer Zunahme von rund 30 Prozent im Vergleich zum ersten Halbjahr 2019. Einerseits berät die Opferhilfe, sie bringt Betroffene aber auch unter. «Da das Frauenhaus immer recht voll war, mussten wir auch ausweichen», so die Stellenleiterin. Etwa in die Notunterkünfte – Wohnungen – welche die Opferhilfe gemietet hat.

Um die Menge neuer Aufgaben zu bewältigen, klärt die Opferhilfe derzeit zudem ab, welche Mitarbeitende ihre Pensen erhöhen könnten. Laut Nielen Gangwisch werden «coronabedingte» Zusatzaufwände bis Ende der Krise vom Kanton Aargau übernommen.

Auch das Frauenhaus wird zusätzlich unterstützt. Dazu sind laut Sommer zusätzliche Plätze bewilligt worden. Diese finanzieren die Kantone Aargau und Solothurn mit Tagespauschalen. «Sie behielten sich aber vor, die Tagespauschale zu reduzieren, falls bei einer externen Lösung nicht die gleiche Betreuung wie im Frauenhaus hätte gewährleisten können», so Sommer. Auf externe Lösungen war man wie erwähnt aber nicht angewiesen. Sogar Frauen mit Krankheitssymptomen habe man aufnehmen können, weil man im Frauenhaus getrennte Wohnräume habe. So kam es im Frauenhaus bisher auch zu keinen Erkrankungen – weder bei der Klientel noch im Team.

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