Kriminalität
Mehr Raser und Betrüger, historisch wenig Verkehrstote: So wertet die Aargauer Polizei das Coronajahr 2020

Die Kantonspolizei Aargau hat letztes Jahr viele Strafanzeigen wegen Verdachts auf Betrug bei Corona-Krediten verzeichnet. Zu kämpfen hatte sie mit der Rechtslage, die sich immer wieder änderte.

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Die Zahl der Raser- und Autoposerdelikte hat im Aargau im Coronajahr markant zugenommen. (Symbolbild)

Die Zahl der Raser- und Autoposerdelikte hat im Aargau im Coronajahr markant zugenommen. (Symbolbild)

Peter Cade / Stone RF

Die Corona-Nothilfekredite halfen Unternehmen letztes Jahr, den Lockdown und seine Folgen zu überleben. Sie lockten aber auch Betrüger an. Im Aargau gab es "eine hohe Anzahl Strafanzeigen wegen des Verdachts auf Betrug bei Covid-19-Krediten", teilt die Aargauer Kantonspolizei am Freitag mit. Die Deliktsumme dürfte sich auf über zehn Millionen Franken belaufen. Beim Anlagebetrug stellt sie beinahe eine Verdoppelung im Vergleich zum Vorjahr fest.

Rund 80 Gewerbetreibende und 150 Privatpersonen sind laut Kantonspolizei im Zusammenhang mit den Corona-Massnahmen an die Staatsanwaltschaft verzeigt worden. Ausserdem verteilte die Polizei 2500 Ordnungsbussen.

Die Pandemie fordert die Sicherheitskräfte stark. Die Gesetzeslage ändert sich immer wieder kurzfristig oder ist unklar. Das macht es den Kantonspolizistinnen und -polizisten teils schwierig, das Recht durchzusetzen. Herausfordernd sei auch der Eigenschutz vor Ansteckungen, heisst es in der Mitteilung.

Neue Task-Force wegen Autoposern

Raser- und Autoposerdelikte haben im Aargau letztes Jahr markant zugenommen. Die Kantonspolizei führt das auf die Pandemie zurück. Deshalb hat sie eine neue Task-Force gegründet, die sich um Autoposer und Tuner kümmert. Mit den Rasern beschäftigt sich die bereits bestehende Gruppe "Besondere Ermittlungen".

Die Zahl der Verkehrstoten ist hingegen auf einen historischen Tiefstand gefallen. Acht Menschen kamen auf den Aargauer Strassen ums Leben. Im Jahr davor waren es elf. Senioren waren deutlich weniger oft an Unfällen beteiligt. Weil viele Menschen auf das Rad umstiegen, waren rund 20 Prozent mehr Menschen in einen Velo- oder E-Bike-Unfall verwickelt.

Polizeidirektor Egli: Es braucht mehr Polizisten

Trotz der Corona-Umstände könne das vergangene Jahr aus polizeilicher Sicht als erfolgreich bezeichnet werden, wird Kommandant Michael Leupold in der Mitteilung zitiert. Es sei gelungen, die Einsatz- und Handlungsfähigkeit zu gewährleisten.

Der neue Polizeidirektor Dieter Egli stellte in einer digitalen Medienkonferenz am Freitag klar, wo er Handlungsbedarf sieht: Es brauche mehr Polizisten. Das Alltagsgeschäft der Kantonspolizei werde komplexer. Wenn sie es bewältigen und auch in ausserordentlichen Situationen einsatzfähig sein soll, benötige sie personelle Verstärkung. Egli sagt: "Der Aufbau der letzten Jahre reicht nicht aus." (mwa)